AgrarBündnis fordert Rückenwind für nachhaltige Betriebe
Fünf Jahre Forderungen Zukunftskommission Landwirtschaft: Umsetzung der Empfehlungen statt politischer Rückschritte
Berlin, 29. Juni 2026: Fünf Jahre nach Veröffentlichung der Empfehlungen der Zukunftskommission Landwirtschaft (ZKL) fordert das AgrarBündnis e.V. mit seinen 25 Mitgliedsverbänden deren konsequente Umsetzung – und formuliert dazu fünf zentrale Forderungen an Politik und Gesellschaft.
Anlass ist ein gemeinsamer Round-Table-Workshop von AgrarBündnis und Akademie Schloss Kirchberg im April 2026 auf Schloss Kirchberg/Jagst zur Zukunft bäuerlicher Wertschöpfung. Vertreter:innen aus Landwirtschaft, Naturschutz, Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft diskutierten dort über neue Einkommens- und Wertschöpfungsperspektiven an der Schnittstelle von Landwirtschaft, Klima-, Umwelt- und Gemeinwohlleistungen.
Nachhaltige Betriebe geraten unter Druck
Deutlich wurde dabei: Gerade Betriebe, die bereits heute besonders nachhaltig sowie klima-, tierschutz- und umweltorientiert wirtschaften, würden durch die aktuellen Vorschläge zur Weiterentwicklung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) erheblich unter Druck geraten. Statt die notwendige Transformation zu stärken, droht eine Schwächung zentraler Anreize für Biodiversität, Klimaschutz, Tierschutz und nachhaltige Bewirtschaftung.
Die gesamtgesellschaftliche Aufgabe zur Zukunft der Landwirtschaft in schwierigen Zeiten bleibt bestehen. Ein Rollback löst keine Probleme. Das Verbändebündnis fordert die Umsetzung der Vorschläge der Zukunftskommission Landwirtschaft (ZKL) von 2021, die nichts an Aktualität eingebüßt haben.
Gerade in Zeiten internationaler Krisen, zunehmender Unsicherheiten in den Lieferketten, des schnellen Fortschreitens des Klimawandels und des fortgesetzten Verlusts an Biodiversität, sind die Vorschläge der ZKL zur Wahrung der Ernährungssicherheit aktueller denn je.
Fünf zentrale Forderungen des AgrarBündnis
- EU-Agrarpolitik sichern und Umweltleistungen stärken Die gemeinsame EU-Agrarpolitik muss in ihrem Kern erhalten bleiben und darf weder in ihrem Budget noch in ihren zentralen Instrumenten zugunsten anderer internationaler Herausforderungen geschwächt werden. Die Honorierung konkreter und wirksamer Um-welt-, Klima- und Tierschutzleistungen muss ausgebaut werden. Dies gilt insbesondere für die Förderung des Ökolandbaus sowie für die heutigen Öko-Regelungen, den kooperativen Naturschutz, den Vertragsnaturschutz und die Agrarumweltprogramme der Länder. Diese Leistungen sind verlässlich und ausreichend zu finanzieren und dürfen nicht Kürzungsplänen zum Opfer fallen. Gleichzeitig sollten die Direktzahlungen im Sinne der Empfehlungen der Zukunftskommission Landwirtschaft schrittweise von pauschalen Flächenzahlungen hin zu einer leistungsbezogenen Honorierung weiterentwickelt werden. Kürzungen an dieser Stelle untergraben die Produktionsgrundlagen der Landwirtschaft und setzen die Ernährungssicherheit aufs Spiel. Ohne intakte Böden, Biodiversität und stabile Ökosysteme gibt es keine dauerhafte landwirtschaftliche Produktion und keine Ernährungssicherheit.
- Faire Märkte statt Marktversagen Eine zukunftsorientierte gemeinsame Marktorganisation muss weiterhin entwickelt werden. Die ZKL hat schon 2021 gefordert, einen Wettbewerbsraum zu schaffen, in dem zwischen landwirtschaftlichen Betrieben, Lebensmittelverarbeitung und Handel faire Verhandlungen stattfinden. Direktzahlungen von der EU können Marktversagen nicht ersetzen. Faire Preise bleiben eine notwendige Voraussetzung zur Einkommenssicherung. Die von der EU aktuell beschlossene Deregulierung der Neuen Gentechnik wird den wirtschaftlichen Druck auf die Betriebe noch erhöhen: Patente auf Saatgut, Pflanzen und deren Eigenschaften sind ein Riesenproblem. Es droht eine Monopolisierung des Saatgutmarktes durch immer mehr Biopatente. Hier muss dringend und mit Nachdruck gegengesteuert werden.
- Bürokratieabbau mit Augenmaß Bürokratieabbau darf nicht mit einer Absenkung von Standards einhergehen, sondern erfordert grundlegende Anpassungen in den Regelungswerken und im Verwaltungshandeln, da eine stärkere Zielorientierung und praktikable Umsetzung wesentlich für die Akzeptanz und Wirksamkeit agrarpolitischer Maßnahmen sind.
- Tierhaltungsumbau verlässlich umsetzen Der Umbau der Tierhaltung muss mit dem Tierhaltungskennzeichnungsgesetz, dem Bundesprogramm zur Förderung des Umbaus der Tierhaltung (BUT) sowie durch Erleichterungen im Genehmigungs- und Baurecht zügig umgesetzt werden, da nur so Planungssicherheit für landwirtschaftliche Betriebe geschaffen und zugleich den gestiegenen Anforderungen an den Tierschutz und den gesellschaftlichen Erwartungen entsprochen werden kann.
- Zusammenarbeit zwischen Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft stärken Es bedarf einer Weiterentwicklung der Zusammenarbeit zwischen Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft, da die anstehenden Transformationsaufgaben nur gemeinsam bewältigt werden können; dabei sollten geeignete Formate etabliert werden, in denen auch Parlamente und Ministerien verbindlich eingebunden sind. Die Borchert-Kommission und die Zukunftskommission Landwirtschaft haben ein gutes Beispiel gegeben, wie Gräben überwunden werden und eine neue Kultur der Zusammenarbeit erreicht werden können.
Weiterführende Unterlagen:
- Abschlussbericht der Zukunftskommission Landwirtschaft: „Zukunft Landwirtschaft – eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“ (29.06.2021)
- Strategische Leitlinien und Empfehlungen der Zukunftskommission Landwirtschaft: „Zukunft Landwirtschaft – eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe in schwierigen Zeiten“ (November 2024)
- Stellungnahmen zur GAP-Reform: https://www.verbaende-plattform.de/stellungnah-men
- Kritischer Agrarbericht 2026. Peter Strohschneider im Gespräch mit Tanja Busse. Mehr Komplexität wagen. Wie man Blockaden überwindet und Kompromisse schließt – Erfahrungen aus der Zukunftskommission Landwirtschaft und dem Strategischen Dialog zur Zukunft der Landwirtschaft der EU (PDF).