Eine runde Sache – Das Bio-Ei aus der Mobilstallhaltung

Interview mit Lukas Propp von der Hufe 8 in Mecklenburg-Vorpommern

Legehennen im Auslauf in der Hufe 8
Die Legehennen genießen ihren Auslauf. Hier können Sie ihren natürlichen Bedürfnissen nachgehen.
© Foto: Mareike Petersen/ PROVIEH


Lukas Propp bewirtschaftet zusammen mit seiner Frau Anna und einigen Mitarbeiter:innen einen ökologischen Landwirtschaftsbetrieb in Mecklenburg-Vorpommern. Die Hufe 8 ist ein Demeterbetrieb. Neben sechs Mobilställen mit jeweils 1.650 Legehennen und einer Bruderhahnaufzucht mit 3.000 Tierplätzen gehören eine eigene Junghennenaufzucht und eine Mutterkuhhaltung dazu. Außerdem bewirtschaftet der Betrieb 140 Hektar Acker und 25 Hektar Grünland. Ihre Produkte liefert er an den Naturkostfachhandel, den regionalen Einzelhandel und verkauft sie im eigenen Hofladen. 

Herr Propp wieso haben Sie sich für die Mobilstallhaltung von Legehennen entschieden? 

Der Mobilstall bietet den Hennen einen ganzjährigen Auslauf. Draußen können sie Picken, Scharren und Sandbaden. Wenn einmal schlechtes Wetter ist, hat jeder Mobilstall einen dazugehörigen Wintergarten, in dem die Hennen sich bewegen können. Bei uns steht im Mittelpunkt, dass die Tiere ihr arteigenes Verhalten ausleben können. Das Stallklima im Rundbogenmobilstall ist zudem sehr angenehm für die Tiere, denn durch die Querlüftung kann viel frische Luft in den Stall gelangen. Hühner brauchen gerade im Sommer nur ein Dach über dem Kopf. Geschlossene, niedrige und schlecht durchlüftete Ställe lassen im Sommer die Milbenpopulation explodieren. 
Der Mobilstall wird ungefähr alle sechs Wochen verschoben, das schont den Boden und verringert den Nährstoffeintrag und den Parasitendruck für die Hennen. Wir wechseln auch alle zwei bis drei Jahre komplett die Fläche. So können dort, wo heute die Ställe und Ausläufe sind, nächstes Jahr beispielsweise Feldfrüchte die Nährstoffe aufnehmen. Das Grundwasser wird geschont. 

Wie gestalten Sie den Auslauf für Ihre Legehennen, sodass sie sich nach Draußen trauen? 

Auf eine freie Fläche, die keinen Schutz vor Raubvögeln bietet, gehen die Hühner nicht gerne. Wir haben daher im Auslauf mehrere Unterschlupfmöglichkeiten verteilt. Diese stehen auf Rädern und “wandern” mit den Mobilställen mit. Da auch Ackerbau auf dieser Fläche stattfinden soll, muss alles beweglich sein. 
Außerdem sind die Hähne, die wir in den Herden belassen, wichtig. Sie locken die Hennen nach draußen und beschützen sie. Einige Streitigkeiten werden auch schon mal von ihnen geschlichtet. Um die Flächen herum haben wir Stromzäune gezogen, so bleiben Fuchs, Mader und Co. draußen. Es gibt noch viele andere Sachen, mit denen Landwirte ihre Hennen schützen können, zum Beispiel mit Schafen oder Herdenschutzhunden, aber für uns funktioniert unsere Lösung sehr gut. 

Wie schätzen Sie die konventionelle Bodenhaltung ein? 

Ausbaufähig. Die Freilandhaltung bietet den Tieren so viele Vorteile, zum Beispiel für ihr Immunsystem und ihre Kondition. Die frische Luft tut den Hennen einfach gut und wir sehen, wie sie jeden Tag draußen beschäftigt sind. Die Mobilställe haben keinen festen Boden, sondern stehen direkt auf der Erde. Eine Bodenhaltung mit einem festen Stall und Einstreu auf Beton bietet den Hennen einfach nicht die gleichen Möglichkeiten. Ich denke die Bodenhaltung ist ein Auslaufmodell.  

Zu ihrer Legehennenhaltung gehört auch eine Bruderhahnaufzucht. Wieso haben Sie sich dafür entschieden? 

Wir halten die Bruderhähne schon seit 2016 auf unserem Hof und waren dadurch mit die Ersten, die zu jeder Junghenne die männlichen Tiere 1:1 auf dem eigenen Betrieb mit aufziehen. Zu den Legehennen gehört nun mal der Hahn. Die Geschlechtsbestimmung im Ei ist wie das Kükentöten einfach eine Symptombekämpfung in der Hühnerzucht. Wir wollten gerne ausprobieren, was funktioniert und auch eventuelle Baustellen aufzeigen. Wir ziehen die Hähne 16 Wochen lang auf. Einige von ihnen kommen auch von Anfang an zu den Legehennen in die Herden. Bei uns ist niemand nutzlos. 

