Neue Aufnahmen decken Schweineleid auf:
Tierschutzverstöße und CO2-Betäubung müssen beendet werden
Berlin, 19.10.2026: Schweine, die verzweifelt nach Luft ringen, panisch versuchen, dem Gas zu entkommen und übereinandersteigen: Neue Aufnahmen aus einem Schlachthof in Kellinghusen zeigen erneut das massive Leid, das Schweine bei der Betäubung mit hohen CO2-Konzentrationen erleiden.
CO2-Betäubung: Angst, Schmerzen und Atemnot sind wissenschaftlich belegt
Die Aufnahmen aus dem Schlachthof in Kellinghusen, die der NDR von Animal Rights Watch zur Verfügung gestellt bekommen hat, zeigen bis zu sechs Schweine, die in Gondeln in einen Schacht mit hoher CO2-Konzentration abgesenkt werden. Bis die Bewusstlosigkeit eintritt, erleben die Tiere die aversive Wirkung des Gases: CO2 reizt die Schleimhäute, verursacht daher Schmerzen und löst Atemnot und ein Gefühl des Erstickens aus. Auf den Aufnahmen schnappen die Schweine nach Luft, schreien und steigen bei ihren panischen Fluchtversuchen übereinander.
Diese Reaktionen sind keine Ausnahmen. Zahlreiche Studien konnten die negativen Wirkungen von CO2 und das daraus entstehende Leid für die Schweine belegen. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bestätigt, dass die eingesetzten CO2-Konzentrationen zu Schmerzen, Angst und Atembeschwerden führen. Sie sind direkte Folge der Betäubungsmethode und lassen sich bei dessen Anwendung nicht vermeiden. Aus diesem Grund werden weniger aversive Gase empfohlen.
„Die Bilder zeigen auf erschütternde Weise, was die Wissenschaft seit Jahren belegt: die CO2-Betäubung verursacht erhebliches Leid bei den Schweinen und ist tierschutzwidrig“, sagt Sophie-Madlin Langner, Fachreferentin bei PROVIEH.
Weitere Tierschutzverstöße liegen vor
Das Videomaterial dokumentiert zudem einen tierschutzwidrigen Umgang mit den Tieren. Zwei Schweinen wird jeweils vor dem Eintritt des Todes ein Hinterfuß abgetrennt, weil sich die Ketten der Aufhängung ineinander verhakt haben. Außerdem werden Schweine mit harten und spitzen Gegenständen getrieben und in empfindliche Körperregionen, unter anderem ins Gesicht, geschlagen.
Diese Vorgänge stellen ein schwerwiegendes Vergehen gegen das Tierschutzgesetz dar und müssen umfassend aufgeklärt werden. Animal Rights Watch hat Anzeige erstattet.
CO2-Betäubung muss beendet werden
Der Fall verdeutlicht erneut, dass Schweine bei der CO2-Betäubung nicht ausreichend vor Schmerzen, Leiden und Schäden geschützt werden. PROVIEH fordert die Bundesregierung daher auf, die Betäubung mit CO2 zu verbieten und den Umstieg auf alternative Verfahren, wie mit Helium, verbindlich voranzutreiben. Wirtschaftliche Interessen dürfen dabei nicht schwerer wiegen als der Schutz der Tiere.
„Es ist nicht hinnehmbar, dass eine Betäubungsmethode weiter eingesetzt wird, obwohl ihre erheblichen Nachteile wissenschaftlich bekannt sind. Die Politik muss jetzt handeln und den Ausstieg aus der CO2-Betäubung verbindlich auf den Weg bringen“, erklärt Sophie-Madlin Langner von PROVIEH.
Videoüberwachung aller Schlachthöfe
Der aktuelle Tierschutzfall in der großen Schlachtanlage unterstreicht, wie wichtig verbindliche Überwachung und Kontrollen sind, um Tiere wirksam vor Misshandlungen zu schützen. Eine verpflichtende Videoüberwachung aller Schlachthöfe stellt ein wichtiges Instrument dar, um tierquälerischem Umgang Einhalt zu gebieten und unabhängig von heimlichen Aufnahmen zweifelsfrei Tierschutzverstöße aufdecken zu können. Sie kann dazu beitragen, Verantwortlichkeiten nachvollziehbar zu machen und die Durchsetzung des Tierschutzrechts zu stärken. PROVIEH fordert daher, die verbindliche Videoüberwachung flächendeckend einzuführen und als festen Bestandteil eines konsequenten Tierschutzes in allen Schlachthöfen zu verankern.
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Sophie-Madlin Langner
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