Weideprämie für Milchkühe

Warum die geplante Ökoregelung für den Tierschutz wichtig bleibt 

Die Weidehaltung gilt aus Tierschutzsicht als besonders tiergerechte Form der Rinderhaltung – sie ermöglicht Bewegungsfreiheit, natürliches Verhalten und fördert die Gesundheit der Tiere. Doch trotz dieser Fakten, steht die geplante bundesweite Weideprämie für Milchkühe – als Opfer des Bürokratierückbaugesetzes – vor dem Aus. Ein fatales Signal für Tierschutz und Tierhalter:innen. 

Die Geschichte der Weideprämie 

Die Weideprämie für Milchrinder wurde im Herbst 2024 im Rahmen des sogenannten Agrarpakets der damaligen Ampel-Koalition als neue Öko-Regelung im Gesetz zur Durchführung der im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik finanzierten Direktzahlungen (GAP-Direktzahlungen-Gesetz) festgeschrieben*. Konventionell wie ökologisch wirtschaftende Milchviehbetriebe sollten ab 2025 je Großvieheinheit (GVE, entspricht einer Milchkuh) jährlich 70 Euro Förderprämie für saisonale Weidehaltung bekommen.  

Ursprünglich war die Einführung bereits für 2026 geplant. Im Mai 2025 beschloss die schwarz-rote Koalition unter Agrarminister Alois Rainer eine Verschiebung auf 2027, um die nötige Vorlaufzeit für die Bundesländer zu schaffenNun hat das Bundeskabinett im Juli 2026 beschlossen, die eigentlich bereits gesetzlich verankerte Weideprämie ganz zu streichen. Eine fatale Entscheidung unter dem irreführenden Deckmantel des Bürokratieabbaus. 

Breite Front für Weidehaltung 

Die Entscheidung erscheint nahezu absurd, hatte sich doch aktuell nochmals eine breite Allianz für die Stärkung der Weidehaltung ausgesprochen:  

  • Über 80 Verbände aus Landwirtschaft, Umwelt-, Natur-, Klima-, Verbraucher- und Tierschutz (darunter auch PROVIEH) sowie der Entwicklungszusammenarbeit haben sich der Verbände-Plattform GRÜNLAND angeschlossen und ein 10-Punkte-Positionspapier für die Weidetierhaltung unterzeichnet. Positionspapier der Plattform GRÜNLAND (PDF)provieh 
  • PROVIEH sowie vier weitere Tierschutzorganisationen (Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt, Deutscher Tierschutzbund, Menschen für Tierrechte, VIER PFOTEN) haben sich zudem in einer gemeinsamen Stellungnahme des Deutschen Naturschutzrings (DNR) gegen die Streichung der Weideprämie ausgesprochen. DNR: Bundesregierung darf Weideprämie nicht streichen 

Weidehaltung hält Kühe gesünder 

Die Weidehaltung gilt aus Tierschutzsicht als eine besonders tiergerechte Form der Milchkuhhaltung, da sie den natürlichen Bedürfnissen von Rindern in vielen Bereichen entgegenkommt: 

-> Freie Bewegung auf natürlichem Untergrund

 Der federnde Boden schont die Extremitäten und kann das Risiko von Klauenerkrankungen verringern. Zudem bietet die Weide angenehme Liegeflächen für das Wiederkäuen, das für Verdauung und Stoffwechsel von zentraler Bedeutung ist. Ausreichend freie Bewegung und Ruhe fördern das Wohlbefinden der Tiere. 

-> Frisches Gras und Kräuter als Futtergrundlage

Milchkühe können ihr Futter selbst auswählen und über den Tag verteilt aufnehmen. Frischgras und Kräuter sind strukturreich und ideal für eine gesunde Verdauung und gute Pansenfunktion. Das Risiko bestimmter Stoffwechselstörungen und Labmagengeschwüre kann sich gegenüber stark kraftfutterbetonten Rationen signifikant verringern. Zudem besteht weniger Konkurrenzdruck bei der Futteraufnahme als an einem begrenzten Futtertisch im Stall. 

-> Natürliches Sozialverhalten

Auf der Weide können Kühe ihre Sozialkontakte besser ausleben und rangniedere Tiere Konflikten leichter ausweichen. Dies kann Aggressionen und Stress reduzieren und fördert das natürliche Herdenverhalten. 

Insgesamt fördert Weidehaltung Gesundheit, Wohlbefinden und Lebensdauer von Milchrindern. Das verdeutlichen zahlreiche wissenschaftliche Studien**. Während es früher üblich war, dass Milchkühe mindestens im Sommerhalbjahr Weidegang hatten, etablierte sich mit der Einführung moderner Laufställe, steigender Herdengröße und Milchleistung die arbeitswirtschaftlich praktische reine Stallhaltung. Mittlerweile haben um die 70 Prozent der Milchkühe in Deutschland niemals Gras unter den Klauen. Dabei wäre eine rentable Weidehaltung bei relativ gutem Erhalt der Milchleistung mit dem richtigen Management und auf Sicht angepasster Rasse- bzw. Zuchtauswahl sehr gut umsetzbar. 

Aktueller Stand (Juli 2026) und Kritik zur Weideprämie 

Das Bundeskabinett hat im Juli 2026 beschlossen, die geplante Öko-Regelung zur Weidehaltung von Milchkühen nicht einzuführen. Die als freiwilliges Förderinstrument geplante Weideprämie sollte Milchviehhalter:innen für die Tierschutzleistung Weide belohnen, ohne dabei Pflichten oder große Bürokratie mit sich zu bringen. Diese Tatsache widerspricht der öffentlichen Argumentation des BMLEH, dass die Förderung für die verbleibende GAP-Förderperiode (bis 2027) zu viel bürokratischer Aufwand wäre. Zudem gebe es laut BMLEH ja gar keine laufende bundesweite Regelung, die gestrichen werden könne. 

