EU-Tiertransportreform stockt weiter

Fehlender Schattenbericht blockiert Fortschritt  

Straßburg, 22.Januar 2026: Die Neufassung der EU-Verordnung zum Schutz von Tieren beim Transport ist überfällig. Seit dem Kommissionsentwurf im Dezember 2023 wurden immer wieder Termine kommuniziert – erst Sommer, dann Herbst und schließlich Jahresende 2025. Anfang 2026 gibt es immer noch keinen politischen Kompromiss. Heute Vormittag bestätigte die Sitzung der “Interfraktionellen Arbeitsgruppe Wohlergehen und Erhaltung von Tieren” im Europäischen Parlament erneut: Der Prozess steht weiter auf der Stelle. 

Das Kernproblem: Kein Schattenbericht der Fraktionen 

Ein zentrales Problem ist der fehlende Schattenbericht der Fraktionen. Die Frage, wer in diesem Fall dafür zuständig ist und warum diese Verantwortung nicht wahrgenommen wird, bleibt bisher unbeantwortet. Klar ist, ein Schattenbericht ist essenziell im Europäischem Parlaments (EP)-Verfahren. Er stellt die Gegenposition der Fraktionen zum Hauptbericht dar und bündelt somit die rund 3.000 eingereichten Änderungsanträge zu einem verhandelbaren Text. Er schafft die Grundlage für Kompromissverhandlungen zwischen den Fraktionen. Ohne ihn können weder die Fachausschüsse (wie der Ausschuss für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung (AGRI) und der Ausschuss für Verkehr und Fremdenverkehr (TRAN)) einen einheitlichen Bericht verabschieden noch Trilogverhandlungen mit Rat und Kommission beginnen, sprich die Reform ist de facto blockiert. Abgeordnete sprachen von einem beispiellosen „Ausschluss“, wie er in jahrelanger EP-Praxis noch nie erlebt wurde. 

Öffentlichkeit und Wissenschaft fordern Klarheit 

Diese Verzögerung steht im krassen Widerspruch zur öffentlichen Meinung. Eine jüngst veröffentlichte repräsentative Umfrage unter 6.531 Bürger:innen aus neun EU-Staaten zeigt erneut sehr deutlich, was die Öffentlichkeit wünscht: Vier von fünf EU-Bürger:innen (82 Prozent) äußern Besorgnis um den Schutz der Tiere bei Lebendtransporten. Knapp zwei Drittel lehnen Langstreckentransporte ab oder fordern maximal 4 Stunden Transportdauer. 89 Prozent stimmen zu, dass extreme Transportbedingungen Tierschutz gefährden – eine Einschätzung, die die Weltorganisation für Tiergesundheit (WOAH) just am 19. Januar 2026 als „fundamentale Notwendigkeit“ bestätigte (Statement on Animal Welfare during transport – WOAH – World Organisation for Animal Health).​ Über die Hälfte der Befragten (54 Prozent) würde ihre politische Meinung über eine Partei verschlechtern, die diese Verbesserungen nicht unterstützt – eine weitere Erkenntnis der Eurogroup for Animals, die diese Umfrage durchführte. 

Spannungsfeld Tierschutz versus Wirtschaftlichkeit 

Die Arbeitsgruppe zeigt sich einig, dass es einen Bedarf an strengeren Kontrollen gibt. Allerdings fehlen klare Kriterien wie Mindestflächen, Temperaturgrenzen und Fütterungsregeln. Die Debatte kreist um praktische und technische Hürden: zu wenige Schlachthöfe, regionale Temperaturunterschiede und Umsetzungsprobleme. Lösungsansätze wie die dezentralisierte Weideschlachtung zeigen den Weg: Tiere werden vor Ort verarbeitet, nur noch Fleisch transportiert. Das macht Lebendtiertransporte zu großen Teilen überflüssig. PROVIEH setzt sich genau dafür ein. 

Bis zur EU-Umsetzung: Nationale Verantwortung 

Die Mitgliedstaaten dürfen nicht bis zur EU-Umsetzung warten. Deutschland sollte selbst Verantwortung übernehmen und bestehende Regeln konsequent durchsetzen, regionale Schlachthöfe, (teil-) mobile Schlachtmethoden und insbesondere die Weideschlachtung fördern. Ein nationales Exportverbot in Hochrisikostaaten, wie Großbritannien im Jahr 2024 eingeführt hat, ist längst fällig. Nur so lässt sich das unnötige Leid der Tiere jetzt schon eindämmen. 

Die Reform scheitert gerade nicht an technischen Problemen, sie scheitert an politischem Willen. Die Öffentlichkeit hat längst entschieden. Jetzt muss die Politik folgen. 

Stella-Maré Moritz  

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