Alarm: Glyphosat im Harn von Mensch und Tier

15.03.2012: Glyphosat, ein industriell hergestelltes Gift, wird massenhaft als Herbizid eingesetzt und wurde jetzt im Harn von Großstädtern nachgewiesen, die mit Landwirtschaft nichts zu tun haben. Erfunden wurde Glyphosat 1950 in der Schweiz, ohne zunächst beachtet zu werden. Erst Monsanto entdeckte dessen Eignung als Herbizid und benutzt es seit 1974 als Hauptwirkstoff des damals neuen Herbizids Roundup. Es kann alle grünen Pflanzen innerhalb einer Woche abtöten. So werden Äcker vor der Aussaat von Wildpflanzen befreit.

In einem zweiten Schritt schuf Monsanto gentechnisch veränderte Nutzpflanzen, die resistent gegen Roundup sind, so dass selbst in ihrer Wachstumsphase die übrigen Pflanzen des Ackers mit Roundup totgespritzt werden können. Unter Sträuchern, Rebstöcken und anderen verholzten Pflanzen, die an ihrer Basis keine grünen Pflanzenteile haben, können mit Roundup die bodennahen krautigen Pflanzen jederzeit totgespritzt werden.

Eine dritte Möglichkeit der Anwendung wird als Sikkation bezeichnet (wörtlich: Austrocknung; propagiert als „Vorernte“ oder „kontrollierte Abreife“): Ein bis zwei Wochen vor der Ernte von Getreide, Erbsen, Bohnen, Raps, Lein oder Kartoffeln wird Roundup oder ein anderes Glyphosat-haltiges Herbizid auf die Felder gespritzt, um alle grüne Pflanzenmasse (einschließlich der grünen Teile der Erntepflanzen) abzutöten. Als Vorteil wird beworben, dass noch unreifes Erntegut zur „Totreife“ kommt, dass bei Erbsen, Bohnen und Raps zusätzlich das vorzeitige Aufplatzen der Schoten verhindert wird, dass die Mähdruschleistung und der Körnerverlust beim Mähdreschen verringert werden und dass deshalb der Gewinn steigt. Aber dann kommt für die Gesellschaft der Verdruss.

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Foto : © Potatoes awaiting harvest/ Wikipedia

Glyphosat ist seit dem Wegfall der Patentrechte billig geworden und wird deshalb in riesigen Mengen produziert, gegenwärtig 800.000 oder mehr Tonnen pro Jahr, die Hälfte davon in China. Das Gift ist mittlerweile allgegenwärtig. Durch die späte Anwendung zur Sikkation haftet es noch am geernteten Brot- und Futtergetreide und gelangt über die Nahrungsaufnahme in den Körper von Mensch und Tier. Kann es vom Darm auch weiter in den Körper gelangen? Dieser Frage ging im Dezember 2011 ein deutsches wissenschaftliches Labor nach und prüfte den Harn von Berlinern, die keinen Kontakt zur Landwirtschaft haben. Glyphosat wurde tatsächlich in deren Harn gefunden, in einer Menge von 0,5 bis 2,0 Nanogramm (milliardstel Gramm) pro Milliliter. Zum Vergleich: Trinkwasser darf höchstens 0,1 Nanogramm Glyphosat pro Milliliter enthalten, und die EU hat den Glyphosat-Grenzwert für Brotgetreide um das 100fache und für Futtergetreide um das 200fache gegenüber dem für Gemüse heraufgesetzt. Das Untersuchungslabor weiß um die Brisanz seiner Ergebnisse, fürchtet deswegen Repressionen und will seine Identität und die genauen Ergebnisse erst im Laufe von 2012 publizieren. Auch andere Labors wurden mit dem Aufbau der Glyphosat-Analytik beauftragt, um Proben in repräsentativen Größenordnungen zu untersuchen. Das bedeutet Schutz für das erste Labor und dient dem Unabhängigkeitsbeweis von dessen Ergebnissen.

Die Ergebnisse sind schockierend. Sie liegen der Redaktion des „Ithaka Journal“ vor und wurden in deren Heft 1/2012 (Seiten 9-12) im Überblick veröffentlicht. Allgemein ist bekannt: Wenn Glyphosat im Harn gefunden wird, muss es vorher im Blut gewesen sein, denn anders kann es über die Niere nicht in den Harn gelangen. Wenn Glyphosat alle Schranken vom Darm bis in den Harn überwinden kann, dann könnte es auch andere Schranken im Körper überwinden und zum Beispiel vom Blut in das Gehirn, in die Milchdrüsen und – während der Schwangerschaft – in den embryonalen Kreislauf des werdenden Lebewesens gelangen. Außer Backwaren wären dann auch Fleisch und Milchprodukte mit Glyphosat verunreinigt, und wir würden das Gift praktisch täglich aufnehmen, in sehr geringen Mengen nur, aber es reichert sich im Körper durch Bioakkumulation an, und das ist gefährlich. Schon jetzt mehren sich die Indizien, dass Glyphosat die Fruchtbarkeit von Mensch und Tier verringern und die Entwicklung eines Embryos im Mutterleib schädigen kann (Provieh-Magazin 4/2011, Seiten 16-17). Wegen der Bioakkumulation im Körper und der Gefahr für die Fruchtbarkeit von Mensch und Tier und für das werdende Leben im Mutterleib fordert PROVIEH, dass Glyphosat-haltigen Mittel für die Sikkation gesetzlich verboten werden.

Vor diesem Hintergrund ist mehr als bedenklich, dass Glyphosat-haltige Mittel auf Baumärkten leicht erhältlich sind, so dass die Gefahr der unsachgemäßen Anwendung besteht. Glyphosat, ursprünglich als Wundermittel gefeiert, entpuppt sich jetzt als Schreckgespenst. Eine solche Metamorphose haben wir im Fall des Insektizids DDT schon einmal erlebt,.

 

Sievert Lorenzen