Geplante Videoüberwachung auf Schlachthöfen kommt

Ein wichtiger Schritt in Richtung mehr Tierschutz

Berlin, 12.03.2026. Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) hat aktuell einen neuen Gesetzesentwurf vorgelegt, der die verpflichtende Videoüberwachung in Schlachteinrichtungen regeln soll.

2024 war eine Etablierung im Rahmen der 2024 unter der Ampelregierung geplanten umfassenden Novellierung des Tierschutzgesetzes mit dem Wechsel der Bundesregierung zunächst gescheitert. Nun erfolgt ein erneuter gesonderter Anlauf nur zu diesem Bereich. Diese lange geforderte Maßnahme soll zukünftig helfen, Tierschutzverstöße besser zu erkennen, zu beweisen, zu ahnden und zu verhindern.

Hintergründe

Jedes Jahr werden in Deutschland mehrere hundert Millionen Tiere geschlachtet. Trotz bestehender Tierschutzvorschriften kommt es immer wieder zu gravierenden Verstößen, die oft nur durch Zufall oder verdeckte Ermittlungen von Tierschutzverbänden aufgedeckt werden. Auch wenn größere Schlachtbetriebe einen Tierschutzbeauftragten vorhalten müssen, bleibt viel Leid unerkannt beziehungsweise ungeahndet. Nicht nur auf Großbetrieben, sondern auch bei kleineren Betrieben wurden allein in den letzten fünf Jahren viele schwerste Verstöße aufgedeckt: extremer Einsatz des Elektroschockers und von Schlägen, gezielte Misshandlungen, fehlbetäubte Tiere, die bei Bewusstsein den folgenden Schlacht- und Verarbeitungsprozess miterleben mussten, unsachgemäße Tötungen, etc..

Die geplante, von PROVIEH und anderen Tierschutzverbänden lange geforderte Videoüberwachung soll hier Abhilfe schaffen und die Einhaltung der Tierschutzvorschriften sicherstellen – denn groß genug sind schon der Stress und das Leiden, wenn alles fachgerecht abläuft. So sind Betäubungsmethoden nicht nur fehleranfällig, sondern Methoden wie beispielsweise die CO2-Betäubung von Schweinen sehr umstritten.

Was ist geplant?

Der Gesetzesentwurf sieht vor, dass Schlachteinrichtungen tierschutzrelevante Vorgänge vom Entladen der Tiere über die Betäubung bis hin zur Entblutung automatisch über Kamerasysteme aufzeichnen müssen. Diese Aufnahmen sollen 30 Tage lang gespeichert und den Überwachungsbehörden zur Verfügung gestellt werden. Die Umsetzung der Videoüberwachung soll ein Jahr nach Inkrafttreten des Gesetzes erfolgen.

Kritikpunkte

Noch bis zum 2. April haben Verbände die Möglichkeit Stellungnahmen zum Gesetzesentwurf einzureichen. PROVIEH begrüßt die Einführung der Videoüberwachung grundsätzlich, sieht jedoch Nachbesserungsbedarf. Besonders kritisch ist die Ausnahme für kleinere und sogar mittlere Schlachteinrichtungen, die weniger als 1.000 Großvieheinheiten (GVE) pro Jahr schlachten. Eine GVE entspricht einer 500 Kilogramm schweren Milchkuh, acht Mastschweinen oder 150.000 Stück Geflügel beziehungsweise Kaninchen. PROVIEH fordert, dass auch di zahlreichen Betriebe unter dieser Grenze überwacht werden, um den Tierschutz bestmöglich und vollständig zu gewährleisten. Denn jedes einzelne verhinderbare Tierleid zählt!  

Zusätzliche Forderungen 

  • Lückenlose Überwachung: Die Videoüberwachung muss alle tierschutzrelevanten Arbeitsabläufe lückenlos erfassen. 
  • Längere Speicherdauer: Die Speicherdauer der Videoaufzeichnungen muss auf 60 Tage erhöht werden, um systematische Verstöße besser nachweisen zu können. 
  • Regelmäßige Kontrollen: Die Videoaufzeichnungen müssen durch die zuständige Veterinärbehörde stichprobenartig, jedoch mindestens wöchentlich sowie anlassbezogen gesichtet werden. 

Fazit

Die geplante Videoüberwachung ist ein wichtiger Schritt, um das Tierleid auf Schlachthöfen zu reduzieren. PROVIEH wird sich im Rahmen einer ausführlichen Stellungnahme, Bündnisarbeit sowie Gesprächen mit der Politik für bestmögliche Ergebnisse einsetzen. Denn Tierschutz endet niemals an der Stalltür. Und wenn wir Tiere zu Nahrungszwecken töten, dann so achtsam und wenig leidvoll, wie möglich. 

Kathrin Kofent 

13.03.2026


Weitere Informationen: 

https://www.provieh.de/2026/01/verbande-fordern-erleichterung-beim-kugelschuss/ 
https://www.provieh.de/unsere-arbeit/kampagnen/legalisierte-tierqual-beenden/ 
https://provieh.de/franzoesische-schlachthoefe-fuehren-videoueberwachung-ein/ 
https://www.provieh.de/2025/04/tatort-schlachthof-tierleid-am-fliessband/ 
https://www.provieh.de/2024/08/tierschutzgesetz-kompromiss-statt-reform/ 
https://www.provieh.de/2024/01/wendepunkt-fuer-den-tierschutz-in-deutschland/ 

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