Kaninchen

Kaninchen werden nicht nur als Kuscheltiere in Kinderzimmern, sondern auch ihres Fleisches und Pelzes wegen in industriellen Mastanlagen gehalten. Dabei werden ihre natürlichen Lebensbedürfnisse oft so drastisch verletzt, dass der Schlachttermin in den meisten Fällen als "Erlösung" für die Tiere angesehen werden muss. Über 20 Millionen Kaninchen werden jedes Jahr deutschlandweit geschlachtet. Etwa 340 Millionen Kaninchen werden jedes Jahr in Europa geschlachtet. Die Zustände in der Haltung sind schockierend.

 

Die Käfige

In großen Hallen, beleuchtet mit künstlichem Licht, stehen lange Reihen von Käfigen. Die Käfige haben Drahtböden und sind kahl, abgesehen von den Futter- und Wasserstellen. Die Kaninchen können die meisten ihrer natürlichen Verhaltensweisen nicht ausleben. Sie können nicht richtig ausgestreckt liegen, sich nicht auf ihre Hinterbeine stellen, nicht nagen, nicht hüpfen und nicht graben. Zuchtkaninchen werden normalerweise in Einzelkäfigen gehalten, womit ihnen jegliche soziale Interaktion fehlt. Die Sterblichkeitsrate ist aufgrund von Krankheiten sehr hoch. Viele Tiere leiden an wunden Pfoten und haben teils schwere Verletzungen durch Aggressionsverhalten und Kannibalismus. Viele Mast- und Zuchttiere sind apathisch oder krankhaft aktiv. Trotz Grenzwerten für die maximale Belastung mit Ammoniak kommt es außerdem weiterhin zu Schleimhaut- und Augenreizungen, da die Tiere direkt über ihren Exkrementen leben müssen. Routinemäßig wird Antibiotika gegeben.

In vielen europäischen Ländern gibt es überhaupt keine Haltungsvorschriften für Kaninchen. Dort werden sie größtenteils in engsten Batteriekäfigen gehalten, wie früher die Legehennen. In Deutschland gelten seit August 2014 zwar Mindestanforderungen für Um- und Neubauten, so dass nur noch größere, „ausgestaltete Käfige“ genehmigt werden. Diese sind aber auch nicht tiergerecht. Der ausgestaltete Käfig hat eine Plattform, einen Abschnitt mit Plastikboden und einen Nageblock. Der Boden besteht aber weiterhin größtenteils aus Draht. Der verfügbare Platz ist nach wie vor sehr gering und es gibt keine Schlupfwinkel oder Rückzugsmöglichkeiten für die Tiere. Zudem bleibt die Batteriekäfighaltung aufgrund von Übergangsfristen noch bis 2024 erlaubt.

 

Futter

Kaninchen in industriellen Anlagen bekommen ausschließlich Mastfutterpellets und Wasser. Heu noch Grünfutter wird ihnen verweigert. Die Mastfutterpellets sind energiereich und dienen einzige einer schnellen Gewichtszunahme, welche durch die mangelnde Bewegung früher zum gewünschten Schlachtgewicht führt. Allerdings begünstigt diese einseitige Ernährungsform Verdauungsstörungen, wie Durchfall oder Koliken, welche unbehandelt zum Tod des Kaninchens führen können.

Die Häsinnen, auch Zibben genannt, sind im Dauerstress durch fast ständige Trächtigkeiten, Geburten und unzureichende Haltungsbedingungen. Das führt dazu, dass die Zippen mit der Aufzucht häufig überfordert sind. Ein gestörtes Mutter-Kind-Verhältnis in Form von Vernachlässigung der Jungen und Kannibalismus sind die Folge. Die Sterblichkeitsrate beim Nachwuchs liegt daher bei 10 bis 15 Prozent. Nach 28 Tagen werden Mutter und Kind getrennt. Für die Männchen folgen die betäubungslose Kastration und der Umzug in eine Gruppe.

PROVIEH will erreichen, dass die Haltung von Kaninchen konsequent an ihren Bewegungs- und sozialen Bedürfnissen ausgerichtet wird. Der Verkauf von Kaninchenfleisch aus qualvoller Haltung muss geächtet werden.

 

Was brauchen Kaninchen für die artgemäße Haltung:

Sozialverband: Die natürliche Gruppenbildung einer Population besteht aus einem Rammler, mehreren Häsinnen und dem Nachwuchs. Interaktionen, wie die gegenseitige Fellpflege, gemeinsames Ruhen, die Futtersuche oder das gemeinschaftliche Warnsystem (Klopfen um Artgenossen vor Gefahren zu warnen), gehören zu den natürlichen Verhaltensweisen. Einzelhaltung führt dazu, dass Kaninchen Verhaltensstörungen wie Lethargie oder Aggression entwickeln können.

Bewegungsfreiraum: Der natürliche Alltag eines Wildkaninchens besteht hauptsächlich aus der Futtersuche, die sich über den ganzen Tag verteilt. Als potenzielles Beutetier besitzen sie  ein eigenes Sicherheitssystem: Bei Gefahr flüchten sie, wobei ihre Schnelligkeit und die Fähigkeit des Hakenschlagens ihnen einen Vorteil verschaffen kann. So können sie sich meist rechtzeitig in ihren eigens gegrabenen Gängen und Bauten verstecken. Immer begleitet von einem instinktiven Fluchtverhalten erkunden sie die Umgebung, wobei sie sich auch gerne für eine bessere Wahrnehmung aufrichten. Wird das Verhalten und die Bewegung durch Platzmangel eingeschränkt, sind körperliche Schädigungen die Folgen: Verfettung, Verdauungsstörungen, Abbau von Muskelmasse, Verhaltensstörungen (zum Beispiel Gitternagen, Aggressionen) und Verletzungen durch panische Reaktionen (zum Beispiel Genickbrüche).

Ruheplätze und Rückzugsmöglichkeiten: Kaninchen brauchen Orte, um sich einzeln oder in der Gruppe entspannen zu können. Ausweichmöglichkeiten bei Konflikten unter einzelnen Tieren, Versteckmöglichkeiten vor Gefahren und einen sicheren Unterschlupf für den Nachwuchs sind grundlegend für die Stressvermeidung. Ein Mangel verstärkt das Aggressionsverhalten, welches sogar bis hin zu tödlichen Verletzungen führen kann.

Platzansprüche: Neben einem großen Bewegungsfreiraum ist die Trennung zwischen Futter-, Schlaf- und Ausscheidungsplatz ebenfalls sehr wichtig. Kaninchen nutzen spezielle Orte, besonders zur Reviermarkierung, an denen sie Kot und Urin hinterlassen. Eine zu kleine Unterbringung veranlasst die Tiere dazu, in ihren eigenen  Ausscheidungen zu liegen und verschmutztes Futter zu fressen. Dieses ist aus hygienischen Gründen sehr bedenklich: Infektionen,  Hautreizungen (bis hin zu Geschwüren) durch den Urin und Ungeziefer werden zur Gefahr.

Foto: © oben: Pixabay; Mitte: CAFT; unten: Pixabay


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