Nicht noch mehr Schweinerei: Erweiterung der Schweinefabrik auf Fehmarn verhindern!

Heiligenhafen, 23.08.2022: PROVIEH protestiert heute gemeinsam mit 10 weiteren Tier- und Umweltschutzorganisationen gegen die Erweiterung einer Schweinefabrik auf Fehmarn. Zeitgleich findet die behördliche Erörterung der insgesamt 35 eingegangenen Einwendungen gegen das Vorhaben statt. Die Erweiterung der Sauen- und Mastplätze in dieser Anlage würde zum Fortbestand veralteter Haltungsformen mit Spaltenboden und “Ferkelschutzkorb” beitragen, anstatt den dringend notwendigen Umbau der Tierhaltung einzuleiten. Auch das vorgelegte Brandschutzkonzept ist laut Experten unzureichend, um eine Brandkatastrophe wie in Alt Tellin wirksam zu verhindern. Besondere Beachtung verdient zudem folgender Punkt: Den Tieren steht laut Bauantrag zum Teil signifikant weniger Platz zu als gesetzlich vorgeschrieben. Daher fordert PROVIEH das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und Ländliche Räume Schleswig-Holstein auf, den Antrag auf Erweiterung abzulehnen und damit ein deutliches Zeichen für den Tierschutz zu setzen.    
 

„Der Antrag beinhaltet Verstöße gegen die ohnehin schon niedrigen gesetzlichen Anforderungen, auch das vorliegende Brandschutzkonzept sehen wir kritisch. Zudem bietet das hier geplante Haltungssystem den Tieren keine Möglichkeiten, ihre arteigenen Verhaltensweisen auszuleben. PROVIEH hat daher eine Einwendung gegen den Bauantrag eingereicht”, erklärt Patrick Müller, Hauptstadtreferent bei PROVIEH. „Solche Anlagen sollten nicht erweitert, sondern sie müssen zurückgebaut werden und das nicht nur auf Fehmarn, sondern bundesweit!“

Verstoß gegen die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung 

Im vorliegenden Bauantrag findet sich mindestens ein erheblicher Verstoß gegen die geltende Gesetzeslage. Nach Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung haben Jungsauen einen Mindestplatzanspruch von 1,85 Quadratmetern pro Tier. Der Bauantrag sieht in verschiedenen Bereichen jedoch nur 1,17 bis 1,56 Quadratmeter vor. Damit widerspricht das geplante Vorhaben den ohnehin schon sehr schwachen Gesetzen, die Platz- und Verhaltensansprüche der Tiere nicht ausreichend berücksichtigen. Ein Ausleben von natürlichen Bedürfnissen sowie die Einteilung der Bucht in Fress-, Liege- und Kotbereich ist so vollkommen ausgeschlossen. Dies ist ein eindeutiger Verstoß gegen die geltende Verordnung, der Stall darf deshalb so nicht genehmigt werden. 

Unzureichendes Brandschutzkonzept 

Auf die Katastrophe von Alt Tellin im März 2021 folgten Änderungen der Brandschutzbestimmungen und -konzepte von Stallanlagen. Auch der Investor auf Fehmarn hat daraufhin sein ursprüngliches Brandschutzkonzept nachgebessert. In dem Konzept befinden sich jedoch mehrere Passagen, die daran zweifeln lassen, dass eine Brandkatastrophe wirksam verhindert werden kann. Da heißt es: „Eine Brandfrüherkennung ist in dem zu beurteilenden Objekt nicht vorhanden und auch nicht geplant“. Weiterhin ist die Löschwasserversorgung nicht ausreichend überprüft worden, so liegen keine Angaben zur Leistungsfähigkeit des öffentlichen Wassernetzes vor. Darüber hinaus heißt es, dass „Explosionsgefährliche Stoffe” nicht „im nennenswerten Umfang (…) hergestellt, gelagert oder vertrieben“ werden. Die Brandgefahr in Anlagen dieser Größenordnung ist jedoch hoch: Unter den Spaltenböden können sich Faulgase mit einem hohen Anteil an Ammoniak und Methan bilden. Diese Gase können, so die Aussage erfahrener Brandschutzexperten, je nach Konzentration auch brennbar oder gar explosiv sein. Auch geht das vorliegende Brandschutzkonzept davon aus, dass drei Gruppen mit je 20 Tieren innerhalb von nur zwei Minuten evakuiert werden können. Beispielsweise aufgrund der Fixierung der Muttersauen ist eine schnelle Rettung der Sauen und Ferkel so gut wie unmöglich. Zudem laufen Schweine in Panik überall hin, nur nicht gezielt ins Freie – selbst wenn Türen geöffnet werden und sie nicht fixiert wären. Ein Brandschutzkonzept mit solchen Annahmen kann deshalb nur als unzureichend bezeichnet werden. 

