Masthühner

Allgemein

Bei Masthühnern handelt es sich um Hühner, die auf einen schnellen und hohen Fleischansatz gezüchtet wurden. Konventionell werden fast ausschließlich spezielle Hybridrassen genutzt und gemästet. Im Jahr 2019 wurden in Deutschland über 620 Millionen Masthühner, auch Broiler genannt, geschlachtet. 79 Prozent aller Masthühner werden in Beständen von 50.000 und mehr Tieren gehalten. Der Anteil an ökologisch produziertem Fleisch der Geflügelhaltung in Deutschland beträgt ein Prozent.

Grundbedürfnisse von (Mast)hühnern

Dicht an dicht – Hochleistungshühner in der Mast
© Iris Weiland

Wie die Legehenne stammt auch das Masthuhn ursprünglich vom Bankivahuhn ab. Diese Ur-Hühner leben in kleinen Gruppen zusammen und haben eine ausgeprägte Sozialstruktur. In freier Wildbahn lebt ein Hahn beispielsweise mit ungefähr sieben Hennen zusammen. Untersuchungen ergaben, dass Hühner bei einer Gruppe von fünf und bis zu 48 Tieren eine soziale Stabilität erhalten können. In der Wildnis sind sie einen Großteil ihrer Zeit mit der Nahrungssuche beschäftigt und haben ein starkes Bedürfnis danach zu Scharren und zu Picken. Zur Gefiederpflege erfolgt das sogenannte Sandbaden und zum Ruhen ziehen die Hühner sich gerne auf Bäume zurück (aufbaumen).
Auch wenn das Huhn durch die Zucht verändert wurde, so sind im Masthuhn weiterhin die Verhaltensweisen seines wilden Vorfahren angelegt. Da Kämpfe um die Hackordnung in der Regel erst mit Eintritt der Geschlechtsreife auftreten, sind aggressive Auseinandersetzungen bei Masthühnern eher selten. Bevor diese auftreten (in etwa ab der 7. Woche), werden die Masthühner bereits geschlachtet.

Haltungsbedingungen von deutschen Masthühnern

Laut Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung darf in deutschen Ställen eine Besatzdichte von 39 Kilogramm pro Quadratmeter vorherrschen (bei der Kurzmast 35 Kilogramm pro Quadratmeter). Das bedeutet bis zu 26 Tiere leben auf einem Quadratmeter. Es ist besorgniserregend als wie schwierig es eingeschätzt wird, die Einhaltung dieser Vorgaben zur maximalen Besatzdichte zu überprüfen.

Grundsätzlich gibt es drei Hauptmastarten und eine Zwischenstufe (das Splittingverfahren) in Deutschland. Bei der Kurzmast werden die Tiere bis zu 30 Tage lang gehalten und wiegen am Ende der Mast rund 1,6 Kilogramm. Die Mittellangmast dauert 32 bis 35 Tage, mit einem Endgewicht der Tiere von 2,2 Kilogramm. Die Langmast dauert bis zu 42 Tage, das Endgewicht beträgt hier 2,7 Kilogramm.

Beim Splittingverfahren werden am 29. oder 33. Tag Masthühner aus dem Bestand entnommen. Die verbliebenen Masthühner haben eine längere Mastzeit und werden später geschlachtet.

Masthühner in einem Stall
Auch Masthühner verspüren wie alle Hühner den Drang zum „aufbaumen“, das heißt erhöht zu ruhen © PROVIEH

Masthühner werden konventionell in großen Hallen in der sogenannten Bodenhaltung gehalten. Die Ställe sind unstrukturiert und lediglich mit Futter- und Wasserleitungen durchzogen und mit Einstreu auf dem Boden versehen. In den riesigen Herden, in denen sie zu Zehntausenden gehalten werden, findet keine Untergruppenbildung statt – es sind einfach zu viele Tiere. Zudem können die Masthühner ihre natürlichen Bedürfnisse in dieser Enge nicht ausleben und stören sich unter diesen Umständen allein schon beim Ruhen oder Flügelschlagen gegenseitig. Eine verringerte Besatzdichte kann dem entgegenwirken. Aufgrund ihrer Körperfülle ruhen Masthühner überwiegend.

Da die Masthühner ihr kurzes Leben auf der gleichen Einstreu verbringen, kann es hier zu erhöhter Ammoniakbildung kommen, welche Respiratorische Krankheiten (Erkrankungen der unteren Atemwege, Lunge) auslösen kann. Unter konventionellen Bedingungen nimmt die Einstreuqualität über die Zeit immer mehr ab und das Substrat wird mitunter durch Kot verschmutzt. Mit ansteigendem Verschmutzungsgrad der Einstreu kann auch das natürliche Sandbadeverhalten zurückgehen. Das Wohlbefinden und die Klimaverhältnisse (Luft, Temperatur) können ebenfalls durch eine niedrigere Besatzdichte im Stall verbessert werden.

