LASST DIE SAU RAUS!

 

PROVIEH kämpft für den Ausstieg aus dem Kastenstand

 

Kampagne: Lasst die Sau raus! (#LasstDieSauRaus)

Ziel der Kampagne: Bewegungsfreiheit für Muttersauen - tierschutzwidrige Haltung von Sauen in Kastenstand und „Ferkelschutzkorb“ beenden.

Fast die Hälfte des Jahres verbringen Sauen in Deutschland in der Regel fixiert in Kastenständen. Kastenstände sind etwa körpergroße Metallkäfige, in dem die Muttersauen einen Großteil ihres Lebens verbringen müssen. Sie können nur bewegungslos stehen oder liegen und sich nicht einmal umdrehen. Natürliche Verhaltensweisen wie Nestbau können sie nicht ausleben. Verhaltensstörungen wie das Leerkauen oder Stangenbeißen sind die Folge. Kastenstände sind tierschutzwidrig, denn sie schränken die arteigene Bewegung von Sauen stark ein und führen zu unnötigem Leid, Schmerzen und Schäden. Daher verstößt jegliche Fixierung von Sauen in Kastenstand und „Ferkelschutzkorb“ gegen das Tierschutzgesetz. Darüber hinaus sind diese häufig viel zu eng, so dass die Tiere ihre Gliedmaßen nicht zu den Seiten ausstrecken können, obwohl dies eigentlich gesetzlich vorgeschrieben ist.

 

PROVIEH erklärt die Stationen eines Saulebens

 

Lasst die Sau raus!

Etwa 1,8 Millionen Sauen leben in deutschen Ställen. Diese werfen jährlich 53 Millionen Ferkel für die Fleischproduktion.

Eine Sau ist 3 Monate, 3 Wochen und 3 Tage trächtig. Nach dem Absetzen werden die Ferkel in der konventionellen Haltung nur 3 bis 4 Wochen gesäugt. Innerhalb dieses Zyklus werden die Sauen bis zu 10 Wochen in Kastenstand und „Ferkelschutzkorb“ fixiert. Fast die Hälfte ihres Lebens verbringen die intelligenten und sensiblen Tiere somit in Käfigen ohne jegliche Bewegungsfreiheit.

Diesen Kreislauf durchleben die Sauen im Durchschnitt 7-Mal innerhalb von 2,5 Jahren. Danach sind ihre Körper bereits zu erschöpft, um diese Hochleistung zu vollbringen. Das macht sich bemerkbar durch Krankheiten der Sauen, eine geringere Fruchtbarkeit oder vermehrt totgeborene Ferkel. Sobald die Sau nicht mehr „funktioniert“ wird sie geschlachtet.

Hier finden Sie unser Infoposter zum download.

 

Urteil zum Kastenstand: Noch immer eingepferchte Schweine | Unser Land | BR Fernsehen (19.05.2017)

 

Was bisher geschah:

Seit Jahren kämpft PROVIEH Seite an Seite mit anderen Tierschutzorganisationen für einen echten Ausstieg aus dem Kastenstand. Sauen sollen sich frei bewegen und Nestbau betreiben dürfen, anstatt fast die Hälfte ihres Lebens eingezwängt in engen Metallkäfigen zu verbringen. Und dafür konnten wir bereits Teilerfolge erzielen! Denn während das Bundeslandwirtschaftsministerium sogar Verschlechterungen für die Sauen vorgeschlagen hat, haben einige grüne Bundesländer aufgrund unseres Drucks positive Vorschläge eingebracht.

(Scrollen Sie bis nach ganz nach unten, wenn Sie alle Ereignisse in chronologischer Reihenfolge lesen möchten.)

