Spaltenböden – ein Leben auf Beton

Das Problem der Spaltenböden am Beispiel der Schweinehaltung  

Schweine sind ursprünglich Waldbewohner und körperlich ideal daran angepasst sich auf moosigem und blätterreichem Untergrund zu bewegen. Zum Ruhen schaffen sich Schweine Schlafnester, die von der ganzen Familie (auch Rotte genannt) genutzt und immer wieder ausgebessert werden1

In der konventionellen Schweinehaltung leben die Tiere allerdings in der Regel auf Spaltenböden. Dabei handelt es sich um Betonstege in deren Zwischenbereiche Spalten eingelassen sind, um den Durchfluss von Harn und Kot zu ermöglichen. Spaltenböden stehen im Widerspruch zur natürlichen Lebensumgebung von Schweinen und sind für eine Vielzahl an physischen und psychischen Leiden der sensiblen Tiere mitverantwortlich. 

Vollspaltenboden 

Der bei weitem üblichste Bodenbelag in der Schweinehaltung ist der Vollspaltenboden. Gut 782 der Schweine in Deutschland leben in Stallsystemen mit Vollspaltenböden. Dieser perforierte Betonboden füllt den gesamten Stallbereich aus. Schweine sind eigentlich reinliche Tiere, die ihren Schlaf- und ihren Kotplatz mehrere Meter voneinander entfernt einrichten, doch eine Trennung von Ruhe- und Kotbereich ist in konventioneller Haltung auf Vollspaltenboden nicht möglich. Das liegt einerseits daran, dass Einstreu, wie beispielsweise Stroh nicht möglich ist, da dieses die Fließfähigkeit der Gülle beeinträchtigen und damit die Güllekanäle . Zum anderen sind die Besatzzahlen in konventionellen Betrieben meist so hoch angesetzt, dass den einzelnen Tieren bis zu einem Gewicht von 110kg nur 0,75qm Platz zugestanden wird.  

Die Schweine treten ihre Exkremente durch die Spalten. Unter dem Spaltenboden verlaufen Ablaufsysteme, die den durchsickernden Kot und Harn auffangen. Da der Einsatz von Einstreu nicht möglich ist, müssen die Tiere auf dem harten und verdreckten Betonboden laufen, liegen und schlafen. Dies wiederum hat zur Folge, dass die Tiere ständig mit ihren eigenen Exkrementen in Berührung kommen müssen.  

Eine Lebenswelt aus Beton und Gitter prägt die Welt der Schweine. Diese reizarme Umgebung führt aus der Perspektive des Tierschutzes zu untragbaren Problemen. 

Schweine auf Spaltenböden - Ein Schweinestall mit vielen Schweinen
Mastscheine auf einem Spaltenboden © Adobe Stock

Da es den Tieren an Beschäftigungsmaterial wie Stroh fehlt, kommt es immer wieder zu Frustrations- und Übersprungshandlungen bei Schweinen. Ein häufig auftretendes Problem bei dieser Haltungsform ist beispielsweise das Schwanzbeißen. Bei diesem Phänomen beißen Schweine nach Extremitäten (insbesondere dem Ringelschwanz) von Artgenossen. Das kann zu schmerzhaften Verletzungen führen. Um dem vorzubeugen, werden in den meisten Betrieben die Schweine kupiert. Hierbei handelt es sich um eine teilweise Amputation des Schwanzes, die in jungem Alter durchgeführt wird: meist ohne den Einsatz einer Narkose oder zumindest eines Schmerzmittels. Zu diesem Problemkomplex könnt ihr hier mehr erfahren. 

Der harte Betonboden stellt für den Bewegungsapparat der Schweine eine erhebliche Belastung dar.  

Daraus resultiert beispielsweise, dass ein Großteil der Schweine unter mindestens einer Art von Klauenerkrankung leidet3*. Auch Gelenkerkrankungen sind weit verbreitet. Gelegentlich werden Gummiaufsätze auf die Betonstege gelegt, um den Boden zumindest etwas weicher zu gestalten.  

Da die Tiere zudem auf den Spaltenböden liegen müssen, leiden viele Tiere unter Drucknekrosen und Verletzungen, die sich die Schweine zuziehen, wenn sie in den Spalten hängen bleiben. Offene Verletzungen sind besonders problematisch, da es bei diesem Haltungssystem nicht ausbleibt, dass die Tiere mit Fäkalien in Kontakt kommen. Dadurch ist die Infektionsgefahr für die Tiere besonders hoch. 

Teilspaltenboden 

Teilspaltenbodensysteme kommen seltener häufig zum Einsatz als Vollspaltenbodensysteme. Ungefähr 16 Prozent4 der Schweine in konventioneller Haltung werden in Ställen mit Teilspaltensystemen gehalten. Hierbei kommen neben Betonbalken mit Spalten auch reine Betonflächen zum Einsatz. Auf diesen Flächen ist die Zugabe von Einstreu möglich. Der Einsatz von Stroh ermöglicht es den Tieren ihren Schlafplatz und den Fressbereich vom Kotbereich zu trennen. Dies kann helfen die Infektionsgefahr zu reduzieren, da die Schweine weniger häufig mit Fäkalien in Kontakt kommen. Die Einteilung in die Funktionsbereiche kann aber nur funktionieren, wenn den Tieren mehr Platz als gesetzlich vorgeschrieben zur Verfügung steht. 

Zudem fungiert das Stroh auch als Beschäftigungsmaterial, an dem die Schweine ihr Kau- und Wühlbedürfnis ausleben können. Dadurch reduziert sich die Gefahr von kannibalistischen Handlungen wie Schwanz- und Ohrbeißen. Wichtig bei diesem Boden ist ein konsequentes Einstreumanagement und ein größeres Platzangebot als gesetzlich vorgeschrieben. Ebenso wichtig ist in diesem Zusammenhang eine artgemäße Ernährung, um einem Verdrecken der Buchten vorzubeugen. 

Alternativen 

Aufgrund der Fokussierung auf ökonomische Gewinnmaximierung leben die meisten aller in Deutschland gehaltenen Schweine in Ställen mit Spaltenböden. Doch es gibt auch alternative Ansätze. 

Tieflaufställe  

In Tieflaufställen werden die Schweine auf Matratzen aus Stroh, Sägespäne und Holzschnitzeln eingestallt. Bei dieser Haltungsart sind Fressplatz und Ruheplatz durch eine Stufe voneinander getrennt. Aufgrund des vielfältigen Bodenbelags können die Schweine natürliche Verhaltensweisen wie beispielsweise Wühlen und Erkunden ausleben. Dadurch können Stresshandlungen erheblich reduziert werden. Allerdings ist diese Haltungsweise mit einem höheren Kostenaufwand verbunden, da das beigegebene Material regelmäßig ausgetauscht werden muss. Auch steigt in diesem System die Gefahr von Atemwegserkrankungen und Zoonosen, da der Anteil an Staubpartikeln und Ammoniak in der Luft deutlich erhöht ist.  

Viele Schweine in einem Überdachten Außenstall
Aussenklimabereich © Adobe Stock

Außenklimastall 

Eine weitere Alternative ist der Außenklimastall. Diese Haltungsform bringt eine Reihe von Vorteilen mit sich. So stellt diese Haltungsform eine wesentlich artgerechtere Form der Tierhaltung dar, weil die Tiere nicht ihr gesamtes Leben in geschlossenen Stallsystemen verbringen müssen. Stattdessen haben sie die Möglichkeit den Außenstallbereich zu nutzen und in Kontakt mit Frischluft zu kommen. Dies trägt dazu bei, die Gefahr von Infektionen und Zonoosen zu reduzieren5. Durch die Zugabe von Stroh sind die Tiere nicht kontinuierlich einer drögen und reizarmen Umgebung ausgesetzt. Dadurch reduziert sich das Stresslevel der Tiere, was Verhaltensstörungen vorbeugt. Zusätzlich trägt der vielfältige Untergrund dazu bei, die Gefahr von Klauen- und Gelenkerkrankungen6 zu minimieren.

