PROVIEH auf dem Agrikultur-Festival
Veranstaltungsbericht unserer neuen Freiburger Aktiven Ismene
Das Agrikultur-Festival in Freiburg ist ein Ort, an dem Ideen Raum bekommen, die unterstützen die Welt nachhaltiger zu gestalten und das Miteinander für neue Denkweisen zu stärken. Dabei soll bewusst nach Gemeinsamem statt dem Trennenden gesucht werden. Die Idee des Agrikultur-Festival wurde erstmals 2012 Realität. Das Organisationsteam ebenso wie die Aktivitäten sind seitdem beständig gewachsen (https://agrikulturfestival.de/).
Ausgestellt haben dieses Jahr über 50 Initiativen an zwei aufeinanderfolgenden Tagen – Erzeuger, kleine und große (z.B. Gemüse, Salat, Saatgut), Umweltschutzverbände (z.B. BUND, Greenpeace), Organisationen für Wald, Acker und Stadtentwicklung, und viele andere. Und wir von PROVIEH waren auch da.
Ich habe mich entschieden, mich bei PROVIEH zu engagieren, weil mich der Schlachthofprozess in 2025, so wütend gemacht hat, dass ich sofort aktiv wurde. Es hat mich erschüttert, dass Menschen, die die schrecklichen Tötungspraktiken aufdecken, verurteilt werden sollen. Es verursacht unbestreitbar furchtbares und vermeidbares Leid für die Schweine und widerspricht damit eindeutig dem Tierschutzgesetz!

Ich wurde also Mitglied bei PROVIEH und nachdem ich gesehen habe, dass es in Freiburg noch keine Regionalgruppe gibt, habe ich entschieden eine zu gründen. PROVIEH gefällt mir mit seiner pragmatischen und offenen Haltung. Veganer, Vegetarier und Fleischesser – alle sind willkommen. Es geht darum die Missstände zu benennen und konkret dort zu handeln, jetzt wo etwas verändert werden kann.
Ich esse selbst Fleisch, allerdings nur aus nachhaltiger Tierhaltung und seit ich jetzt noch mehr informiert bin auch, soweit es mir schon gelingt, aus nachhaltiger Schlachtung. Ich habe eine große Familie, 2 Kinder und acht Enkel – drei davon sind vegan und drei vegetarisch unterwegs. Ich koche sehr gerne und lerne daher alle Varianten zu kochen, zu essen und zu schätzen. Ich bin Naturwissenschaftlerin und habe immer im Nachhaltigkeitsbereich gearbeitet, selbst als es dieses Wort noch gar nicht gab und wir von Umwelt- und Naturschutz geredet haben. Inzwischen arbeite ich nur noch wenig und habe dadurch auch mehr Zeit mich ehrenamtlich einzubringen.
Es war mein erster Infostand für PROVIEH und es war eine schöne Erfahrung, selbst einen Stand für den Nutztierschutz zu organisieren und Menschen zu informieren. Danke an meine beiden Unterstützerinnen – Lena und Hannah. Es hat viel Spaß gemacht zusammen zu gestalten.
Bei uns am Stand gab es eine Menge interessanter Gespräche und wir haben etwa 70 Unterschriften gegen die Anbindehaltung von Rindern gesammelt.

Dazu gab es auch einige kritische Stimmen: Es gäbe Kleinbauern, die ihre Tiere eigentlich gut behandeln, aber die kein Geld haben, um aufwändige Umbauten in den Ställen vorzunehmen. Deshalb fordert PROVIEH, dass landwirtschaftliche Betriebe, die ihre Anbindehaltung beenden wollen, Fördermittel dafür erhalten.
Ein anderes Argument zur Beibehaltung der temporären Anbindehaltung war: Es gäbe Landwirte, die ihre Rinder zeitweise anbinden z.B. zum Melken und zum Füttern. Andere, deren Rinder über den Sommer draußen auf der Weide seien, aber im Winter im Stall angebunden würden, weil der Platz nicht ausreicht, dass sie gefahrlos zusammen freilaufen können. Es gab auch Bedenken wegen möglicher Verletzungen, die entstehen könnten, wenn Rinder frei im Stall liefen. Wir von PROVIEH haben dazu eine klare Haltung: Anbindehaltung ist sowohl ganzjährig als auch temporär eine Qual, die viele gesundheitliche Folgen für die Rinder nach sich zieht und gegen das Tierschutzgesetz verstößt.
Außerdem am Stand waren viele Kinder, die erfolgreich Tierspuren in unserem Quiz identifiziert haben und Erwachsene, die mit Spaß unsere anspruchsvolleren Quizfragen beantworteten. Die Kinder haben mich echt beeindruckt: Selbst Kindergartenkinder konnten schon zuverlässig die Tiere richtig ihren Spuren zuordnen. Bei den Erwachsenen gab es dann auch immer wieder staunende Gesichter, z.B. bei der Frage wie alt Kühe eigentlich natürlicherweise werden könnten.
Die Stimmung in den Gesprächen war immer gut, respektvoll, zugewandt. Es gab viele, die uns für die Arbeit gedankt haben, viele, die auch sehen, dass es (leider) manchmal kleine Schritte und viel Geduld braucht, um etwas zu ändern.
Mich hat das Festival und meine ersten Erfahrungen mit einem PROVIEH-Infotisch rundum begeistert: von der Organisation, der positiven Stimmung, die von allen ausgestrahlt wurde, von den vielen interessanten Gesprächen, den vielen interessierten Menschen. Es war einfach SUPER.
Ismene Jäger, Freiburg
16.07.2026