Alte Nutztierrassen

Die biologische Vielfalt auf unserem Planeten nimmt ab. Meistens denkt man in diesem Zusammenhang eher an Tiere und Pflanzen in der freien Natur, doch auch ein anderer Bereich bleibt nicht verschont: Unsere „Nutz“tiere. Der Mensch domestiziert seit über 10.000 Jahren Tiere, um von ihnen Fleisch, Milch, Wolle oder Arbeitskraft zu erhalten. Über die Jahrtausende haben sich unzählige verschiedene Rassen entwickelt, die sich jeweils optimal an die vorherrschenden klimatischen Wetterbedingungen sowie die landschaftlichen Gegebenheiten angepasst haben. So entstanden weltweit zum Beispiel mehr als 1.000 verschiedene Rinder- und Schafrassen und mehr als 500 Ziegen- und Schweinerassen. Doch diese Zahlen entsprechen längst nicht mehr dem aktuellen Stand. Allein im Verlauf des 20. Jahrhunderts sind viele dieser alten Haus- und Nutztierrassen beinahe oder ganz ausgestorben. Dabei ist jede einzigartig, denn sie trägt jeweils einen anderen Genpool in sich. Stirbt eine Rasse aus, ist sie für immer verloren. Im vergangenen Jahrhundert sind bereits bei Rind, Schwein und Schaf über 150 Rassen ausgestorben.

Ein Wollschwein suhlt sich im Schlamm
Mangalitza © PROVIEH

Heute dominieren bei jeder „Nutz“tierart nur wenige Rassen. Zum Teil wurden die alten Rassen durch den Einsatz von Maschinen verdrängt, zum Teil waren oder sind sie gegenüber moderneren Züchtungen nicht konkurrenzfähig. In der heutigen Hochleistungszucht wird hauptsächlich Wert auf Menge und Masse gelegt. Der Ertrag von Fleisch, Milch oder Eiern soll möglichst hoch sein. So werden die Tiere oft allein nach diesen Kriterien gezüchtet. Leider sind Qualzuchten, das heißt Zuchten, bei denen das Tier zum Bespiel unter dem eigenen Körpergewicht leidet, keine Seltenheit. Während diese Hochleistungsrassen oft eine spezielle Pflege und genau abgestimmtes Futter brauchen, sind ältere Rassen robust und verhältnismäßig anspruchlos. Alte „Nutz“tierrassen kommen oft gut mit nasskaltem oder sehr trockenem Klima zurecht, sind gute Futterverwerter, sehr fruchtbar und widerstandsfähiger gegen Krankheiten. Außerdem leben sie länger.

PROVIEH setzt sich für Erhalt der alten Rassen ein. Wir wünschen uns wieder robuste Rassen in ganzjähriger Freiland- oder Weidehaltung. Der Erhalt der unterschiedlichen Gene ist uns sehr wichtig – für die biologische Vielfalt und auch, damit wir im Krisenfall und in Zeiten der Knappheit auf diese Rassen zurückgreifen können. 

Um diesen schönen, alten und oft unterschätzten Rassen wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken, stellen wir schon seit Jahren jeweils eine „Nutz“tierrasse in unserem PROVIEH-Magazin vor. Wir freuen uns zudem über jeden Hobbyzüchter und jeden Tierpark, der alte „Nutz“tierrassen hält und sie so vor dem Aussterben bewahrt. Auch im Vorstand von PROVIEH sind zwei, die sich besonders für den Erhalt alter „Nutz“tierrassen einsetzen. Volker Kwade ist Demeter-Landwirt und hält auf seinem Arche-Hof mehrere „Nutz“tiere, die vom Aussterben bedroht sind. Svenja Furken betreibt mit ihrem Mann eine Nebenerwerbslandwirtschaft mit alten und gefährdeten Haustierrassen und bietet zudem als Naturpädagogin Trekkingtouren mit Thüringer Waldziegen an. 

Foto: © PROVIEH

Christina Petersen