Ein Leben im Stall - Bodenhaltung von Legehennen

Seit dem 01.01.2004 muss jedes Ei der Güteklasse A in Deutschland mit einem Code versehen werden. Diese Eierkennzeichnung lässt erfreulicherweise auf die Haltungsbedingungen der Legehennen schließen. Auf den Kartons, in denen die Eier verpackt sind, sind die Zahlen von Null bis Zwei aufgedruckt. Diese stehen für die unterschiedlichen Haltungsformen der Hühner, die diese Eier gelegt haben. Dadurch kann man beim Einkaufen aktiven Tierschutz praktizieren.

Die „0“ steht für Bio-Haltung, die „1“ für Freiland- und die „2“ für eine Bodenhaltung. Für PROVIEH sind nur Bio- und Freilandhaltung beim Eierkauf empfehlenswert.

Wissen Sie, was sich hinter dem Ei mit der „2“ bzw. der Bodenhaltung verbirgt?

Seitdem die Käfighaltung 2010 in Deutschland abgeschafft wurde, ist die Bodenhaltung die am weitesten verbreitete Haltungsform. In Deutschland leben 46 Millionen Legehennen und weit über die Hälfte von ihnen in Bodenhaltung. Diese Haltungsform findet in einem geschlossenen Stall ohne Auslauf statt. Entweder werden die Hennen ebenerdig oder in einer sogenannten Voliere gehalten.
Die Voliere kann man sich wie einen Raum voller Regale vorstellen. Die einzelnen Etagen dieser Regale sind mit Gitterböden ausgestattet. Mitunter kann es schwierig sein die einzelnen Tiere zu betreuen, da die Voliere unübersichtlich ist. Andererseits bietet sie den Tieren durch die verschiedenen Ebenen aber auch viele Rückzugmöglichkeiten vor Auseinandersetzungen.
In der konventionellen Haltung teilen sich neun Hennen einen Quadratmeter. In der Volierenhaltung sind es sogar 18 Hennen pro Quadratmeter nutzbarer Stallgrundfläche. Bis zu 6.000 Hennen dürfen pro Stallabteil gehalten werden. Eine Hackordnung, in der sich alle Legehennen untereinander kennen, gibt es hier nicht. Dies entspricht nicht den arteigenen Bedürfnissen der Hennen, die lieber mit einem Hahn zusammen in einer kleinen Gruppe leben.
Es ist gesetzlich geregelt, dass den Legehennen Sitzstangen, Nester und ein eingestreuter Scharrraum mit Stroh und Sand oder Ähnlichem zur Verfügung stehen muss. Sonstiges Beschäftigungsmaterial wie Heu- oder Luzerneballen, Picksteine und Sandbäder sind jedoch nicht vorgeschrieben.
Erfüllt ein Haltungssystem die Bedürfnisse der Legehennen nicht, kann dies zu Verhaltensstörungen wie Federpicken und Kannibalismus führen. Mitunter langweilen die Hennen sich in der eintönigen Umgebung und richten ihren angeborenen Picktrieb gegen ihre Artgenossinnen. Dabei können schwere Verletzungen entstehen, welche mitunter zum Tod führen. Die Tiere tun dies nicht aus einer bösen Absicht heraus, sondern weil die Aspekte ihrer Haltung nicht ihren Ansprüchen genügen.

Durch die hohen Besatzdichten ist die Luft im Stall teilweise sehr schlecht. Hohe Ammoniak- und Staubkonzentrationen können zu Schäden in der Lunge und Atemwegserkrankungen führen. Hühner bevorzugen frische Luft.

 

Was bietet ein zusätzlicher Auslauf den Legehennen?


Ein Auslauf – wie in der Freilandhaltung und der Biohaltung vorgeschrieben - hat viele Vorteile für Legehennen und bietet ihnen die Möglichkeit, arteigene Bedürfnisse zu befriedigen. Das Sand- und Staubbaden ist eine arteigene Verhaltensweise und wichtig für die Gefiederpflege der Legehennen. Die Henne scharrt mit den Füßen im Sand, wälzt sich darin und streckt sich ausgiebig. Manche Legehennen nehmen sich gerne bis zu einer halben Stunde Zeit dafür. Scheint die Sonne, legt sich das Huhn für ein anschließendes Sonnenbad auf die Seite und verweilt so einige Zeit. Die Sonne fördert die natürliche Vitamin-D-Bildung.
In einem Auslauf wirken sich wechselnde Temperaturen positiv auf die Konstitution der Hennen aus. Durch die verstärkte Bewegung draußen sind die Knochen der Legehennen fester und es kommt zu weniger Knochenbrüchen.

