Parteienvergleich zur Bundestagswahl 2021:

Wie tierfreundlich stellen sich die etablierten Parteien auf?

Am 26. September 2021 sind in Deutschland Bundestagswahlen. Wir haben die Parteiprogramme der etablierten Parteien danach untersucht, wie tierfreundlich und tierschutz-priorisierend sie sich für die kommende Legislatur aufstellen.

Im vergangenen Jahr wurde uns durch vielfache Skandale die Perversion heutiger Nutztierhaltung vor Augen geführt: Der bundesweite „Schweinestau“ durch den Ausfall eines einzigen Tönnies-Fleischwerkes, die Tiertransporte von trächtigen Rindern in Drittstaaten wie Marokko sowie die unzähligen Transporte von nicht-abgesetzten Kälbern oder die brennende Schweinemastanlage von Alt Tellin, um nur einige Beispiele zu nennen. Doch auch unabhängig von solchen Skandalen sind die manifestierten und rechtlich zulässigen Strukturen der heutigen “Nutz”tierhaltung zu großen Teilen mit erheblichem Leid für die 12 Millionen in Deutschland gehaltenen Rinder, 27 Millionen Schweine, 2 Millionen Schafe und Ziegen sowie für die knapp 170 Millionen Legehennen, Masthühner, Puten, Enten und Gänse verbunden.

Hinzu kommt, dass die heutige industrielle Nutztierhaltung weitreichende Krisen für uns Menschen nach sich zieht. Die Corona-Pandemie hat uns gezeigt, wie sehr unsere sicher geglaubten beruflichen und privaten Realitäten in einem Wimpernschlag aus den Fugen geraten können. Durch die Strukturen der heutigen Tiernutzung übertragen sich Zoonosen wie das Corona-Virus Sars-2 doppelt so häufig auf den Menschen wie noch einige Jahre zuvor. Gleichzeitig trägt die industrielle “Nutz”tierhaltung maßgeblich zur Klimakrise und zum Artensterben bei. So werden in etwa 3,5 Prozent aller Treibhausgase durch die “Nutz”tierhaltung verursacht. Zum Vergleich: Die Gesamtheit an Flugreisen nimmt in etwa fünf Prozent des deutschen CO2-Fußabdruckes ein. Die Auswirkungen von Artenverlust und Klimawandel werden uns sehr wahrscheinlich schneller einholen als gedacht. Somit sind neben dem Tierleid auch die Auswirkungen auf unsere Umwelt, Ökosysteme und das Klima triftige Gründe, die Haltung von Tieren in der Landwirtschaft endlich von Grund auf neu zu denken und diese politisch umzusetzen. Leider wird der Zusammenhang dieser Krisen mit der industriellen “Nutz”tierhaltung von der Politik unangemessen wenig diskutiert.

Um einen Überblick zu geben, welche Maßnahmen die etablierten Parteien konkret zur strukturellen Verbesserung der “Nutz”tierhaltung anstreben, stellt die Grafik entsprechende Maßnahmen gegenüber, die in den Parteiprogrammen (Stand 06/2021) genannt sind. Die Übersicht verfolgt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und wurde ausschließlich aus den Parteiprogrammen, nicht aber durch konkrete Anfragen der Abgeordneten, abgeleitet. Eine ausführliche Beschreibung der aufgeführten Maßnahmen kann aus dem Forderungspapier von PROVIEH zur Bundestagswahl auf unserer Website entnommen werden. Zusammenfassend sind aus Sicht von PROVIEH die Säulen der reformierten, gesetzlichen Rahmenbedingungen, die konkreten politischen Instrumente, die Transformation der Haltungsbedingungen, die strengere Regulierung von Transport- und Schlachtbedingungen sowie die Förderung von Gesundheit und Züchtung zur Verbesserung des Tierwohles entscheidend.

Anne Hamester

Das Programm der Alternative für Deutschland (AfD) ist bewusst nicht in unserem Parteienvergleich enthalten, da die Partei ein menschen- und demokratiefeindliches Weltbild fördert, dass nicht mit unseren Grundsätzen vereinbar ist.

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