Puten/Truthühner

Wilder Truthahn, Foto: © Paul/stock-adobe.com

2019 wurden in Deutschland über 34 Millionen Puten geschlachtet. Pro Kopf verbrauchen die Deutschen fast sechs Kilogramm Putenfleisch und mehr als 23 Kilogramm Geflügelfleisch.

Die domestizierte Pute wurde aus der Wildpute (Meleagris Gallopavo) gezüchtet. 

Grundbedürfnisse von Puten 

Die Wildpute lebt in komplexen sozialen Gemeinschaften. Je nach Jahreszeit bilden sie Gruppen oder Herden zum Fortpflanzen oder Bebrüten der Eier. In der Natur verbringen Puten einen Großteil des Tages mit der Futtersuche und werden drei bis fünf Kilogramm schwer. Sie haben ein großes Bedürfnis zu picken und zu scharren und suchen sich so ihr breites Spektrum an Futter, wie Samen und Insekten.  
Um ihr Gefieder zu pflegen, putzen sie ihre Federn und baden im Sand. Auch ausgiebiges Flügelschlagen, Strecken und Dehnen gehört zum natürlichen Verhalten der Pute. Puten sind soziale und wachsame Tiere. Nach dem Schlupf begleiten sie ihre Küken für bis zu sieben Monate. 

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Haltungsbedingungen von Puten 

Für die Haltung von Puten gibt es in Deutschland keine gesetzlichen Standards, die über den allgemeinen Teil der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung hinausgehen. Die Geflügelwirtschaft hält sich stattdessen an selbstauferlegte Eckwerte zur Regulierung der Haltung. Diese erlauben eine Besatzdichte von bis zu 52 Kilogramm Lebendgewicht pro Quadratmeter bei Putenhennen und 58 Kilogramm Lebendgewicht pro Quadratmeter bei Putenhähnen. Dies bedeutet, dass sich etwa fünf Hennen oder drei Hähne einen Quadratmeter teilen. Eine maximale Gruppengröße ist nicht vorgeschrieben. 

Puten in konventioneller Haltung mit kupiertem Schaben, Foto: © Tertam/stock-adobe.com

In der industriellen Landwirtschaft wird zumeist eine Hochleistungsrasse, wie die „B.U.T 6“, verwendet und in Bodenhaltung ohne Auslauf gehalten. Die Putenhähne werden circa 20 Wochen auf ein Endgewicht von über 20 Kilogramm gemästet. Die Weibchen erreichen ein Endgewicht von 9 bis 10 Kilogramm nach ungefähr 16 Wochen.  

Durch den großen Körpergewichtsunterschied der Geschlechter werden Puten künstlich besamt, damit das doppelt so schwere Männchen das Weibchen nicht verletzt. Ökologische Betriebe nutzen auch langsam wachsende Rassen wie die Bronzepute, aber auch hier greifen viele Betriebe auf mittelschwere und schwere Tiere aus Hybridzüchtungen zurück. 

Probleme und Krankheiten 

Durch verschiedene Faktoren wie die eintönige Haltung und den Einsatz von schnell wachsenden Hochleistungsrassen können verschiedene Krankheiten und Probleme auftreten. Diese finden sich sowohl in der ökologischen als auch industriellen Landwirtschaft. Die Verlustrate in der Putenhaltung beträgt circa 3,5 bis 10 Prozent.  

Kannibalismus und Federpicken 

Puten in industrieller Intensivtierhaltung haben nur wenig Platz und leiden zudem unter den Ammoniakdämpfen, die von ihren Exkrementen kommen. Foto: © Gabriela Penela/ We Animals Media

Sowohl im ökologischen Betrieb als auch in der industriellen Tierhaltung können Verhaltensstörungen wie Kannibalismus auftreten. Es ist bisher noch nicht ausreichend geklärt, worin die Ursachen für dieses Verhalten liegen. Es handelt sich wahrscheinlich um ein multifaktorielles Problem. Um die Verletzungen der Puten untereinander zu verringern, wird ihnen die empfindliche Schnabelspitze entfernt (Schnabelkupieren). Dies verringert jedoch nur die Symptome und bekämpft nicht die Ursachen der Verhaltensstörung. Beim Schnabelkürzen handelt es sich um einen schweren Eingriff in das Wohlbefinden der Tiere, welcher langanhaltende Schmerzen nach sich zieht.  

Beinschwäche 

Ein tierschutzrelevantes Problem in der Putenhaltung ist die Beinschwäche. Es handelt sich dabei um diverse Erkrankungen des Skelettsystems oder Bewegungsapparates. Diese werden durch ein Missverhältnis von Muskel- und Knochenwachstum verursacht. Betroffene Tiere können nicht mehr richtig laufen und bewegen sich weniger.  

