Tierhaltungs-Kennzeichnung: Koalition verschiebt Transparenz – wieder einmal
Novelle des Tierhaltungs-Kennzeichnungsgesetzes auf 2027 vertagt
Berlin, 10. Dezember 2025 – Nun ist es offiziell: Die Koalition aus Union und SPD hat beschlossen, die bereits überfällige Überarbeitung des Tierhaltungs-Kennzeichnungsgesetzes (THKG) zum zweiten Mal nach hinten zu schieben. Nach der kürzlichen Verschiebung des Starts von August 2025 auf den 1. März 2026 soll die verbindliche Kennzeichnungspflicht nun erst am 1. Januar 2027 in Kraft treten.
Transparenz darf nicht länger blockiert werden!
„Die erneute Verschiebung ist ein Armutszeugnis für die deutsche Agrarpolitik“, kritisiert Kathrin Kofent, Fachreferentin für Tiere in der Landwirtschaft bei PROVIEH, „Das THKG wird dramatisch verschleppt – obwohl die Umsetzung machbar ist, die Verbände längst praktikable Lösungen vorgelegt haben und die Verbraucher:innen endlich Klarheit verdienen. Jeder weitere Aufschub bedeutet mehr Leid für die Tiere, mehr Täuschung der Verbraucher:innen und Unsicherheiten für Betriebe. Wir brauchen den Kennzeichnungseinstieg für Schweine bereits 2026, nicht erst 2027!“
Verbände hatten längst Lösungen vorgelegt – doch die Politik zögerte
Laut SPD und CDU soll die nun gewonnene Zeit genutzt werden, um die rechtskonforme Umsetzung des Downgradings und die verpflichtende Kennzeichnung für ausländische Ware zu klären. Beim Downgrading kann Fleisch einer höheren Haltungsstufe in eine niedrigere eingestuft werden, um Absatzprobleme und Lebensmittelverluste zu vermeiden. Beide Aspekte galten bislang als wesentliche Hindernisse der Novelle, da ihre rechtliche Umsetzung komplex ist. Zudem wurde vereinbart, die Kennzeichnungspflicht in der Außer-Haus-Verpflegung ab dem 1. Juli 2027 einzuführen und auch die Sauenhaltung sowie frühe Lebensphasen der Ferkel ab der Stufe „Frischluftstall“ zu berücksichtigen. Bürokratieabbau wird ebenfalls versprochen: Bestehende Daten sollen genutzt werden, statt neue zu erheben. Die so dringend nötige Berücksichtigung weiterer Tierarten im Gesetz soll geprüft werden.
Seit Beginn der Diskussionen hatten PROVIEH und weitere Verbände all dies bereits gefordert. Erste Entwürfe für Fleischrinder wurden sogar schon unter der Ampelregierung diskutiert. Noch im September 2025 legte ein breites Bündnis aus Tierschutz-, Umwelt- und Landwirtschaftsverbänden – darunter PROVIEH – eine gemeinsame Stellungnahme mit klaren Forderungen und Umsetzungsbeispielen vor. Die Stellungnahme zeigt, dass eine praxistaugliche, transparente und tiergerechte Kennzeichnung praktikabel ist – ohne weitere Verzögerungen. Auch wenn die Pläne der Regierungsparteien Verbesserungen erahnen lassen, könnte das Gesetz ohne Weiteres bereits im März 2026 für Schweinefleisch starten, um dann stufenweise ausgeweitet zu werden.
Forderungen von PROVIEH:
- Keine weitere Verzögerung: Das Gesetz zur Kennzeichnung der Haltungsform muss 2026 in Kraft treten – ohne Wenn und Aber.
- Verbindliche Standards für alle: Die Kennzeichnung darf nicht verwässert werden und muss für alle tierischen Produkte, Lebensphasen und Tierarten gelten.
- Transparenz jetzt: Verbraucher:innen haben ein Recht darauf, zu wissen, unter welchen Bedingungen ihre Lebensmittel produziert werden.
- Planungssicherheit und Förderprogramme für Betriebe: Haltungsformvorgaben sowie Fördermittel für Mehrausgaben für tiergerechtere Haltungsbedingungen müssen endlich verbindlich bereitgestellt werden.
Hintergrund: Die Tierhaltungskennzeichnung soll Verbraucher:innen ermöglichen, auf einen Blick zu erkennen, unter welchen Bedingungen die Tiere, deren Produkte gekauft werden, gehalten wurden. PROVIEH setzt sich seit Jahren für eine verbindliche, staatlich kontrollierte Kennzeichnung ein. Die Stellungnahme des Verbändebündnisses vom September 2025 zeigt, dass eine zügige Umsetzung möglich und notwendig ist: Weiterentwicklung des THKG – Stellungnahme des Verbändebündnisses (PDF).
Kathrin Kofent