Gentechnisch veränderte Schweine – keine Kastrationsalternative! 



Am Institut für Nutztiergenetik des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) in Mariensee wurde ein gentechnisches Verfahren entwickelt, mit dem Ebergeruch verhindert werden soll. Damit soll eine Alternative zur Ferkelkastration geschaffen werden. PROVIEH lehnt diese Methode strikt ab. Es stehen bereits erprobte Alternativen zur Verfügung. 

Das Fleisch von etwa fünf Prozent der männlichen Schweine entwickelt nach der Geschlechtsreife der Tiere den sogenannten „Ebergeruch“. Wird es erhitzt, stinkt es stark urin- oder auch fäkalartig. Es gibt mehrere Möglichkeiten, auf dieses Problem zu reagieren. So können Tiere bereits vor der Geschlechtsreife geschlachtet werden, das Fleisch kann in der Schlachterei getestet und das der sogenannten „Stinker“ entsprechend aussortiert werden oder - und das war bisher in Deutschland das gängige Verfahren - die Tiere werden kastriert. Um chirurgische Eingriffe am Tier zu verhindern, ist die Immunokastration die schonendere und tierfreundlichere Methode. Diese Methode steht bereits jetzt zur Verfügung und ist neben der Jungebermast, die von PROVIEH präferierte Methode.

Bei dem vom FLI entwickelten gentechnischen Verfahren wird durch CRISPR/Cas, einer molekularbiologischen Methode zur Modifikation von DNA, ein bestimmter Teil des Y-Chromosoms ausgeschaltet. Die Tiere haben dann zwar weiter ein X- und ein Y-Chromosom, also einen männlichen Chromosomensatz, weisen aber weibliche Geschlechtsmerkmale auf. Die Schweine sind dabei unfruchtbar. Auf Grund der fehlenden Hoden werden auch keine Geschlechtshormone gebildet, das Fleisch der Tiere kann also keinen unangenehmen Geruch entwickeln. 

PROVIEH spricht sich klar gegen die Genmanipulation von Tieren im Allgemeinen und diesen gentechnischen Eingriff am Erbgut von Schweinen im Besonderen aus.  Die Folgen durch solche Manipulationen und die gesundheitlichen Auswirkungen sind nur schwer abzuschätzen. Der Eingriff ist angesichts bestehender Alternativen zudem unnötig. Die gentechnische Modifikation fördert außerdem die Möglichkeit, Patente auf Leben zu erheben – eine Entwicklung, die wir ausdrücklich ablehnen. Hinzu kommt, dass es für diese Tiere in Europa (zum Glück) momentan gar keinen Markt gibt. Ein solches Verfahren bringt also keinerlei Vorteile, da es bereits zwei Verfahren gibt, mit welchen die Gefahr von Ebergeruch minimiert oder sogar völlig ausgeschlossen werden kann: die Jungebermast und die minimal-invasive Impfung. Beides sind seit Jahrzehnten praktizierte und weltweit anerkannte Verfahren. 

PROVIEH setzt sich deshalb für die Umsetzung der beiden tierschonenden Verfahren zur Eberhaltung ein. Es ist der falsche Weg, ständig die Tiere zu modifizieren. Stattdessen ist die Umgebung nach den Bedürfnissen der Tiere auszurichten – es sind endlich die Haltungsbedingungen zu verbessern.

 

Patrick Müller, 13.01.2021