Stellungnahme von PROVIEH zum Ausstieg bei der Initiative Tierwohl

 

Vergangene Woche beendete PROVIEH die Zusammenarbeit mit der Initiative Tierwohl (ITW). 

Der Ausstieg erfolgte nach eingehender Analyse vorangegangener Ereignisse und Verhandlungen.

Am Anfang stand nur Tierwohl im Fokus

2011 erarbeitete PROVIEH mit ausgewählten Partnern aus der Fleischerzeugung ein umfassendes Konzept für mehr Tierwohl.  Zunächst beschränkte sich das  Bonitierungssystem auf die Schweinehaltung und sollte allen Mästern einen finanziellen Anreiz bieten, ihre Haltungssysteme im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu verbessern.  

2012 wurde der „Initiativkreis“ um REWE, als Vertreterin des Lebensmitteleinzelhandels, erweitert. Wir trugen unser gut ausgearbeitetes Konzept an Politik und Wirtschaft heran.  Auch QS Qualität und Sicherheit GmbH wurde involviert, denn QS verfügt über personelle und technische Voraussetzungen zur Umsetzung des geplanten Bonitierungssystems.

Initiative Tierwohl bereits ab 2012 ohne PROVIEH

Die Gesellschafter von QS nahmen diese Aufgabe bereitwillig an und gründeten sogleich ihren eigenen „Initiativkreis für Tierwohl“ und zwar ohne PROVIEH. 

Nur durch Druck unserer Partner erfolgte die erneute Aufnahme unseres Vereins in den Kreis der neu gegründeten QS-, beziehungsweise Tierwohl-Initiative.

Im Rahmen einer Arbeitsgruppe schlugen wir ab März 2013 Tierwohl-Kriterien und Boni-Zahlungen für Tierwohlmaßnahmen vor. Aus der Projektgruppe, die mit weiterreichenden Kompetenzen ausgestattet war, wurde PROVIEH ausgeschlossen. Ein Antrag zur Aufnahme in die Projektgruppe sowie der Vorschlag, uns in das Auditsystem einzubeziehen, wurden ohne Begründung abgelehnt. Als damals einziger Vertreter einer Tierschutzorganisation  waren wir komplett von der Ausarbeitung der Tierwohl-Projektplanung, der Auditorenschulungen und der Betriebskontrollen (Audits)  ausgeschlossen.

Startpaket als Mogelpackung

Die Kriterien-Gruppe, der PROVIEH angehörte, erarbeitete ein „Startpaket“ mit 20 Tierwohl-Maßnahmen für Schweinemäster. Ohne Rücksprache veränderte die Projektgruppe das „Startpaket“ in einigen wichtigen Punkten und verabschiedete es im August 2013. Die Kriterien-Gruppe wurde aufgelöst.

Start der Initiative Tierwohl, Stop für PROVIEH

Mit dem offiziellen Start der Initiative Tierwohl wurde PROVIEH in den Beraterausschuss, der über keinerlei Mitspracherecht verfügt, abgeschoben; die Teilnahme an der Projektgruppe blieb uns weiterhin verwehrt.

Mühevolle Zusammenarbeit

Ab 2015 wurde die Teilnahme an den Beraterausschusssitzungen von einem PROVIEH-Vorstandsmitglied fortgeführt. Trotz erster öffentlicher Kritik zu Startschwierigkeiten, Überzeichnung und Finanzierungsengpässen hielten wir an unserer Vision, die ITW als ein erfolgreiches und wirksames Instrument für mehr Tierwohl zu etablieren, fest.  

Pflichtkriterien ab 2018

Die Ausarbeitung des neuen, ab 2018 gültigen Kriterienkataloges für die Schweinehaltung erfolgte im Frühjahr 2016. Die definierten Anforderungen von PROVIEH deckten oder ergänzten sich mit denen des Deutschen Tierschutzbundes.

Doch die Entscheidung, welche Kriterien letztlich übernommen wurden, war niederschmetternd. Nur zwei Pflichtkriterien wurden festgelegt:  Teilnehmende Betriebe sollen zukünftig „10 Prozent mehr Platz“ und "Beschäftigungsmaterial“ gewährleisten. Für die Schweine bedeutet das lediglich ein Mehr an Platz von etwa einem DIN A4 Blatt. Diese Pflichtkriterien sind aus Sicht von PROVIEH unzureichend.

PROVIEH ist zunächst im Beraterausschuss geblieben, um weiterhin auf dem aktuellen Stand zu bleiben, die ITW kritisch zu hinterfragen und um auf Schwachstellen hinzuweisen.

Ende der Zusammenarbeit

Nach dem Ausstieg des Deutschen Tierschutzbundes im September 2016 stellte PROVIEH klare Anforderungen an die Initiative:

Transparenz, Mitspracherecht und vor allem mehr Tierwohl (zusammen mit der VERBRAUCHER INITIATIVE e.V. schrieben wir einen Brief an die ITW).

Eine Zusage erhielten wir nicht.

Für PROVIEH ist vom ursprünglichen Konzept zu wenig Tierschutz übrig geblieben. Dazu überrollten uns Bilder aus Schweine-Mastställen von führenden Agrarfunktionären, deren Besitzer eigentlich als Vorbilder der Tierwohl-Initiative agieren sollten. Bilder, die es PROVIEH unmöglich machen, weiterhin an die Wirksamkeit einer freiwilligen Branchenlösung zu glauben. PROVIEH wird die Initiative weder mit seinem Namen legitimieren noch ihr als „Alibi für mehr Tierschutz“ dienen. PROVIEH bedauert sehr, dass die als Branchenlösung gedachte Initiative offenbar doch keinen substantiellen Beitrag für eine tierfreundliche, nachhaltige und deutlich über dem gesetzlichen Mindeststandard liegende Schweinehaltung in Deutschland leisten kann.

 

Kiel, 25.10.2016

Kontakt: Angela Dinter, dinter@provieh.de