 


Die Bio- und Freilandhaltung (Ei mit der “0“ und der „1“) bietet den Legehennen jeweils vier Quadratmeter Auslauf zum Stall. Hier können die Hennen artgemäß Scharren, Picken und Staubbaden. Hühner sind neugierige Tiere und erkunden gerne ihre Umgebung. Sie fressen draußen Gras, Würmer und Insekten und können Steinchen für eine bessere Verdauung aufnehmen.

In den Auslaufhaltungen kann es jedoch zu einer hohen Nitrat-Belastung des Bodens, zu Tierverlusten aufgrund von Beutegreifern und höheren Parasitenbelastungen kommen. Deshalb ist hier auf eine umfassende Strukturierung des Auslaufs zu achten. Bäume und Schutzhütten bieten den Legehennen Deckung vor Raubtieren und locken sie weiter in den Auslauf. Auch ein Hahn kann hier von Vorteil sein, um die Hennenherde anzuführen. Ein gutes Hygienemanagement und besondere Beachtung der Gesundheit der Tiere im Auslauf führt allerdings zu einem größeren Arbeitsaufwand, welcher dem/der Landwirt*in durch höhere Eierpreise vergütet werden sollte.

Eine besondere Form der Auslaufhaltung ist der Mobilstall. Dieser lässt sich versetzen, wodurch der Boden und die Grasnarbe geschont werden kann. Auch diese Haltungsform ist unterstützenswert und bietet den Legehennen einen Auslauf.

Fazit:

Ein glückliches Huhn lebt in einer kleinen Herde mit einem Hahn zusammen. Es hat Zugang zu frischer Luft durch einen Auslauf, in dem es sich ausgiebig sonnen und sandbaden sowie flatternd nach Insekten jagen kann. Eine ausgiebige Bepflanzung, Büsche und Bäume und ein Zaun schützen es vor Raubtieren.

 

PROVIEH fordert:

 

Abschaffung der Bodenhaltung! Es ist nicht artgemäß eine Legehenne ihr Leben lang im Stall zu halten. Jedes Tier verdient einen Auslauf, Sonne und frische Luft.

Förderung der Freilandhaltung! Das Ordnungsrecht muss angepasst werden, um beispielsweise funktionierende Doppelnutzungen und eine witterungsbedingte Nutzung des Auslaufs ermöglichen zu können. Die artgemäße Freiland-, Bio- und Mobilstall-Haltung ist für den Landwirt aufwendig und muss entsprechend vergütet werden.

Kleinere Bestände! Es ist einem Huhn nicht möglich, eine funktionierende Sozialstruktur aufzubauen, wenn es mit tausend anderen gehalten wird. Wir fordern daher kleine Bestände und eine geringere Besatzdichte.

Bessere Ausstattung der Haltungssysteme! Legehennen benötigen Beschäftigungsmaterial, Pickgegenstände, Sandbäder und einen strukturierten Auslauf, um artgemäß leben zu können.

 

Verbrauchertipps

Es gibt tierschutzgerechtere Alternativen zur Bodenhaltung. Durch Ihre Kaufentscheidung können Sie ein Zeichen setzen und dem Handel signalisieren, dass Sie die Haltung von Hühnern ohne Auslauf nicht unterstützen.

Kaufen Sie Freiland („1) oder am besten Bio-Eier („0“), um das Tierwohl für Legehennen zu fördern.

Lesen Sie nach, ob die Eier in Eiprodukten wie Keksen und Kuchen aus Bodenhaltung kommen. Wenn nicht auf der Packung gekennzeichnet ist, aus welcher Haltungsform die Eier stammen, beispielsweise bei gefärbten Eiern oder Eiern in Fertigprodukten, kann es sich sogar um Eier aus Käfighaltung handeln.

Um Ihren Ei-Konsum zu reduzieren, können Sie pflanzliche Ei-Alternativen, zum Beispiel Leinsamen, Apfelmus, Sojamehl, in Rezepten ausprobieren oder vegane Lebensmittel kaufen.

 

Mareike Petersen