 

Aktuelles

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Postkarten für die Ministerpräsident*innen und alle weiteren Mitglieder des Bundesrats

Mit der PROVIEH-Postkartenaktion "Lasst die Sau raus!" fordern wir die zuständigen Politiker*innen erneut auf, sich für einen Ausstieg aus der tierschutzwidrigen Kastenstandhaltung stark zu machen. PROVIEH verschickt in Zusammenarbeit mit den Regionalgruppen Postkarten an alle Ministerpräsident*innen der Bundesländer sowie die weiteren Mitglieder des Bundesrats, um sie daran zu erinnern, wie wichtig es ist, jetzt für eine bessere Zukunft der Sauen in Deutschland abzustimmen.

Wir freuen uns, wenn Sie die Aktion unterstützen und ebenfalls eine Protestpostkarte an Ihre Ministerpräsident*innen verschicken. Sie dürfen sich den Text selbstverständlich gerne "borgen":

 

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident _______,


demnächst entscheiden Sie im Bundesrat über die Zukunft der Sauenhaltung.
Als Ministerpräsident tragen Sie hier eine besondere Verantwortung. Die meisten Sauen in Deutschland werden für fast die Hälfte ihres Lebens in sogenannten Kastenständen fixiert. In diesen Metallkäfigen können sich die intelligenten Wesen nicht einmal umdrehen. Jegliche Ausübung natürlicher Verhaltensweisen ist nicht möglich. Psychische und körperliche Schäden sowie Verhaltensstörungen wie Leerkauen und Stangenbeißen sind die Folge. Daher sind Kastenstände tierschutzwidrig und nicht mit dem Tierschutzgesetz
vereinbar. Deshalb fordern wir Sie heute auf: Geben Sie den Tieren Ihre Stimme. Nutzen Sie Ihr Mandat im Bundesrat, um sich für die Bewegungsfreiheit der Muttersauen und für den Ausstieg aus der tierschutzwidrigen Kastenstandhaltung einzusetzen!

Lassen Sie die Sau raus! Ihre Wählerinnen und Wähler werden es Ihnen danken.
Herzlichen Dank,

__________

 

Offener Brief an die Grünen: Kastenstand abschaffen

Die Verhandlungen zwischen Bund und Ländern über die Zukunft der Sauenhaltung in Deutschland laufen weiter. Eine finale Entscheidung zur Neuregelung der Kastenstandhaltung von Sauen wird es wohl erst am 3. Juli 2020 geben.

Wir erwarten insbesondere von den Grünen, dass sie bei den Verhandlungen stark bleiben und für den Ausstieg aus der tierschutzwidrigen Kastenstandshaltung kämpfen.

Deshalb hat PROVIEH sich in einem gemeinsamen Brief mit vielen weiteren Organisationen an die Landes- und Fraktionsvorsitzenden von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in den Bundesländern gewandt:

"Kastenstand abschaffen – Bitte nutzen Sie Ihre Möglichkeiten im Bundesrat!

Geben Sie den Tieren Ihre Stimme. Nutzen Sie Ihr Mandat, um sich für den Ausstieg aus der tierschutzwidrigen Kastenstandhaltung einzusetzen! Sie, als Fraktionsvorsitzende, können sich dafür stark machen, dass der Kastenstand schnellstmöglich verboten wird. Bitte setzen Sie ein Zeichen für den Beginn einer echten Agrarwende im Sinne des Tierschutzes.

Der Kastenstand muss, wie alle anderen Käfige auch, schnellstmöglich verboten werden. Bitte setzen Sie sich deshalb im Sinne der Tiere für den sofortigen Ausstieg aus der Kastenstandhaltung ein."

Den vollständigen Brief finden Sie hier

 

Bund-Länder-Sitzung zum Kastenstand am 7. Mai

Die Zukunft der Sauenhaltung in Deutschland ist weiterhin unklar. Eine Entscheidung zur Neuregelung der Kastenstandhaltung von Sauen wird es wohl nicht so bald geben, denn das Thema kommt voraussichtlich am 15. Mai 2020 wieder nicht auf die Tagesordnung.