Fußballenentzündungen 

Nahaufnahme einer Pute mit verletztem Fuß. Foto © Gabriela Penela/ We Animals Media

Die Entzündung der Haut an den Fußballen (Pododermatitis) stellt ein weiteres Problem in der Putenhaltung dar. Durch feuchte Einstreu dringen Partikel in die aufgeweichte Haut der Fußballen ein und führen so zu Entzündungen. Leichte bis schwere Entzündungen können dabei über die Hälfte und sogar 90 bis nahezu 100 Prozent der Herde betreffen. Die Tiere bewegen sich weniger und erreichen mitunter die Futtertröge nicht mehr. Den schmerzhaften Entzündungen kann durch eine trockene und saubere Einstreu entgegengewirkt werden.  

Brusthautentzündungen 

Da das Brustfleisch beim Käufer sehr beliebt ist, wurden die Puten auf ein möglichst großes Brustwachstum selektiert und gezüchtet. Heute nimmt die Brustmuskulatur ungefähr 30 Prozent des Körpergewichts ein. Durch mehrere Faktoren wie feuchte Einstreu und hohes Gewicht in Verbindung mit vermehrtem Liegen bilden sich zum Teil schmerzhafte Entzündungen an der Brusthaut.  

Antibiotika 

Sowohl Mastputen als auch Masthühner spielen eine Rolle als Quelle für Antibiotika-resistente Keime. In einer Untersuchung des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen wurden über 91 Prozent der 516 untersuchten Putenbestände mit Antibiotika behandelt. Um das Vorkommen von Antibiotikaresistenzen zu senken gibt es seit 2015 in Deutschland eine nationale Strategie. Dennoch blieb der Antibiotikaeinsatz bei Mastputen und Masthühnern bisher fast unverändert hoch. Eine langfristige Reduktion von Antibiotika wird nur mit einer Änderung der Tierhaltung einhergehen können. 

Transport und Schlachtung 

Der Transport von Puten ist gesetzlich geregelt. Sie werden zumeist auf LKWs in übereinandergestapelten Boxen transportiert. Der Transport kann für die Puten großen Stress bedeuten und mit Verletzungen und sogar dem Tod der Tiere verbunden sein. Vor dem Schlachten müssen Tiere laut der Verordnung zum Schutz von Tieren im Zusammenhang mit der Schlachtung oder Tötung betäubt werden, bevor sie durch Ausbluten sterben. Hausgeflügel wird im Schlachthof zumeist durch elektrische Durchströmung und Kohlendioxidbetäubung betäubt. Die Puten werden kopfüber an ihren Beinen aufgehängt. Dieses Verfahren geschieht noch bei vollem Bewusstsein und kann großen Stress bei den Tieren auslösen und zu Schmerzen an den Beinen führen. Ihr Unwohlsein drücken die Puten durch Einziehen des Kopfes und Flügelschlagen aus. Die Tiere fahren automatisch kopfüberhängend in ein Wasserbad, wo sie betäubt werden. Es kann dazu kommen, dass die Flügel zuerst eintauchen und die Betäubung nicht vollständig erreicht wird. Die Tiere sind dann während der Schlachtung noch bei Bewusstsein. 
Bei der Gasbetäubung verbleiben die Puten vorerst in ihren Transportboxen und fahren durch die Betäubungsanlage. Nach der Betäubung erfolgt der Halsschnitt durch automatische Messer und das Entbluten.  

WIR FORDERN: 

Gesetzliche Standards für die Putenhaltung! Es müssen verbindliche gesetzliche Haltungsstandards in die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung integriert werden, die auf das Wohlbefinden der Tiere abgestimmt sind. 

Verringerung der Gruppengrößen und Besatzdichten! Für ein artgemäßes Leben benötigen Puten feste und überschaubare Gruppen und mehr Platz zur Ausübung arteigener Verhaltensweisen. 

Verbot des Schnabelkürzens! Die Tiere dürfen nicht ihrer tierschutzwidrigen Haltung angepasst werden. Die Ursachen von Kannibalismus und Federpicken müssen erforscht und beseitigt werden. 

Strukturierte Haltung mit Auslauf und Beschäftigungsmaterial! Die Tiere brauchen ausreichend Umweltreize, Beschäftigungsmaterial, erhöhte Ebenen und einen ausgestalteten Auslauf. Eine reine Stallhaltung ist nicht tiergerecht. 

Nutzung von robusten Rassen! Hochleistungsrassen leiden an zuchtbedingten Krankheiten und Problemen. Daher fordern wir ein Verbot dieser Rassen. Ein Verbot der Hochleistungsrassen kann zur Verbesserung der Gesundheit bei den Tieren führen.  



Hier finden Sie unseren Text über Puten noch einmal mit Quellenangaben als pdf-Datei zum Download: