Das Lehmkuhlener Pony

Das Lehmkuhlener Pony steht auf der Roten Liste der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. (GEH) und ist akut vom Aussterben bedroht. Diese Ponyrasse ist sogar so selten, dass sie seit den 1960er Jahren von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (dem Dachverband aller Züchter:innen, Reiter:innen, Fahrer:innen und Voltigierer:innen in Deutschland) als ausgestorben geführt wird und nur durch die Arbeit einiger engagierter Züchter:innen noch in geringer Zahl vorkommt. Das macht es für uns umso wichtiger, das Lehmkuhlener Pony hier vorzustellen.

Ein seltenes und fast vergessenes Holsteiner Urgestein  

Ein Lehmkuhlener Pony
Besitzerin: Anna Wegener, Arche-Hof, Birkeneck

Anfang des 20. Jahrhunderts begann die Baronin Agnes von Donner, eine private Ponyzucht aufzubauen. Ihr Ziel war es, ein sportliches Pony für die Kinder in ihrer Familie zu züchten. Erstmals erwähnt wurde das Lehmkuhlener Pony im Jahr 1913. Sein Name geht zurück auf den Ort der Züchtung: das Gut Lehmkuhlen bei Preetz in Schleswig-Holstein. Für die Zucht dieser Ponyrasse setzte Baronin von Donner Wildpferdstuten aus dem westfälischen Raum und einen Ponyhengst aus England, ein Westmoorlandpony, ein. Aus wirtschaftlichen Gründen musste die Zucht auf dem Gut im Jahr 1953 jedoch aufgegeben und die Herde aufgelöst werden. Nur einige wenige Züchter:innen bemühten sich um den Erhalt der Rasse, unter ihnen Hans Kurt von Eben, dem es gelang, die Zucht mit einem Deckhengst und einer Ponystute fortzusetzen. Nach seinem Tod übernahm Götz von Donner, der Enkel der Zuchtbegründerin, einen Hengst und einige Stuten von Hans Kurt von Eben, um eine Zuchtgruppe Lehmkuhlener Ponys auf Gut Breiteneiche aufzubauen.   

Zum 01.01.2021 waren beim Zuchtverband für deutsche Pferde (ZfdP) 16 Stuten, sechs Hengste und vier im Jahr 2020 geborene Fohlen verzeichnet. Es ist davon auszugehen, dass über diesen Bestand hinaus nur noch sehr vereinzelt Lehmkuhlener Ponys existieren. Was jedoch Anlass zur Freude gibt, ist die 2014 gegründete „Interessengemeinschaft zur Erhaltung des Lehmkuhlener Ponys“, die sowohl Informationen über die Rasse sammelt als auch engagierte Züchter:innen und Halter:innen für den Ausbau des Bestands sucht. In ihr sind die aktuellen Züchter:innen und Halter:innen der Lehmkuhlener Ponys vereint, die sich um die sinnvolle Fortführung der Zucht – das heißt sowohl den Erhalt des Rassetyps als auch die Erweiterung der genetischen Basis durch sinnvolle Anpaarungen und den Einsatz von Stuten und Hengsten von Veredlerrassen – kümmern. Der Gemeinschaft ist inzwischen auch die Wiederanerkennung des Lehmkuhlener Ponys gelungen, die seit 2018 beim ZfdP als eigenständige Rasse geführt wird. 

Portrait zweier Lehmkuhlener Ponys
Besitzerin: Anna Wegener, Arche-Hof, Birkeneck

Widerstandsfähiges Pony mit edlem Körperbau und ruhigem Gemüt  

Das Lehmkuhlener Pony ist eine Ponyrasse, die bis heute hauptsächlich in Schleswig-Holstein beheimatet ist. Da die Tiere sehr nervenstark und geduldig sind, eignen sie sich perfekt für den Umgang mit Kindern und werden vor allem als Reit- und Kutschponys eingesetzt. Allerdings handelt es sich hier um ein vielseitig einsetzbares, leistungsfähiges und auch leistungsbereites Sportpony mit einem beachtlichen Springvermögen, bedingt durch stabile Hufe und Sehnen, und einem gutmütigen, ehrlichen Charakter. Lehmkuhlener sind sehr genügsam und widerstandsfähig, weshalb sie sich auch durch gute Gesundheit, Langlebigkeit und Fruchtbarkeit auszeichnen. Durch ihre robuste Art können sie sogar ganzjährig im Freiland verbleiben, sofern Unterstände und Schutzhütten vorhanden sind.

Steckbrief 

Mit einem Stockmaß von 125 bis 140 cm gehören Lehmkuhlener Ponys zu den mittelgroßen Rassen. Bei ihren Fellfarben dominieren Brauntöne. Rappen kommen vor, Füchse, Windfarbene, Stichelhaarige und Falben sind selten; Plattenschecken werden toleriert, Schimmel und Isabellfarbene sind nicht erlaubt. Die Rasse zeichnet sich durch kleine weiße Abzeichen an der Stirn, der Blässe und den Beinen aus. Ihr Kopf ist fein und edel mit aufgeweckten Augen und kurzen Ponyohren. Diese Ponyrasse ist kompakt sowie kräftig und dennoch elegant, weshalb sie mit einem ansprechenden Äußeren überzeugt. In allen drei Gangarten weisen Lehmkuhlener leichte und raumgreifende Bewegungen mit einem starken Schub aus der Hinterhand auf.  

Eine Besonderheit ist, dass sich die Stuten und Hengste der Rasse äußerlich recht gut voneinander unterscheiden lassen: So ist das Langhaar vor allem bei den männlichen Tieren stark ausgeprägt, sodass bei ihnen ein gut entwickelter und charakteristischer Mähnen- und Schweifhaarwuchs zu beobachten ist.  

Thora Panicke  

Zwei Lehmkuhlener Ponys
Besitzerin: Britta von Busse