Würden Sie für die Zukunft auch Zweinutzungshühner auf Ihrem Betrieb sehen? 

Das ist definitiv das nächste Entwicklungsfeld und die Zukunft in der ökologischen Hühnerhaltung.  

Als wir vor sechs Jahren unseren Betrieb gegründet haben, war der Handel für das Zweinutzungshuhn noch nicht bereit. Die Bedenken bezüglich eines Eierpreises von 85 Cent pro Ei, für den Endverbraucher, waren zu groß. Das Thema war vielen Einkaufsleitern kein Begriff. Das sieht heute anders aus. Wer heute mit der Hühnerhaltung beginnt, stößt hier auf offene Ohren. 

Was zur Ehrlichkeit jedoch dazugehört ist, dass demeter-Landwirtschaft für mich keine Niesche ist. Wir sind die Zukunft. Die ökologische Legehennenhaltung macht gerademal gut 10 Prozent der Legehennen in Deutschland aus. Und das fast 100 Jahre nach „Erfindung“ des ökologischen Landbaus. Aus meiner Sicht haben wir keine weiteren hundert Jahre für einen grundlegenden Wandel in der Landwirtschaft. Dazu gehört natürlich neben neuen Zuchtzielen was die Fütterung und die Robustheit angeht, immer auch die Wirtschaftlichkeit. Wir wollten mit unserer Form der Landwirtschaft möglichst viele Menschen erreichen und nicht nur die oberen Zehntausend. Dazu gehört in der Nutztierhaltung auch eine gewisse Leistung, Kontinuität und Planbarkeit. Hier muss und wird sich in den nächsten Jahren auch beim Zweinutzungshuhn etwas entwickeln. 

Geplant ist einen Stall mit Zweinutzungshühnern zu besetzen, um selber Erfahrungen zu sammeln und zu schauen, wie sie sich so machen. Langfristig wünschen wir uns auch eine eigene Elterntierherde auf unserem Hof. Dann ist die Haltung für mich rund. Für unseren jungen Betrieb sind wir hier auf einem sehr guten Weg, freuen uns immer über neue Aufgabenfelder und arbeiten diese tagtäglich ab.  

Was wünschen Sie sich von der Politik für die Freiland- oder Biohaltung? 

Wir Landwirte denken für unseren Hof langfristig. Dies braucht Planungssicherheit. Ökologische Landwirtschaft bietet so viel Potenzial in Sachen Nachhaltigkeit und sollte noch mehr gefördert werden. Wichtig ist hier auch die regionale Infrastruktur. Wir brauchen den vor- und nachgelagerten Bereich (Futtermühle, Brütereien, Schlachthöfe) nahe bei uns, damit wir die Tiere nicht die ewig weiten Strecken transportieren müssen. Außerdem müsste der Bürokratieanteil an der Arbeit gesenkt werden. Mittlerweile bin ich zu 70 Prozent im Büro und nur noch die restliche Zeit auf dem Hof. Das sollte zumindest umgekehrt werden.  

Haben Sie Tipps für Kolleg:innen oder Betriebe, die sich umstellen wollen? 

Die hofeigene Junghennenaufzucht
Die hofeigene Junghennenaufzucht © Foto: Mareike Petersen/ PROVIEH

Im Bio-Bereich müssen wir versuchen unabhängig zu bleiben. Wir dürfen nicht von großen Konzernen und dem Handel abhängig werden, sondern müssen immer schauen, wie wir selber vermarkten und eigene Alleinstellungsmerkmale erreichen. Einen guten Hof kann man gerne vorstellen und die Arbeit der Menschen “dahinter” zeigen. Ganz nach dem Motto: “Tue Gutes und sprich darüber.” 
Wenn jemand auf ökologische Landwirtschaft umstellen will, muss er seinen gesamten Betrieb anschauen und sich nicht einfach für noch eine Baustelle entscheiden. Das muss vom Dünger über das Futter und bis zu den Tieren ganzheitlich durchdacht werden. Aus rein wirtschaftlichen Aspekten umzustellen, ist oftmals nicht nachhaltig. Ohne Idealismus ist die Rückumstellung nicht weit. 

Was ist Ihre Botschaft an den Verbraucher? 

Esst weniger Fleisch. Die Zukunft der Ernährung muss mit weniger tierischen Produkten gestaltet werden. Fragt nach, woher die Produkte wirklich kommen, und zeigt Interesse. Zum Ökolandbau gehören nun einmal Tiere, um die Stoffkreisläufe zu schließen, aber wir können nicht in Massen produzieren. 

Viele Dank! 

Das Interview führte Mareike Petersen 

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