Fördern statt verschieben
Fristen für den Umbau der Sauenhaltung müssen bestehen bleiben
Berlin, 14.08.2026: Anlässlich des „Runden Tisches zur heimischen Schweinehaltung“ im Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH), der diese Woche stattfindet fordert PROVIEH, an den beschlossenen Übergangsfristen für den Umbau im Deck- und Abferkelzentrum in der Schweinezucht festzuhalten. Eine Verschiebung würde bedeuten, dass die Sauen noch länger unter aus Tierschutzsicht hoch bedenklichen Bedingungen gehalten werden. Diese hat auch der Gesetzgeber bereits abgelehnt und als nicht zukunftsfähig bewertet.
Derzeit ist es üblich die Tiere nahezu ihr halbes Leben als Zuchtsau in sogenannten Kastenständen zu fixieren. Dies führt zu unnötigem Leid, Schmerzen und Schäden. Physische und psychische Auffälligkeiten sind die Folge. Die Sauen können sich nur stark eingeschränkt bewegen oder liegen und sich nicht einmal umdrehen. Viele arttypische Verhaltensweisen sind nicht möglich.
Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer lud die Branche ein, um über die aktuelle wirtschaftliche Situation in der Schweinehaltung zu sprechen. Im Voraus veröffentlichte der Deutsche Bauernverband (DBV) Forderungen, die unter anderem die Verschiebung der Fristen zum Umbau im Deck- und Abferkelzentrum beinhalten und diese Woche Thema sind.
Mit der Änderung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung im Februar 2021 wurde bereits vor mehr als fünf Jahren festgelegt, dass bis 2029 die Kastenstände im Deckzentrum abgeschafft werden müssen. Im Abferkelbereich wird die Fixierung im Kastenstand ab 2036 auf maximal fünf Tage beschränkt. Stattdessen strebt der DBV an, die Umsetzung der im Juli veröffentlichten EU-Tierhaltungsstrategie abzuwarten. Diese beinhaltet bis zum zweiten Quartal 2027 Gesetzesvorschläge zum Übergang von Kastenständen zu Buchtenhaltungen vorzulegen. Darüber hinaus fordert der DBV zusätzliche finanzielle Unterstützung, um die bestehende Krise zu bewältigen.
PROVIEH stellt klar: Unterstützung für die Betriebe – ja. Ein erneutes Warten auf europäische Entscheidungen – nein.
„Die wirtschaftliche Krise vieler Schweinehalter:innen ist real und erfordert politische Antworten. Aber die Lösung kann nicht darin bestehen, den Tierschutz erneut zu vertagen.“, erklärt Sophie-Madlin Langner, Hauptstadtreferentin bei PROVIEH. „Die Verbesserung der Sauenhaltung wurde seit Jahren gefordert und ist seit 2021 geltende Rechtslage. Eine Verschiebung der ohnehin großzügigen Fristen wäre ein vernichtendes Urteil für die betroffenen Tiere, die weiter in der Kastenstandhaltung leiden müssten. Gleichzeitig wäre es ein fatales Signal an die Betriebe, die bereits investiert haben.“
Nach der für Schweinehalter:innen desaströsen Streichung des Bundesprogramms zum Umbau der Tierhaltung darf der Bund die Verantwortung nicht auf die Länder abwälzen. PROVIEH fordert: Ein neues, dauerhaftes Bundesförderprogramm – finanziert aus Bundesmitteln, gegebenenfalls ergänzt durch Landesförderprogramme und zinsgünstige Kredite. Auch eine Umwidmung von EU-Agrarmitteln im Rahmen der GAP zugunsten des Tierschutzes sind unverzichtbar, um den Umbau finanziell abzusichern.
Fazit:
Planungssicherheit für die Betriebe bedeutet auch, dass politische Entscheidungen Bestand haben und nicht wieder infrage gestellt werden, sobald ihre Umsetzung ansteht.
Es braucht eine politische Doppelstrategie: sofortige Unterstützung für die Betriebe und eine verlässliche Förderung für den Umbau zu tiergerechteren Haltungssystemen.
Die Zukunft der Schweinehaltung wird nicht durch weiteres Abwarten gesichert. „Jetzt muss gelten: Betriebe beim Umbau unterstützen, statt den Umbau und den Tierschutz erneut vertagen“, so Sophie-Madlin Langner abschließend.
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