Die Instinkte der Kuh – Stärker als jede Zuchtauslese

Die NDR-Story „Das Kuh-Experiment“ (NDR Story – Das Kuh-Experiment) begleitet die dreijährige Hochleistungsmilchkuh der Rasse Holstein Friesian Pummel auf einer ungewöhnlichen Reise. Hochtragend tauscht die Kuh ihren Laufstall ohne Zugang zum Freien oder Weide gegen ein neues Leben in Freiheit. Sie reist auf den ehemaligen Milchviehhof der Familie Möller, um dort mit Altkuh Mausi und Ochse Jacob in einem Offenstall mit Weidezugang zu leben. Fünf Monate begleitete ein Kamerateam Pummel. Schnell wird klar: Pummel hat ihre Instinkte nicht verloren. Sie erkundet voller Neugier die Weide, freundet sich mit ihren neuen Herdenmitgliedern an und wird schon bald ihr Kalb zur Welt bringen.  

Die Kuh im System Milch 

Kuhmilch ist für viele ein Grundnahrungsmittel und der Konsum ist trotz pflanzlicher Milchalternativen stabil. So werden pro Kopf und Jahr mehr als 47 Liter Milch, über 25 Kilogramm Käse, fast 5 Kilogramm Butter und beinahe 18 Kilogramm Joghurt von deutschen Haushalten konsumiert. Produziert wird die Milch von derzeit 1,57 Millionen Milchkühen. Ein Großteil von ihnen zählt wie Pummel zu den speziell gezüchteten Hochleistungskühen. Das bedeutet, dass Rassen wie Holstein Friesian während ihrer Laktationsphase täglich 28–32 Liter (Spitzenleistung: bis zu 50 Liter) Milch geben. Zusammen mit den etwas weniger milchgebenden Rassen ergibt sich ein Durchschnittswert von 8.450 Litern Milch/Kuh/Jahr. Rund 70 Prozent aller Milchkühe lebt ganzjährig im Stall. Dabei wären sie als Wiederkäuer perfekt an das Leben auf der Weide angepasst. 

Den Preis für das „weiße Gold“ zahlt die Kuh  

Eine konventionelle Hochleistungskuh wird im Schnitt 4,6 Jahre alt und hat dann zwei bis drei Kälber geboren. Diese wurden ihr direkt nach der Geburt weggenommen und in einem Kälberiglu mit Milch aus dem Nuckeleimer untergebracht, während die Kuh wieder zurück in die Milchkuhherde gebracht wurde, um gemolken zu werden. Ein Milchkuhleben ist mit dem eines Hochleistungssportlers zu vergleichen, der über viele Monate am Stück tägliche Wettkämpfe bestreitet. Deshalb benötigen solche Milchkühe sehr viel Energie, die ihnen vor allem über Kraftfutter zugeführt wird. Trotzdem genügt es manchmal nicht und die Tiere verhungern beinahe „am vollen Trog“. Zudem ist die Milchproduktion eine extreme Herausforderung für den Körper und macht die Kühe anfällig für Störungen und Erkrankungen. Insbesondere Fruchtbarkeitsstörungen, Lahmheiten und Eutererkrankungen sowie Probleme mit dem Stoffwechsel beinträchtigen sie und führen häufig zum frühen Tod. Zudem müssen ältere Kühe den jüngeren weichen, sobald sie unwirtschaftlich werden, weil sie nicht mehr schnell genug tragend werden, kränkeln oder die Milchleistung nachlässt.  

Geht Mutterinstinkt verloren?  

In der auf Profit und Effizienz ausgerichteten Milchindustrie ist kein Platz für Mutterinstinkte und natürliche Bedürfnisse. Die Kuh ist Produktionsmittel und die meisten Kälber werden nur geboren, damit die Mutterkuh Milch gibt. Sie sind lediglich “Nebenprodukt” bei der Milcherzeugung und werden zur Mast ins Ausland oder innerhalb Deutschlands über Sammelstellen zur Milchmast in großen Maststallanlagen transportiert. Aber würden sich nicht auch die Hochleistungskühe ein Leben als Mütter auf der Weide wünschen? Oder hat man ihnen diese Bedürfnisse „weggezüchtet“? Genau hier setzt das Kuh-Experiment an.  

Kuh Pummel mit ihrem Bullenkälbchen Toni
Kuh Pummel mit ihrem Bullenkälbchen Toni -Screenshot aus der NDR-Story – Das Kuh-Experiment

Zur Geburt ihres Kalbes sondert sich Pummel von den anderen ab. Sie bringt ohne menschliche Hilfe ein gesundes Bullenkalb zur Welt, welches sie zukünftig innerhalb der kleinen Herde großziehen darf. Sie folgt ihrem Mutterinstinkt. Der kleine Toni mit dem weißen Herz auf der Stirn bleibt an Pummels Seite. Er wird von ihr und den anderen alles lernen, was er für ein richtiges Rinderleben benötigt. Fast ein Leben, wie es Rinder seit Jahrtausenden führen.  

Kuhgebundene Kälberaufzucht 

PROVIEH setzt sich seit Jahren für die kuhgebundene Kälberaufzucht ein, bei der Mutterkuh oder Amme und Kalb mindestens drei Monate ganz oder zumindest teilweise zusammen verbringen und am Euter trinken dürfen. 

PROVIEH bietet eine Liste zertifizierter Höfe – von kleinen Familienbetrieben bis zu größeren Molkereien, die diese Form der Kälberhaltung betreiben. 

Logo von PRO WEIDELAND

Weidegang als Mindeststandard: PRO WEIDELAND 

Nicht alle Betriebe können kuhgebundene Haltung umsetzen – aber Weidegang ist ein wichtiger Kompromiss und beeinflusst – bei richtigem Management die Gesundheit der Kühe positiv. Das Programm PRO WEIDELAND garantiert: 

✅ Mindestens 120 Tage Weidegang pro Jahr (mindestens 6 Stunden täglich)  

✅ Keine Anbindehaltung (Kühe können sich frei bewegen)  

✅ Transparente Kennzeichnung (PRO WEIDELAND-Logo auf Milchpackungen) 

Kleine Schritte, große Wirkung 

„Das Kuh-Experiment“ zeigt: Die Milchindustrie muss sich zum Wohle von Kuh und Kalb ändern – und jeder von uns kann seinen Teil dazu über bewussten (Nicht)-Konsum von Milch- und Milchprodukten beitragen.  

Kathrin Kofent 

11.12.2025

Weitere Informationen: 

KUH & KALB | PROVIEH

Rinder | PROVIEH

PRO WEIDELAND 

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