Auch eine Ausstattung mit Sitzstangen oder erhöhten Rückzugsmöglichkeiten ist beim Mastgeflügel sehr wünschenswert, um dem natürlichen Bedürfnis der Tiere aufzubaumen gerecht zu werden. Da das Aufbaumen eine natürliche Verhaltensweise von Hühnern ist, sollten Sitzstangen und erhöhte Ebenen genutzt werden, um den Stall zu strukturieren. Die Masthühner ebenerdig zu halten, sodass sie insbesondere nachts nicht aufbaumen können, ist nicht artgemäß.

Zucht von Masthühnern

Portrait eines Masthuhns
Masthühner werden auf einen hohen und schnellen Fleischansatz gezüchtet © Foto: Cesar Machado/stock-adobe.com

Ein Masthuhn erreicht innerhalb weniger Wochen sein Schlachtgewicht von 1,5 beziehungsweise rund 2,5 Kilogramm und wird damit viermal so schwer wie seinwildlebender Vorfahre. Legehennen erreichen 1,8 Kilogramm Körpergewicht beispielsweise auch erst mit ungefähr 4,5 Monaten. Auch wenn die Masthühner aufgrund ihrer Größe ausgewachsen aussehen, sind es noch Küken. Bei den Masthühnern handelt es sich fast ausschließlich um schnellwachsende Hybridzüchtungen. Lediglich im Ökolandbau werden langsam wachsende Rassen eingesetzt. Das Zuchtziel bei Masthühnern ist eine gute Futterverwertung und hohe tägliche Zunahme. Unter anderem wurde zu diesem Zwecke den Masthühnern das Sättigungsgefühl weggezüchtet. Auf die Genetik des schnellen Wachstums der Masthühner lassen sich mehrere tierschutzrelevante Probleme zurückführen.

Krankheiten/Probleme

Ein liegendes Masthuhn
Manche Masthühner können nicht oder nur unter Schmerzen aufstehen © Foto: Cesar Machado/stock-adobe.com

Schnelles Wachstum und wenig Bewegung kann bei Masthühnern vermehrt zu Beinschwächen führen. Eine erhöhte Bewegungsaktivität wirkt sich hingegen positiv auf die Beingesundheit aus. Beispielsweise würde die weitere Entfernung von Futter und Wasser die Tiere zum Gehen animieren. Die Beinschwäche wird unter anderem dadurch verursacht, dass das junge Skelett nicht mit dem enormen Muskelwachstum mithalten kann. Ein weiteres Problem sind schmerzhafte Entzündungen der Fußballen und Fersenhöcker, welche durch feuchte Einstreu verursacht werden.

Sowohl Beinschwäche als auch Fußballenentzündungen schränken die Vögel in ihren Bewegungen ein, verursachen Schmerzen und sind daher tierschutzrelevant. In einer jüngeren Studie mit norwegischen Masthühnerbeständen hatten 19 Prozent der Tiere schwere Probleme und über 30 Prozent zeigten bereits eindeutige Anomalien beim Laufen. Wenn Masthühnern mit Beinverletzungen schmerzmittelhaltiges Futter angeboten wird, entscheiden sie sich eher dafür und ihr Laufvermögen verbessert sich zusehends.

Da die Masthühner sich aufgrund ihrer Leiden mitunter schwer oder gar nicht mehr bewegen können, verdursten oder verhungern sie teilweise im Bestand oder magern ab. Daher ist es nicht verwunderlich, dass auch magere Tiere in Schlachthöfen ankommen und dort verworfen werden. Masthühner leiden zudem vermehrt an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, zum Beispiel in Form des plötzlichen Herztodes, welcher bei langsam wachsenden Rassen nicht vorkommt. Die Zucht der Tiere muss dringend verändert werden, um solche zuchtbedingten Herz-Kreislauferkrankungen zu verhindern. Die durchschnittliche Verlustrate in einem Masthuhnbestand beträgt fünf bis sieben Prozent. Bei einem Masthuhnbestand von 40.000 Tieren wären das 2.000 Tiere.

Elterntierproblematik

Hühner erreichen erst ungefähr nach 20 Wochen Lebenszeit ihre Geschlechtsreife und legen Eier. So alt werden die Masthühner in der konventionellen Haltung jedoch nicht. Die Hühner, die die Eier legen, aus denen die Masthühner schlüpfen, welche mit ein paar Wochen geschlachtet werden, heißen Elterntiere. Daher gibt es spezielle Elterntierherden mit Hähnen und Hennen, die befruchtete Eier legen. Die Elterntiere teilen die gleiche Genetik mit den Masthühnern und können daher genauso an den gewichtsbedingten Problemen leiden. Damit sie in das geschlechtsreife Alter kommen und ihre Reproduktionsfähigkeit nicht nachlässt, werden sie zumeist restriktiv gefüttert. Würde man den Elterntieren so viel zu Fressen geben, wie sie wollten (ad libitum), käme es zu hohen Verlusten. Das ständige Hungern führt bei den Elterntieren jedoch zu Verhaltensstörungen wie Leerpicken (Picken im leeren Trog), vermehrtes Trinken, Objektpicken und Unruhe.

