Neuer Skandal um gequälte Milchkühe
Erneut enthüllen verdeckte Aufnahmen von Tierrechtlern grausame Missstände in der industriellen Milchviehhaltung, über die Report Mainz (ARD) gestern Abend berichtete. Diesmal steht ein Betrieb mit rund 500 Milchkühen aus Mecklenburg-Vorpommern im Fokus. Unter anderem lagen zwei Kühe bis zu sechs Tage ohne medizinische Versorgung sich selbst überlassen auf einer Wiese fest, andere wurden mehrfach mit Gegenständen traktiert.
Das „System-Milch“ lässt das Tier im Stich
Die Video-Aufnahmen des Tierrechtsaktivisten Philipp Hörmann und seines Teams sind schockierend: Eine Kuh wird mit einem Radlader auf eine Wiese abgelegt, mit der spitzen Ladegabel nochmal gewendet und dann hilflos auf der Seite liegend sich selbst überlassen. Sie ringt sechs Tage mit dem Tod, bis sie nach langem Leiden stirbt. Eine andere Kuh wird ebenfalls mit dem Radlader auf die Wiese transportiert, bricht zusammen und bleibt fast vier Tage ohne tierärztliche Versorgung. Krähen bedrängen das wehrlose Tier, das kaum noch die Kraft hat, sich zu wehren. Schließlich wird sie mit der tierärztlichen Diagnose Adduktorenabriss per Injektion getötet. Andere Videosequenzen zeigen, dass Kühe mehrfach mit einem spitzen Gegenstand traktiert und mit einer Eisenstange geschlagen werden – vermutlich um sie in oder aus dem Melkstand zu treiben. Unhaltbare Zustände, die gegen das Tierschutzgesetz verstoßen.
Leugnen statt Verantwortung
Der Betrieb – mit den Vorwürfen konfrontiert – versucht, diese abzumildern: Man habe die Tiere nur „angetrieben“, nicht gestochen. Doch die Bilder belegen das Gegenteil. Weiterhin wird behauptet, dass eine behördliche Kontrolle „beanstandungsfrei“ verlaufen sei. Dies jedoch widerlegt das zuständige Veterinäramt Tierarzt – wegen zu weniger Tränken liege ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz vor.
Eindeutige Straftatbestände
Philipp Hörmann und Team haben über vier Wochen im März und April 2026 auf dem Hof recherchiert. Mitte April erstatteten die Tierrechtsaktivisten Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Neubrandenburg. Die Ermittlungen dauern an.
Kai Braunmiller, Leiter des Veterinäramts in Bayreuth und Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft Fleischhygiene und Tierschutz, äußert sich in der Reportage von Report Mainz zu den Aufnahmen, bezeichnet sie als „kriminell“ und erkennt darin eindeutige Straftatbestände. Schockiert von den Zuständen auf dem Milchviehbetrieb zieht er folgendes Fazit:
„Die Szenen sind nach meiner persönlichen Meinung das Schlimmste und Niederträchtigste, was ich in meinen über 30 Dienstjahren zu sehen bekommen habe.“
Strukturelle Defizite: Warum solche Fälle immer wieder passieren
Wieder einmal verdeutlicht dieser Tierschutzfall die systematischen Schwächen im deutschen Tierschutzsystem. Milchkühe wie auch Mastrinder werden in der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung nach wie vor nicht berücksichtigt. Dadurch fehlt bereits ein Mindestmaß an Haltungsvorgaben, an der sich Tierhalter:innen orientieren müssten. Neben der Aufnahme aller Tierarten und -gruppen in die Verordnung fordert PROVIEH seit langen Maßnahmen, die dazu beitragen könnten, Tierschutzfälle zu verhindern:
- Stärkung der Strafverfolgung:
Einrichtung von Schwerpunkt-Staatsanwaltschaften für Tierschutzrecht, mehr Personal und bessere Ausbildung für Staatsanwälte, Richter:innen und Veterinärämter
- Verbesserung der Kontrollen:
Regelmäßige, nicht nur anlassbezogene Kontrollen durch besser ausgestattete Veterinärämter, bessere Zusammenarbeit mit Staatsanwaltschaften
- Ausbau der Klagemöglichkeiten:
Bundesweites, einheitliches und umfassendes Verbandsklagerecht für Tierschutzorganisationen
- Feste Rolle der Tierschutzbeauftragten:
Die Bundes- sowie die Landestierschutzbeauftragten müssen unabhängig und rein zum Wohle der Tiere agieren können. Einheitliche Befugnisse und Ausstattung (fest etablierte Stelle mit Mitarbeiter:innen)
- Präventive Maßnahmen für Betriebe:
Verpflichtende Tierschutzschulungen für Tierhalter:innen, Auszubildende und Angestellte in der Landwirtschaft
Tierquälerei ist kein Kavaliersdelikt! Es ist endlich an der Zeit, dass die Politik hier in die Umsetzung kommt.
Kathrin Kofent
19.08.2026
Sendungsbeitrag in der ARD-Mediathek: Gequälte Milchkühe – Tierschutzskandal in Mecklenburg-Vorpommern
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Der Allgäuer Tierschutzskandal – ein Systemversagen | PROVIEH
Unentdeckte oder ungestrafte Tierschutzfälle in der Landwirtschaft | PROVIEH