Dies erscheint absurd, da die Weideprämie 2024 gesetzlich verankert und aktuell ab 2027 geplant war. Dieser erneute Wortbruch gegenüber landwirtschaftlichen Tierhalter:innen steht im klaren Widerspruch zu den wiederholten Ankündigungen der Bundesregierung, mehr Verlässlichkeit und Planungssicherheit für die Landwirtschaft schaffen zu wollen.  

Negative Folgen

Viele Weidehalterinnen und Weidehalter hatten ursprünglich seit 2024 mit den angekündigten Fördergeldern gerechnet und werden seither Jahr um Jahr vertröstet. Die wiederholte Verschiebung und nun Streichung der Weideprämie zerstört das Vertrauen der Betriebe in politische Zusagen. Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) betont, dies stehe im klaren Widerspruch zu den ständigen Bekenntnissen der Bundesregierung, mehr Verlässlichkeit und Planungssicherheit für die Landwirtschaft schaffen zu wollen.  

Für die Milchkühe bedeutet es am Ende mehr Stall und ein weniger artgemäßes Leben. Bestehende sowie geplante Weidehaltungen werden massiv nachteilig beeinflusst und die Zukunft der Weidehaltung geschwächt. 

Wo gibt es bereits Förderung für Weidehaltung? 

Eine flächendeckende, einheitliche Weideprämie speziell für Milchkühe gibt es in Deutschland nicht. Im Rahmen der EU-GAP-Direktzahlungen gibt es lediglich Zahlungen für Mutterkühe, Mutterschafe und Mutterziegen (2026 ca. 85 €/Mutterkuh), die Weidezugang erhalten. Die weiteren bestehenden Programme sind länderspezifisch, nicht alle Bundesländer haben vergleichbare Regelungen, und die Förderbedingungen variieren erheblich.  

Niedersachsen fördert beispielsweise die Sommerweidehaltung für Milchkühe mit und Bremen zahlt eine Prämie zzgl. möglicher Naturschutz-Zuschläge bei geschützten Weideflächen. Bayern fördert Weidehaltung von Kühen, Aufzucht-, Mastrindern und Kälbern. Die Förderbeträge liegen bei 50 bis 75 Euro/GVE. Zudem bieten einige Bundesländer Programme beispielsweise für Mutterkuhhaltung an.   

Die 3,6 Millionen in Deutschland gehaltenen Milchrinder finden vielfach also keinerlei Berücksichtigung.   

PROVIEH-Forderungen zur Weidehaltung: 

1. Sofortige Rücknahme der Streichung der Weideprämie: 
Die bereits 2024 im GAP-Direktzahlungen-Gesetz verankerte Öko-Regelung für Milchkühe muss umgesetzt werden – wie ursprünglich beschlossen. 

2. Kein Tierschutzabbau unter dem Deckmantel der Entbürokratisierung: 
Die Streichung einer freiwilligen Förderung ist kein Bürokratieabbau, sondern ein Abbau von Tierschutzstandards. Das BMLEH-Argument des bürokratischen Aufwands ist fachlich nicht haltbar, da für nicht-teilnehmende Betriebe kein zusätzlicher Aufwand entsteht. 

3. Bundesweite Lösung für Milchkühe: 
Statt länderspezifischer Einzelprogramme braucht es eine einheitliche Weideprämie für Milchkühe, die tiergerechte Weidehaltung belohnt und Planungssicherheit für Landwirt:innen schafft. 

4. Faire Vergütung der Mehrkosten: 
Weidehaltung ist i.d.R. mit höherem Arbeitsaufwand verbunden. Die Prämie muss die tatsächlichen Mehrkosten abdecken, um Betrieben einen Anreiz zu bieten, in Weidehaltung zu investieren. 

5. Verlässliche Planungssicherheit für Weidehalter:innen: 
Betriebe, die in tiergerechte Haltung investieren, brauchen langfristige, verlässliche Förderzusagen.  

6. Gesellschaftlichen Wunsch umsetzen: 
Die Mehrheit der Bevölkerung wünscht sich bessere Tierhaltungen und denkt, dass Kühe selbstverständlich auf die Weide gehören. Die Politik muss dies anerkennen und entsprechend Weide-Betriebe unterstützen. 

7. Ausweitung auf andere Rindergruppen: 
Förderprogramme sollten auch im Jung- und Mastrinderbereich greifen, um die Tierschutzprobleme einzudämmen und die vielfältigen Vorteile der Weidehaltung möglichst umfangreich zu nutzen. 

Kathrin Kofent 

04.08.2026

Mehr Infos: 

Quellen und Nachweise: 

*[Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) ist das Landwirtschaftsförderprogramm der Europäischen Union, dass alle sieben Jahre neu ausgehandelt wird. Die aktuelle Förderperiode läuft von 2023 bis 2027.] 

**Beispielstudien:  

1. Mee & Boyle (2020), https://www.tandfonline.com/doi/abs/10.1080/00480169.2020.1721034?role=tab&scroll=top&tab=permissions&utm_source=chatgpt.com 

2. Arnott et al. (2017): https://www.researchgate.net/publication/304707420_Review_welfare_of_dairy_cows_in_continuously_housed_and_pasture-based_production_systems 

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