Freilandhaltung 

Am besten können Schweine ihre artspezifischen Bedürfnisse in der Freilandhaltung ausleben. Hier werden sie ganzjährig oder saisonal im Freien gehalten. Kleine Hütten bieten den Tieren Rückzugsmöglichkeiten und Schutz vor Regen und Kälte, Bäume oder an den Hütten befestigte Netze oder Planen sorgen für ausreichend Schatten in der Sommerhitze. Die Freilandhaltung ermöglicht den Tieren ihre verschiedenen natürliche Verhaltensweisen auszuleben, wie Suhlen und Wühlen. Auch aus ökonomischer Perspektive kann diese Form der Schweinehaltung reizvoll sein, da sowohl die Baukosten als auch die Energiekosten verhältnismäßig gering sind. Bei der Freilandhaltung von Schweinen müssen allerdings die Auflagen des Umweltschutzes und die Vorgaben zur Vermeidung der Übertragung von Krankheiten durch Wildschweine beachtet werden. 

Bisher werden Außenstallklimaställe und Freilandhaltungen hauptsächlich in der ökologischen Landwirtschaft eingesetzt, die nur etwa ein Prozent7der Schweinehaltung umfasst.  

Doch angesichts des fortschreitenden Klimawandels und der akuten Gefahr, die von Zoonosen ausgeht, ergibt sich die Notwendigkeit des Umbaus der Landwirtschaft. An dieser Stelle können Außenstallsysteme dazu beitragen, die Schweinehaltung nachhaltiger und ökologischer zu gestalten.  

Deshalb fordert PROVIEH eine Verringerung der Besatzzahlen und mehr Auslauf, um einerseits die Gefahr von Zoonosen zu reduzieren und andererseits dem akuten Tierleid in den Ställen Abhilfe zu schaffen. Außerdem fordern wir im Rahmen des Umbaus der Landwirtschaft die Etablierung von Programmen mit dem Ziel staatlicher Förderung zum Umbau bestehender Stallsysteme, damit Landwirte nicht auf den Kosten ökologischer Verbesserungen sitzenbleiben.  

Quellen

1 Mayer,C.; E. Hillmann; L. Schrader: Verhalten, Haltung, Bewertung von Haltungssystemen. In: Schweinezucht und Schweinefleischerzeugung. Thuehnen Institut. Braunschweig, 2006. (Seite 96-97) 

2 STATISTISCHES BUNDESAMT: Wirtschaftsdünger, Stallhaltung, Weidehaltung. Landwirtschaftszählung/Agrarstrukturerhebung 2010. Fachserie 3, Heft 6. Wiesbaden.  (Seite 45) 

3 Oberländer, Sabine: Untersuchungen zum Vorkommen von akzessorischen Bursen bei Mastschweinen. Tierärztliche Fakultät  der Ludwig-Maximilians-Universität München. München, 2015. (Seite 10) 

4 STATISTISCHES BUNDESAMT: Wirtschaftsdünger, Stallhaltung, Weidehaltung. Landwirtschaftszählung/Agrarstrukturerhebung 2010. Fachserie 3, Heft 6. Wiesbaden.  (Seite 45) 

5 Weber, M., Strack, K.E. Schweineproduktion, In: Weiß, J., Pabst, W., Granz, S. (Eds.) Tierproduktion. Enke Verlag, 2011 403-480. 

6 Temple, D., Courboulay, V., Manteca, X., Velarde, A., Dalmau, A., 2012. The welfare of growing pigs in five different production systems: assessment of feeding and housing. Animal: an International Journal of Animal Bioscience 6, 656-667.   

7 Destasis 2020 Link: Internationale Statistik: Tierhaltung, Fleischproduktion, Fleischkonsum – Statistisches Bundesamt (destatis.de)