Eigentlich hätte der Bundesrat längst über die geplante Neureglung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung abstimmen sollen. Doch die Verhandlungen stocken. Bund und Länder sind sich in vielen Punkten uneins. Die wichtigsten Streitpunkte sind die zukünftige Fixierdauer der Sauen, die geplante Übergangsfrist bis die neuen Regelungen gelten sollen, und ob die Sauen weiterhin in rechtswidrigen, da zu kleinen, Kastenständen gehalten werden dürfen. Vor allem die grün-regierten Bundesländer pochen auf bessere Bedingungen für die Sauen.

 

Am 7. Mai fanden erneut Verhandlungen zwischen Bund und Ländern zur geplanten Änderung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung bezüglich der Sauenhaltung im Kastenstand statt. PROVIEH hat alle die Agrar- und Verbraucherschutzminister erneut aufgefordert im Sinne der Sauen zu verhandeln und endlich den Ausstieg aus dem Kastenstand einzufordern.

 

 

 

Außerdem haben wir den Ministern eine Argumentationshilfe an die Hand gegeben, um die wichtigsten Argumente gegen den Ausstieg besser wiederlegen zu können. 

Die erforderliche Änderung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung wird aller Voraussicht nach wieder nicht in der Bundesratssitzung am 15. Mai 2020 behandelt, sondern frühestens am 5. Juni 2020 Wir bleiben dran und halten Sie über die Entwicklungen auf dem Laufenden !

 

 

 

 

Online-Aktion gegen Kastenstände am 02.05.2020

Der Bundesrat entscheidet voraussichtlich am 15.05. über die Zukunft von Millionen Sauen in Deutschland, die einen Großteil ihres Lebens in engen Metallkäfigen fristen. Kurz vor der letzten Sitzung im Bundesrat wurde der Tagesordnungspunkt zum Kastenstand erneut abgesetzt und verschoben. Wir wollen, dass dieses Mal endlich zugunsten der Muttersauen entschieden wird!

Deshalb forderten wir auf Initiative der Deutschen Tierschutzlobby (DTL) mit vielen Mitstreitenden in den sozialen Netzwerken​​​​: Sauenleid im Kastenstand jetzt beenden! Kastenstände abschaffen!

Und wir sind begeistert, wie viele Menschen beim Online-Aktionstag gegen Kastenstände mitgewirkt haben. Das PROVIEH-Team sagt herzlichen Dank für Ihren großartigen Einsatz! 

Tausende Protest-Botschaften mit dem Hashtag #LasstDieSauRaus auf Facebook, Instagram und Twitter haben dazu beigetragen, dass dieser Tag ein voller Erfolg war und unsere Forderungen deutlich sichtbar waren.​​​​ Mitgemacht haben tausende Tierschützer*innen, unter ihnen auch prominente Personen wie Kaya Yanar, Renate Künast, Mark Benneke oder der Radrennfahrer Simon Geschke.

Lieber Mitglieder des Bundesrats, bitte entscheiden Sie am 15.05.2020 für eine bessere Zukunft von Millionen Sauen in Deutschland, die einen Großteil ihres Lebens in engen Metallkäfigen fristen: Sauenleid im Kastenstand jetzt beenden! Kastenstände abschaffen! #LasstDieSauRaus

Viele weitere Foto-Beiträge finden Sie in unserem Facebook-Album zur Aktion.  #LasstDieSauRaus

 

März 2020: Der Kampf geht weiter

Am 3. März 2020 fand ein Treffen aller Staatsekretärinnen und Staatssekretäre der Bundesländer im BMEL statt, um die strittigen Punkte zu diskutieren. Deshalb haben wir gemeinsam mit der Deutschen Juristischen Gesellschaft für Tierschutzrecht einen Brief an alle die für das Sachgebiet Tierschutz und Landwirtschaft zuständigen Staatssekretärinnen und Staatsekretäre geschrieben und zu den Streitpunkten Stellung genommen. PROVIEH und die DJGT fordern den Einsatz der Staatssekretärinnen und Staatssekretäre für eine Änderung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung im Sinne des Tierschutzes. Tierschutz ist ein Rechtsgut von Verfassungsrang und erfordert eine umgehende Umsetzung.

