Tierhaltungskennzeichnung in Gefahr

PROVIEH und weitere Verbände fordern schnelle Umsetzung und Nachbesserungen 

Die geplante staatliche Tierhaltungskennzeichnung steht auf der Kippe. Nachdem die Einführung einer verpflichtenden Haltungskennzeichnung mehrfach verschoben wurde und das entsprechende Gesetz nochmal überarbeitet werden sollte, gerät es erneut ins Stocken. Die Europäische Kommission hat Bedenken zum aktuellen Gesetzentwurf geäußert, sodass es nun an der Bundesregierung liegt, diese Hinweise zügig aufzunehmen und das Gesetz anzupassen. PROVIEH fordert gemeinsam mit weiteren Verbänden: Die Tierhaltungskennzeichnung muss in überarbeiteter Form kommen und darf nicht erneut verschoben werden. Sie muss wie geplant 2027 starten und zugleich weiter verbessert werden.  

EU-Kommission meldet Bedenken an 

Mit der aktuellen Gesetzesänderung sollten kritische Punkte überarbeitet werden, und zunächst für Schweinefleisch eine Kennzeichnung der entsprechenden Haltungsform eingeführt werden. Im August hat die Europäische Kommission dann unionsrechtliche Bedenken bezüglich des aktuellen Dritten Gesetzes zur Änderung des Tierhaltungskennzeichnungsgesetzes (THKG) übermittelt. Kritisiert wurden unter anderem Regelungen zur Einbeziehung ausländischer Ware und zusätzliche Pflichten für ökologisch wirtschaftende Betriebe. 

Diese Punkte können im weiteren Gesetzgebungsverfahren angepasst werden. Dass eine europarechtskonforme Umsetzung möglich ist, wurde bereits fachlich aufgezeigt. Statt das Gesetz nun infrage zu stellen, muss die Bundesregierung deshalb handeln. Eine Rückkehr zur alten Fassung wäre keine gute Lösung: Sie würde unter anderem weitere Lebenszyklen der Schweinehaltung und die Außer-Haus-Verpflegung nicht einbeziehen und wichtige Weiterentwicklungen der Haltungskennzeichnung fehlen. 

Jetzt handeln und die Kennzeichnung weiterentwickeln 

PROVIEH fordert in einem gemeinsamen Papier mit weiteren Verbänden, die Hinweise der EU-Kommission schnell in den Gesetzentwurf einzuarbeiten und die staatliche Kennzeichnung für Schweinefleisch 2027 wie geplant starten zu lassen. 

Um den Tierschutz langfristig mithilfe einer Haltungskennzeichnung zu verbessern, muss diese zukünftig noch weiter ausgebaut und überarbeitet werden. Sie stellt aber dennoch eine Möglichkeit für mehr Transparenz für Verbraucher:innen dar und kann somit Anreize für bessere Haltungsbedingungen schaffen. Gleichzeitig bietet sie den tierhaltenden Betrieben zusätzliche Planungssicherheit. Im Rahmen von Förderungen könnten zukünftig gezielt höhere Haltungsformen unterstützt werden. 

PROVIEH fordert seit Jahren eine Haltungskennzeichnung und hatte sich auch in Form einer Stellungnahme in den aktuellen Gesetzgebungsprozess eingebracht. Die Forderung bleibt weiterhin klar: nicht abschaffen oder aussitzen, sondern gezielt anpassen und schnell umsetzen. Die staatliche Tierhaltungskennzeichnung kann ein wichtiger Baustein für mehr Tierschutz in der Landwirtschaft sein – wenn sie jetzt kommt und konsequent weiterentwickelt wird. 

Sophie-Madlin Langner

12.10.2026

Weiterführende Informationen 

EU-Kommission kritisiert die deutsche Tierhaltungs-Kennzeichnung | PROVIEH, 28.08.2026 

Stellungnahme zum Referentenentwurf des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat „Entwurf eines Dritten Gesetzes zur Änderung des Tierhaltungskennzeichnungsgesetzes“ | 29.04.2026 

Tierhaltungskennzeichengesetz – Systematische Verschleppung statt Reform? | PROVIEH, 19.12.2025 

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