Berlin demonstriert für Rinder ohne Ketten
Pressemitteilung
Breites Bündnis aus Tierschutz- und Tierrechtsorganisationen fordert Ende der Anbindehaltung – mehr als 160.000 dokumentierte Unterschriften für einen Ausstieg – Tierschutzorganisationen verlangen verbindliches Verbot auf Bundesebene
Berlin, 10. Oktober 2026. Mehrere hundert Menschen haben heute in Berlin für ein Ende der Anbindehaltung von Rindern demonstriert. Unter dem Motto „Gemeinsam für Rinder ohne Ketten! – Anbindehaltung und politisch geduldetes Tierleid beenden!“ versammelten sich auf dem Bebelplatz Tierschutz- und Tierrechtsorganisationen sowie Unterstützer:innen aus der Bevölkerung. Das Bündnis aus rund 30 Verbänden fordert die schnellstmögliche und vollständige Abschaffung der Anbindehaltung und anderer Qualhaltungen, die Förderung tiergerechterer Haltungsformen mit Weidegang und ein Tierschutzgesetz, das seinen Namen verdient. Organisiert wurde die Demonstration von ANIMALS UNITED e.V., Deutsche Tier-Lobby e.V., PROVIEH e.V. und dem Tierschutznetzwerk Kräfte bündeln.
„Anbindehaltung ist keine harmlose Tradition. Sie nimmt Rindern genau das, was sie als Herdentiere brauchen: selbstbestimmte Bewegung, soziale Kontakte und wichtige Komfortverhaltensweisen – etwa sich zu scheuern oder gegenseitig zu belecken.
Die Folgen sind fatal: Muskelabbau, Gelenk- und Klauenprobleme, Hautverletzungen, Euterentzündungen, Stress und Verhaltensstörungen.“, erklärt Kathrin Kofent von PROVIEH e.V. „Tierleid wird zugunsten der Wirtschaftlichkeit geduldet und hingenommen, obwohl wir es kennen, obwohl wir es belegen können und obwohl wir es verhindern könnten.“, so Kofent weiter.
Niedersachsen macht vor, was politisch möglich ist
In Deutschland leben nach Angaben des Bündnisses derzeit bis zu eine Million Rinder in Anbindehaltung. Die Tiere können sich nicht frei bewegen und ihren Fress- und Liegeplatz nicht selbst wählen. Natürliche Verhaltensweisen sind dadurch erheblich eingeschränkt. Wissenschaftliche Erkenntnisse und tierschutzrechtliche Bewertungen weisen seit Langem auf die gravierenden Probleme dieser Haltungsform hin.
Während Länder wie Dänemark und Norwegen die ganzjährige Anbindehaltung bereits weitgehend beendet haben, wurden auch in Österreich, Schweden und der Schweiz Schritte hin zu einem vollständigen Ausstieg eingeleitet. Niedersachsen hat im Februar 2026 einen verbindlichen Ausstiegsprozess auf den Weg gebracht. Für das Bündnis ist dies ein klares Signal, dass auch auf Bundesebene gehandelt werden muss.
Die niedersächsische Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte betonte in ihrem Redebeitrag vor Ort: „Ich hoffe, dass unser niedersächsischer Erlass auch Strahlkraft auf andere Bundesländer entfaltet und einen Impuls gegenüber dem Bundeslandwirtschaftsministerium setzt, endlich rechtsverbindliche Regelungen zu schaffen, um die Anbindehaltung von Rindern bundesweit zu beenden.“
Auch Ina Latendorf (MdB, Die Linke) fand scharfe Worte für die fortbestehende Haltungsform: „Was ist Anbindehaltung denn bitte, wenn nicht eine Bewegungseinschränkung, durch welche einem Tier Schmerzen und Schäden hinzugefügt werden.“
Neben den politischen Forderungen machten Redner:innen wie Dr. Zoe Mayer (MdB, B’90/Die Grünen) und Robert Gabel (MdEP, Tierschutzpartei) deutlich, dass neben dem Verbot der Qualhaltung auch Landwirt:innen aktiv bei der Umstellung auf tiergerechtere Haltungsformen mit Weidegang sowie bei der Erschließung alternativer Erwerbsquellen (wie pflanzlichen Lebensmitteln) flankierend unterstützt werden müssen.
Das Bündnis fordert die Bundesregierung auf, ein vollständiges Verbot der Anbindehaltung in einem novellierten Tierschutzgesetz zu verankern. Ein verbindlicher Ausstieg muss sowohl die ganzjährige als auch die saisonale Anbindehaltung umfassen.
Mehr als 160.000 dokumentierte Unterschriften für Rinder ohne Ketten
Wie groß der gesellschaftliche Rückhalt für ein Ende der Anbindehaltung ist, zeigen zahlreiche Protestaktionen und Petitionen. Für den symbolischen Scheck, der am 9. Oktober an die Bundestierschutzbeauftragte Silvia Breher übergeben wurde, wurden über 160.000 dokumentierte Unterschriften aus mehreren Aktionen zusammengeführt.
Auch eine Forsa-Umfrage aus dem Jahr 2024 im Auftrag von foodwatch zeigt eine breite Unterstützung für ein Ende der Anbindehaltung: 84 Prozent der Befragten sprachen sich für ein Verbot der ganzjährigen Anbindehaltung aus, 63 Prozent auch für die Abschaffung der saisonalen Anbindehaltung.
Bündnis fordert grundlegenden Wandel in der Tierhaltung
Die Demonstration in Berlin macht deutlich, dass die Forderung nach einem Ende der Anbindehaltung seit Jahren von zahlreichen Menschen und Organisationen getragen wird. Das Bündnis setzt sich zugleich für bessere Haltungsbedingungen, mehr Weidegang, die Abschaffung weiterer Qualhaltungen und die Förderung pflanzlicher Alternativen ein. Ziel ist eine Landwirtschaft, die den Bedürfnissen der Tiere besser gerecht wird und in der tierschutzrechtliche Anforderungen wirksam durchgesetzt werden.
Weiteres Bildmaterial von der heutigen Kundgebung auf dem Bebelplatz und dem Demonstrationszug stellen wir Ihnen auf Anfrage gerne zur Verfügung.
Pressekontakte
Kathrin Kofent, PROVIEH e. V.
kofent@provieh.de | 0431. 248 28 05
Julie Houssin, ANIMALS UNITED e. V.
julie.houssin@animalsunited.de | 01573. 419 39 33
Lukas Feldmeier, Deutsche Tier-Lobby e. V.
l.feldmeier@deutsche-tier-lobby.de | 01577. 332 92 82