Um den Druck zu erhöhen wendeten wir uns nochmals in einem weiteren Brief gemeinsam mit 18 weiteren Tierschutzorganisationen gegen eine weitere Verzögerung des Ausstiegs aus der Kastenstandhaltung.

 

 

 

 

Februar 2020: Protestaktion vor dem Bundesrat und Petitionsübergabe

PROVIEH protestierte am 14.02.2020 gemeinsam mit mehreren Tierschutzorganisationen erneut vor dem Bundesrat gegen die geplante Legalisierung der tierschutzwidrigen Kastenstände. Zusammen mit Animal Equality, Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt, VIER PFOTEN – Stiftung für Tierschutz, Deutscher Tierschutzbund, Bundesverband Tierschutz und Compassion in World Farming hat PROVIEH die gemeinsame Petition mit 155.114 Unterschriften an Dr. Dirk Behrendt, Mitglied des Bundesrates und Senator für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung des Landes Berlin übergeben. 

Am 14.02.2020, sollte der Bundesrat über die Zukunft von Millionen Muttersauen in Deutschland entscheiden. Kurz vor der Sitzung wurde der Tagesordnungspunkt jedoch abgesetzt und damit verschoben. Zu viele Unstimmigkeiten zwischen Bund und Ländern herrschen vor. Der Agrarausschuss und insbesondere die Länder mit grüner Regierungsbeteiligung forderten einige Verbesserungen für die Tiere. Die wichtigsten Streitpunkte im Überblick finden Sie in unserer Pressemitteilung "Bundesrat verschiebt Entscheidung – Zukunft des Kastenstands unklar".

© Animal Equality/ Ben Mangelsdorf

 


 

---> ERSTER TEILERFOLG IN 2019 <---

Einen ersten Erfolg konnten wir verbuchen. Denn durch unseren gemeinsamen Protest in Form von Briefen, Gesprächen und Demonstrationen haben die Bundesländer so viele Änderungen in den Verordnungsentwurf eingebracht, dass dieser in diesem Jahr neu behandelt werden muss. Der Plan der Bundeslandwirtschaftsministerin, die Verordnungsänderung noch vor Weihnachten ohne viel Wirbel vom Bundesrat durchwinken zu lassen, ging also nicht auf.

 

Gespräche mit den Agrarministerinnen und Agrarministern der Länder

Der Entwurf des BMEL wird im Bundesrat (also von den Bundesländern) abgestimmt. Daher führte PROVIEH neben den Briefen, Stellungnahmen und Protesten natürlich auch persönliche Gespräche mit den Agrarministerinnen und Agrarministern der Länder. Einige der grünen Agrarminister sicherten uns zu, für die Sauen zu kämpfen und dem Verordnungsentwurf so nicht zuzustimmen. Weitere Gespräche mit Verbündeten (zum Beispiel der Tierärzteschaft) und Politikern verstärkten den Druck.

 

 

 

 
 
 

 

 

 

 

Dezember 2019: Protestaktion gegen den Kastenstand vor dem Bundeskanzleramt

Zeitgleich mit der geplanten Abstimmung über den Verordnungsentwurf des BMEL im Agrarausschuss im Bundesrat und im Zuge des von Bundeskanzlerin Merkel einberufenen Landwirtschaftsgipfels protestierte PROVIEH gemeinsam mit acht weiteren Tierschutzverbänden am 02. Dezember 2019 vor dem Bundeskanzleramt gegen die geplante Neuregelung der Sauenhaltung.