Haltung auf Vollspaltenboden und in weiteren veralteten Haltungssystemen

Die Tiere in der Anlage werden sowohl in den bestehenden Bereichen als auch in den neu beantragten Bereichen auf Vollspaltenboden in strukturlosen Buchten gehalten. Der Einsatz von Stroh als einzig wirksames, tiergerechtes Beschäftigungsmaterial ist nicht möglich, da Stroh die Güllekanäle unter den Spaltenböden verstopfen würde. Damit gehen massive Verhaltensstörungen einher: Unter anderem aufgrund der Langeweile in solchen Haltungssystemen fressen sich die Schweine häufig gegenseitig die Schwänze und Ohren an. Um diesen Missstand zu verdecken, werden standardmäßig bei allen Tieren die Schwänze abgeschnitten, obwohl dies seit 1994 europaweit verboten ist.  
Darüber hinaus werden in der Schweineanlage auf Fehmarn bereits hunderte Tiere im Kastenstand und im “Ferkelschutzkorb” gehalten. In dieser Art der Haltung können die Muttersauen ihren grundlegendsten Bedürfnissen nicht nachgehen. Stattdessen stehen sie wochenlang fixiert in den Metallgitterkäfigen, in denen sie sich nicht umdrehen können. Natürliche Verhaltensweisen wie Wühlen, Sozialkontakt oder Nestbau können die Muttersauen so nicht ausleben. Verhaltensstörungen wie das “Leerkauen”, also das Kauen ohne Material im Maul, oder das “Stangenbeißen” sind die Folge. Diese Haltungsform ist nicht mehr zeitgemäß, muss der Vergangenheit angehören und nicht auf viele weitere Jahre in dieser Anlage zementiert werden.  
 
„Bei dem heutigen Erörterungstermin hier in Heiligenhafen wird klar: Das aktuelle Bauvorhaben steht mit diversen Problemen in Verbindung. Von Verstößen gegen die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung über ein untaugliches Brandschutzkonzept bis hin zu mutmaßlichen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz – das kritisieren wir scharf”, so Patrick Müller abschließend. “Wir werden alles versuchen, um die Erweiterung dieser Anlage zu verhindern. Eine artgemäße Tierhaltung sieht ganz anders aus.” 
 
Weitere Informationen zur Schweineanlage auf Fehmarn finden Sie auf unserer hier

Die Protestaktion wird unterstützt von:  

Albert-Schweitzer-Stiftung für unsere Mitwelt  
bmt – Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V.  
Bundesverband Tierschutz e.V.  
BUND Ortsgruppe Ostholstein  
Bündnis 90/Die Grünen Fehmarn  
Deutsche Umwelthilfe  
DJGT – Deutsche Juristische Gesellschaft für Tierschutzrecht  
IG Fehmarn Lebenswert,  
SPD Ortsverein Fehmarn  
Tiere in Not e.V. Heiligenhafen-Fehmarn  

Pressestelle 
Ada Brandt 
Pressereferentin 
Telefon: 0178. 100 53 91
Mail: pressereferat@provieh.de

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