Infektionskrankheiten/Antibiotika

Masthühner im Freien
Masthühner im Freilauf © Pixabay

Eine hohe Besatzdichte ist eine der Risikofaktoren zur Verbreitung einer Infektionskrankheit. Aus praktischen Gründen wird bei einer Erkrankung der gesamte Masthuhnbestand oral über das Trinkwasser mit Antibiotika behandelt. Dies bringt jedoch die Risiken der Verdünnung und vermehrten Kontamination der Stalleinrichtung mit sich. Dadurch können Krankheit erregende Bakterien gegen die Antibiotika resistent werden. Wenn dies geschieht, besteht die Gefahr, dass Menschen und Tiere nicht mehr entsprechend behandelt werden können und an Infektionskrankheiten sterben.  Sowohl Mastputen als auch Masthühner spielen eine Rolle als Quelle für antibiotika-resistente Keime. So ist es bereits vorgekommen, dass bei Untersuchungen von Fleisch aus dem Einzelhandel auf multiresistente Keime 21 bis 25 Prozent des Hähnchenfleischs und 50 bis 52 Prozent des Putenfleischs betroffen waren. Laut des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit sind drei Antibiotikabehandlungen binnen 30 Tagen in der Masthühnerhaltung keine Seltenheit. Um das Vorkommen von Antibiotikaresistenzen zu senken gibt es seit 2015 in Deutschland eine nationale Strategie. Dennoch blieb der Antibiotikaeinsatz bei Mastputen und Masthühnern bisher fast unverändert hoch.  Eine langfristige Reduktion von Antibiotika wird nur mit einer Änderung der Tierhaltung einhergehen können.

Transport und Schlachtung

Es ist üblich die Tiere von Fängerkolonnen im Dunkeln fangen zu lassen und sie in Transportboxen zu verfrachten. Dabei werden Tiere oft an nur einem Bein und kopfüber getragen, was wiederum zu Verletzungen führen kann. Am schonendsten wäre es, die Tiere am Bauch zu fassen und aufrecht zu tragen. Vor allem Transporte im Sommer können für Tiere, die unter nicht klimatisierten Bedingungen transportiert werden, zu enormen gesundheitlichen Problemen führen. Im Schlachthof werden sie schließlich entweder an den Beinen in Bügel eingehängt, ein schmerzhaftes Unterfangen für die Tiere, und zur Betäubung kopfüber in ein unter Strom stehendes Wasserbad getaucht oder durch CO2 betäubt. Anschließend werden sie durch einen maschinell ausgeführten Halsschnitt getötet. Hier kann es ebenfalls zu tierschutzrelevanten Problemen kommen, insbesondere wenn die Betäubung nicht ausreichend erfolgt und die Tiere den Halsschnitt unbetäubt erleben müssen.

PROVIEH fordert:

Eine angemessene Haltung! Hühner benötigen für eine funktionierende Hackordnung kleine Gruppen und mehr Platz zum Ausleben ihrer arteigenen Verhaltensweisen.Dazu zählen Sitzstangen und erhöhte Ebenen, Sandbäder, Beschäftigungsmaterial und Pickgegenstände sowie ein Auslauf. Die bloße Bodenhaltung wird den Tieren nicht gerecht.

Rückkehr zum Zweinutzungshuhn! Den zuchtbedingten Problemen und Krankheiten der Masthühner kann durch den Einsatz von robusten, extensiven Rassen entgegengewirkt werden.

Keine restriktive Fütterung der Elterntiere! Im Tierschutzgesetz steht, dass ein Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen zu ernähren ist. Das Leid, dass durch Hungern ausgelöst wird, ist unverantwortbar. Es müssen Zuchtlinien verwendet werden, bei denen diese Problematik nicht auftrittund spezielle Haltungsvorschriften für Elterntiere entwickelt werden.


Was Sie beim Einkauf beachten sollten

Verzichten Sie auf Hühnerfleisch aus konventioneller Haltung. 
In der ökologischen Hühnerhaltung werden aus wirtschaftlichen Gründen allerdings häufig dieselben hybriden Hochleistungslinien genutzt, wie in der konventionellen Landwirtschaft. Achten Sie daher genau darauf, wo das Hühnerfleisch herkommt und wie diese Tiere gehalten wurden. Am besten sind robuste Zweinutzungshühner, die Eier legen und Fleisch ansetzen können.

Foto oben: Ökologische Haltung von Masthühnern © Iris Weiland