 

© Albert-Schweitzer-Stitung

 

November 2019: Gemeinsamer Offener Brief an Ministerin Julia Klöckner

In einem gemeinsamen offenen Brief protestierten wir mit über 20 Tier- und Umweltschutzverbänden gegen die geplante Neuregelung der Kastenstandhaltung. Gemeinsam forderten wir die Bundesministerin dazu auf, ihren Entwurf vollständig zu überarbeiten, denn er ist verfassungswidrig und verstößt gegen das Tierschutzrecht.

 

 

Juni 2019: Gemeinsame Stellungnahme des Bündnisses für Tierschutzpolitik

Zum Referentenentwurf des BMEL zur Änderung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung haben wir gemeinsam mit unseren Bündnispartnern innerhalb des Bündnis für Tierschutzpolitik und mit dem deutschen Tierschutzbundeine Stellungnahme erarbeitet und an das Ministerium versendet. In dieser Stellungnahme lehnen wir den Referentenentwurf strikt ab. Die Änderungsvorschläge zur Kastenstandhaltung missachten nicht nur die höchstrichterliche Rechtsprechung, sie verstoßen vor allem gegen die Verfassung (Art. 20a und Art. 80 GG) und gegen das Tierschutzgesetz. Sie würden die ohnehin mit dem Tierschutzgesetz unvereinbare Haltung im Kastenstand dauerhaft fortsetzen. Aus Sicht der unterzeichnenden Tierschutzverbände ist der Gesetzgeber vielmehr aufgefordert, die Einhaltung geltenden Tierschutzrechtes bei der Haltung von Schweinen sicherzustellen und systematische Verstöße nicht weiter zu ignorieren. Eine routinemäßige Fixierung von Sauen ist sowohl im Deckzentrum als auch im Abferkelbereich grundsätzlich zu verbieten. Ein Verbot der tierschutzwidrigen Kastenstandhaltung von Sauen ist daher zwingend anzustreben, wie es bereits in anderen Ländern existiert.

 

2019: Landwirtschaftsministerium versucht Gerichtsurteil zu untergraben

Im Sommer 2019 wurde ein erster „Referentenentwurf“ der neuen Nutztierhaltungsverordnung vom BMEL veröffentlicht. Um das Magdeburger Urteil zu umgehen, wird vom BMEL nun versucht, die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung zu ändern. Der neue Satz in der Verordnung lautet „Kastenstände müssen so beschaffen sein, dass das Schwein ungehindert aufstehen, sich in Seitenlage hinlegen und den Kopf ausstrecken kann“. Der Satzteil, dass Sauen ihre Gliedmaßen ausstrecken dürfen müssen, soll also einfach gestrichen werden, um so die zu engen Kastenstände zu legalisieren! Zwar dürfen die Sauen laut neuem Verordnungsentwurf nur noch wenige Tage statt mehrerer Wochen im Kastenstand eingesperrt bleiben. Dies gilt aber erst nach einer Übergangsfrist von 15 und im Härtefall sogar 17 Jahren. Damit wird nicht nur verhindert, dass Sauen ungestört in Seitenlage ruhen können, sondern auch die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichtes, keine weitere Übergangsfrist mehr einzuräumen, einfach ignoriert.

 

© Adobe Stock

2018: Die Politik lässt auf sich warten, Sauenhalter drohen mit Insolvenz 

Das Kieler Landwirtschaftsministerium befragt die Ferkelerzeuger im Bundesland zu den geplanten Reformen der Sauenhaltung. Die Ergebnisse zeigen, dass derzeit etwa 70 Prozent der Betriebe ihre Sauen bis zu 28 Tage nach der Belegung in Kastenständen halten. In 85 Prozent der Betriebe liegen die Kastenstandbreiten zwischen 65 und 70 Zentimeter, sind also zu klein. Im Abferkelbereich überwiegt mit fast 90 Prozent die klassische Haltung im sogenannten “Ferkelschutzkorb”. Durch die hohen Investitionskosten geben 56 Prozent der Betriebe an, bei einer Änderung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung und dem Ablauf der Übergangsfristen die Ferkelerzeugung einzustellen.  

