Schweinehaltung vor Gericht

Bündnis von Tierschutzorganisationen appelliert in Karlsruhe an das Bundesverfassungsgericht

„Lasst die Sau raus!“, schallte es am 26. September 2025 über den Schlossplatz in Karlsruhe und bis in die Büros der Verfassungsrichter:innen. 150 Menschen hatten sich versammelt, schwenkten Fahnen und riefen in Sprechchören. Ein lebensgroßes Plastikschwein stand eingepfercht in einem Metallgitter. Was trieb so viele Menschen vor das Bundesverfassungsgericht?

Schweine vor Gericht
Millvina Pitz (PROVIEH) mit der Anzahl der gesammelten Postkarten

Hintergrund ist eine Klage, die beim Gericht auf dem Schreibtisch liegt. Darin moniert das Land Berlin, dass die Verordnungen zur Schweinehaltung gegen das Tierschutzgesetz verstießen. So steht in § 2, 1. des Tierschutzgesetzes: „Wer ein Tier hält (…), muss das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen“. Dem gegenüber steht die Realität mit drangvoller Enge, Kastenständen und harten Spaltenböden – Haltungspraktiken, die laut Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung (TierSchNutztV) legal sind. Sollte die Klage Erfolg haben, muss der Gesetzgeber nachbessern und strengere Vorgaben an die Haltung von Schweinen stellen.

Für uns ist klar: Die Vorschriften an die Schweinehaltung widersprechen dem Tierschutz. Doch liegt die Klage dem Gericht schon seit 2019 vor und noch immer ist keine Entscheidung in Sicht.

Deshalb rief ein breites Bündnis aus Tierschutz- und Tierrechtsorganisationen unter dem Motto #GerechtigkeitFürSchweine zu der Kundgebung in Karlsruhe auf. Gemeinsam überreichten wir im Bundesverfassungsgericht die insgesamt 12.296 Appell-Postkarten von Menschen, die sich für ein baldiges Urteil und echte Verbesserungen in der Nutztierhaltung stark machen.

Auf der Kundgebung sprachen verschiedene Persönlichkeiten aus Politik und Zivilgesellschaft, um die herrschenden Zustände zu kritisieren und auf das Leid der Tiere aufmerksam zu machen.

Marcel Bauer von der Partei Die Linke. Foto: Vier Pfoten

Zu den Redner:innen gehörten unter anderen der Bundestagsabgeordnete Marcel Bauer von der Partei Die Linke, der Bundesvorsitzende der Tierschutzpartei Dennis Landgraf und die Tierärztin Dr. Kirsten Tönnies vom Tierschutznetzwerk Kräfte bündeln, dem auch PROVIEH angehört.

Die Postkartenaktion, bei der man sich an das Bundesverfassungsgericht wenden kann, läuft noch bis 31.12.2025.

Hintergrundinfos zum Normenkontrollantrag mit Link zur Online-Postkarte findet ihr auf unserer Homepage.

Millvina Pitz

29.9.2025

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