Pferdeschutz in Gefahr
FEI schwächt die „No-Blood-Rule“ ab
Eine zentrale Tierschutzregel im internationalen Reitsport wurde abgeschwächt: Die bisher geltende „No-Blood-Rule“ – also der automatische Ausschluss eines Pferdes vom Wettbewerb, wenn sichtbares Blut entdeckt wurde – gilt künftig nicht mehr uneingeschränkt.
Auf der Jahreshauptversammlung der Fédération Équestre Internationale (FEI) am 5. November 2025 in Hongkong wurde der Antrag des International Jumping Riders Club mit knapper Mehrheit angenommen. Damit dürfen Reiter:innen künftig unter bestimmten Umständen trotz sichtbarer Blutspuren im Wettkampf weitermachen.
Bisher schützte die No-Blood-Rule die Pferde während eines Wettkampfes, indem sichtbares Blut am Pferd automatisch das Startrecht beendete und so das Pferd vor weiteren Schmerzen, Schäden und Leiden geschützt werden konnte. Die Abschwächung dieser Regel gefährdet den Schutz der Pferde erheblich und ist ein Rückschritt für den Tierschutz.
Die Schwächung der No-Blood-Rule sendet ein fatales Signal – sie gefährdet die Glaubwürdigkeit des Pferdesports und untergräbt jahrzehntelange Fortschritte im Tierschutz.
PROVIEH fordert alle nationalen Pferdesportverbände dazu auf, die No-Blood-Rule in vollständiger Form beizubehalten.
Darüber hinaus sollte die Regel in allen Disziplinen des Pferdesports uneingeschränkt gelten – ob im Fahrsport, in der Vielseitigkeit oder im Distanzreiten.
Die FEI und alle nationalen Pferdesportverbände müssen sicherstellen, dass Tierschutz Vorrang vor sportlichem Ehrgeiz hat.
Hintergrund:
Im Pferdesport lassen sich Blutungen am Tier durch unterschiedliche Ursachen und Mechanismen erklären:
- Sporenverletzungen: Scharfe Einwirkungen auf die Hautflanken des Pferdes durch zu groben Einsatz, falsche Technik oder unangepasste scharfe Sporen selbst können z. B. kleine Hautrisse oder Stichwunden hervorrufen.
- Scharfe/ungeeignete Gebisse, Hebel, extremer Zügeeleinsatz oder Zahnprobleme: Ein Gebiss, das zu stark wirkt, schlecht sitzt oder durch starken Zügleinsatz extrem belastet wird, kann an der Mundschleimhaut oder Zunge Reizungen oder sogar Schnitte verursachen. Pferde beißen sich manchmal selbst auf Zungen oder Lippen und verursachen Blut im Mundbereich.
- Gesundheitliche Probleme – z. B. Lungenblutung (Exercise-Induced Pulmonary Hemorrhage, EIPH): Bei sehr intensiver körperlicher Belastung – wie beim Rennpferd oder im Hochleistungssport – kann es zu inneren Blutungen z. B. in der Lunge kommen (EIPH). Diese können äußerlich durch Nasenbluten sichtbar werden.
- Mechanische Einwirkung durch Hindernisse: Im Gelände- oder Vielseitigkeitsreiten kann ein Pferd sich z. B. durch einen Sturz oder Hängenbleiben an einem Hindernis verletzen.
- Überforderung / Stress / Schlechte Ausrüstung: Wenn ein Pferd überfordert wird, z. B. mit zu hoher Leistung, nicht passender Ausrüstung oder ungenügendem Training, kann die Haut- und Schleimhautempfindlichkeit steigen, sodass kleine Verletzungen leichter bluten. Auch schlecht angepasste Sättel, unpassende Steigbügel oder Druckstellen können Blutungen hervorrufen.
- Eigenverletzung durch das Pferd selbst: Manche Blutungen entstehen dadurch, dass das Pferd sich z. B. auf die Zunge beisst oder sich am Gebiss sich schneidet oder die Lippen einklemmt.
Kathrin Kofent
Mehr Informationen:
10.11.2025, Reitsport – zwischen Lieben und Quälen∙ Reitsport – zwischen Lieben und Quälen ∙ MDR