Die neue Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner nimmt sich dem Thema Kastenstand erst im Jahre 2019 an. In 2018 erscheint zu diesem Thema kein Gesetzesentwurf. Das Jahr ist stattdessen geprägt von der Debatte über die betäubungslose Ferkelkastration sowie vom geplanten staatlichen “Tierwohl”-Label, das diesen Namen bisher nicht verdient.  

 

2017: BMEL legt Eckpunktepapier zur Umsetzung des Gerichtsurteils vor

Im August 2017 legt das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) ein sogenanntes “Eckpunktepapier” vor, dass auf die Arbeit einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe basiert. Die Kastenstände sollen vergrößert werden. Das Eckpunktepapier sieht immerhin vor, dass die Fixierzeiten im Deck- und Abferkelbereich stark verkürzt werden. Ein enorm wichtiger Schritt für die Sauen in Deutschland. Allerdings mit einer Übergangsfrist von 15 Jahren!

 

 

2016: Oberverwaltungsgericht bestätigt Magdeburger Urteil

Am 23.11.2016 hat das Bundesverwaltungsgericht das Kastenstandurteil des Oberverwaltungsgerichts Magdeburg bestätigt. Demnach muss die Kastenstandbreite künftig dem Stockmaß der Sau entsprechen. Und dies gilt nun für ganz Deutschland. Ein Durchbruch für den Tierschutz, auch wenn der Kastenstand egal welcher Breite weg gehört!

Weitere Infos zu dem Urteil finden Sie hier.

 

2015: Bahnbrechendes Urteil: die Kastenstände sind zu eng

Im Jahre 2015 sollte ein bahnbrechendes Urteil des Magdeburger Oberverwaltungsgerichtes die viel zu engen Kastenstände verbieten. Das sogenannte „Magdeburger Urteil“ vom 24. November 2015 schaffte Rechtssicherheit über die Auslegung von § 24 der Nutztierhaltungsverordnung. Dieser besagt, dass „Kastenstände so beschaffen sein müssen, dass jedes Schwein ungehindert aufstehen, sich hinlegen sowie den Kopf und in Seitenlage die Gliedmaßen ausstrecken kann“. So steht es in Deutschland eigentlich bereits seit 1988 in der Verordnung, aber es hielt sich niemand daran. Bisher standen in einigen Bundesländern wie in Niedersachsen und in Mecklenburg-Vorpommern 65 Zentimeter Breite für Jungsauen und 70 Zentimeter für Altsauen als Richtwerte in den „Durchführungsbestimmungen“, die Ländersache sind. Obwohl diese Maße zu klein sind orientierten sich viele andere Bundesländer an diesen Richtwerten.

Das Gericht in Magdeburg präzisierte, dass es für ein in einem Kastenstand gehaltenes Schwein möglich sein muss, jederzeit eine Liegeposition in beiden Seitenlagen einzunehmen, bei der ihre Gliedmaßen auch an dem vom Körper entferntesten Punkt nicht an Hindernisse stoßen. Als Hindernis zählt das Gericht auch ein anderes Tier. Genaue Zentimetervorgaben über Länge und Breite machte es dagegen nicht, weil Sauen unterschiedlich groß sein können. Übergangsfristen für die Einhaltung der Vorgaben wurden nicht vorgesehen. Der Umbau der Kastenstände hätte also unverzüglich erfolgen müssen.

 

 

Ansprechpartnerin

Jasmin Zöllmer
Referentin für Agrarpolitik
Mobil: 0176 88471 854
Mail: zoellmer@provieh.de

 


 

Offene Briefe - Überblick


 

Artikel und Pressemitteilungen zur Kampagne: