Eigene Hühner halten

Bauernhahn statt Turbohuhn

Hühner von heute sind hoch spezialisiert. Beinahe ausnahmslos kaufen Landwirt:innen Küken aus sogenannten Hochleistungs-Hybridlinien. Damit erhalten sie Tiere, die zuverlässig 300 Eier im Jahr legen, oder sich binnen sechs Wochen schlachtreif mästen lassen. Die Lust auf Eier und Hühnerfleisch wächst weiter. Der Pro-Kopf-Verbrauch für Hühnerfleisch lag 2020 in Deutschland bei 15,5 Kilogramm, der durchschnittliche Eier-Verbrauch bei 239 Eiern.  

Mit einer so hohen Leistung und der Unterbringung in der landwirtschaftlichen Haltung gehen jedoch Probleme und Krankheiten einher, unter denen die Hühner leiden. Produktionsformen wie die Freiland- und ökologische Haltung bieten für viele den ersten Schritt sich mit ihrem Einkauf für eine bessere Tierhaltung einzusetzen. Wer sich der Aufgabe gewachsen sieht, kann es im eigenen Garten noch besser machen und eigene Hühner tiergerecht halten. 

Das Turbohuhn

Die Hühnerhaltung ist fest in der Hand der Geflügelindustrie. Für die Hühner bedeutet das zumeist ein Leben in drangvoller Enge, bei Kunstlicht und ohne Möglichkeiten, ihre natürlichen Verhaltensweisen ausleben zu können. Außerdem leiden diese Hybridhühner  massiv an den Folgen der Hochleistungszucht. Für die Fleischproduktion gezüchtete Hühner wachsen so schnell, dass Knochen und Gelenke mit dem Zuwachs an Muskelmasse oft nicht mehr mithalten können. In der Fleischproduktion kommt der Tierschutz zumeist zu kurz. 

Wenn es dagegen ums Eierlegen geht, werden nur die Hennen gebraucht. Die männlichen Geschwister der Turbo-Legehennen sind für die industrielle Fleischproduktion unwirtschaftlich. Deshalb werden allein in Deutschland pro Jahr rund 45 Millionen Küken aussortiert und getötet. Das Kükentöten ist ab 2022 in Deutschland verboten und wird vorwiegend durch die Geschlechtsbestimmung im Ei und die Bruderhahnaufzucht sowie den Einsatz von Zweinutzungshühnern ersetzt. Nur letztere vermindern die leistungsbedingten Krankheiten der Hybridrassen, da sie weniger Eier legen und langsamer wachsen. Es handelt sich hierbei jedoch noch um eine Nische, denn der Markt verlangt billige, schnell wachsende oder extrem viele Eier legende Turbohühner. 

Der Bauernhahn 

Hühner im Freiland
Foto: © fabe-lau_pixabay.com

Früher war es üblich, von derselben Hühnerschar die Hennen zum Eierlegen zu nutzten und die Hähne zum Braten. Einige dieser alten Hühnerrassen  – so genannte Zweinutzungshühner – gibt es noch, doch einige Rassen sind vom Aussterben bedroht. Stolze Hähne sind selbst in der artgerechten Hühnerhaltung selten geworden. Dabei sind sie wichtig für die Hennen, denn sie schlichten Konflikte und erfüllen wichtige soziale Bedürfnisse. Angeborene Verhaltensweisen kann man nicht verdrängen. Das gilt auch für Hennen und Hähne. Glück ist für sie, sich im Sonnenlicht zu aalen, im Staub zu baden, nach Hühnerart zu ruhen und nach Herzenslust im Grünen zu scharren, zu picken und zu fressen. Wenn Menschen  Hühner nutzen wollen, dann müssen sie diesen Tieren auch ein glückliches, artgemäßes Leben bieten. Inzwischen gibt es viele Ansätze die neuen Bürgerhühner zu halten. 

Glückliche Hühner  

PROVIEH sagt: „Wer glückliche Hühner will, muss sich selbst darum kümmern.“ Doch was heißt „sich zu kümmern“? Soll jetzt jeder wieder selbst Hühner halten? Sicher wäre das spannend – sogar in Hamburg und Manhattan werden wieder Hühner gehalten. Aber mit Rücksicht auf die Hühner, die Nachbarn, den Platz und den Geldbeutel sollte „sich zu kümmern“ natürlich im Rahmen des Möglichen bleiben. 

„Sich kümmern“ kann zu Beispiel einfach heißen, sich zu informieren. Viele Menschen ändern ihr Verhalten, wenn sie erst einmal einen Blick hinter die Kulissen werfen konnten. Dabei hilft PROVIEH Ihnen gerne. 

„Sich kümmern“ heißt auch, Produkte aus artgerechter Hühnerhaltung wertzuschätzen. Glückliche Hühner sind kostbare Hühner – und das in jeder Hinsicht, denn ihre artgerechte Haltung bedarf sehr viel mehr Hege und Pflege. PROVIEH will diese Wertschätzung fördern. 

„Sich kümmern“ kann aber selbstverständlich auch bedeuten, wieder selbst Hühner zu halten. Etliche Menschen tun das schon und sind begeistert. Wir dürfen die Hühner nicht länger der Industrie überlassen. Wir wollen sie als Bauernhähne und Bürgerhennen zurück auf die Höfe und in die Gärten holen. Wie das geht und wo es schon gelebt wird, will PROVIEH zeigen und verbreiten. 

Sich kümmern kann so einfach sein. Machen Sie mit!  

Das eigene Frühstücksei 

Ein Ei wird aufgeschlagen

Zuallererst einmal: Wer eigene Hühner im Garten halten möchte, muss sich als erstes über etwas bewusst werden: 
– Die Verantwortung. Hühner sind lebende, fühlende Wesen. Sie haben arteigene Ansprüche an ihre Haltung und die Fütterung. Sie wollen vor Beutegreifern geschützt und gut umsorgt werden. Sie machen Arbeit und Dreck und wenn sie krank werden, müssen sie auch mal zum Tierarzt gebracht werden.
– Wer kümmert sich täglich um die Hühnerschar? 
– Wer macht regelmäßig den Stall sauber? 
– Habe ich einen Tierarzt, der sich mit Hühnern auskennt? 
– Wer übernimmt die Urlaubsvertretung? 
– Und und und… 

Informieren sie sich als erstes ausgiebig über Hühner als Tiere und lernen Sie sie kennen. Erst wenn ein reflektierter Blick auf die eigene Situation geworfen worden ist, empfehlen wir eigene Hühner zu halten. Ein Huhn kann immerhin ungefähr acht Jahre alt werden und möchte dieses Leben nicht im Tierheim fristen. Wenn Sie sich der Verantwortung bewusst geworden sind und immer noch der Wunsch nach einer eigenen Hühnerschar besteht, geben wir Ihnen hier eine Hilfe zur Hühnerhaltung im eigenen Garten. 

Sieben plus eins!  

In freier Wildbahn lebt ein Hahn mit ungefähr sieben Hennen zusammen. Daher empfehlen wir zum Einstieg eine Hühnerherde in ungefähr dieser Größe. So kann sich eine stabile Hackordnung ausbilden. Wir empfehlen Ihnen bei einer kleinen Hühnerherde nicht zwei Hähne zuhalten, da es sonst zu Streitereien kommen kann. Hühner sollten außerdem nie alleine gehalten werden, es sind Herdentiere. 

Wie und womit fange ich an? 

Je nach Bundesland gibt es unterschiedliche rechtliche Voraussetzungen für die Anschaffung von Hühnern. Informieren Sie sich vorher, welche Voraussetzungen gegeben sein müssen! Melden Sie beispielsweise die Hühnerhaltung bei der zuständigen Behörde an und fragen Sie nach einer Baugenehmigung für den Hühnerstall. Beachten Sie auch, dass Hühner gegen Krankheiten wie New-Castle-Disease geimpft werden müssen. 

Beachten Sie auch, dass das Krähen des Hahnes eventuell auf Unmut in der Nachbarschaft stößt, Sprechen Sie sich daher mit Ihren Nachbarn ab. Eine reine Hennenhaltung funktioniert ebenfalls, der Hahn übt jedoch eine positive Wirkung auf die Hennen aus. Erst wenn die rechtlichen Grundlagen bekannt und abgearbeitet sind, können Sie anfangen, den Hühnerstall zu bauen und die Tiere einziehen zu lassen. 

Die Unterkunft. 

Suchen Sie einen geeigneten Platz für den Hühnerstall und die passende Umzäunung aus. Für eine artgemäße Hühnerhaltung ist ein Auslauf essenziell, daher empfehlen wir keine Hühnerhaltung in einem Stall im Hinterhof ohne Auslauf. Genauso wenig gehören Hühner in einen Käfig in die Wohnung oder auf den Balkon. Es gilt immer der Grundsatz: Je mehr Platz, desto besser. 

Wählen Sie sich den richtigen Hühnerstall zur Unterbringung aus. Ein fest installierter Hühnerstall oder ein Hühnermobil, welches versetzt werden kann, muss mit ausreichend Sitzstangen, Nestern, einem Sandbad, Futter- und Wasserspendern sowie geeigneter Einstreu versehen werden. Picksteine und Ballen aus Luzerne und Heu sind gutes Beschäftigungsmaterial für die Hühner. Der Hühnerstall muss außerdem gut belüftet sein. Zudem spielt das Lichtmanagement eine Rolle für die Leistung der Hühner. Vergessen Sie nicht jede Lücke im Hühnerstall gegen Räuber wie den Marder durch Drahtgitter abzusichern. Noch tiergerechter wird es, wenn Sie den Stall mit einem Kaltscharrraum ausstatten. Dies ist ein eingezäunter aber überdachter Bereich zwischen dem Stall und dem Auslauf. Hier können die Hühner bei schlechtem Wetter frische Luft schnappen. Dieser Kaltscharrraum ist auch ein Segen für die Tiere wenn die Aufstallungspflicht wegen der Vogelgrippe droht. Draußen im Auslauf Picken, Scharren und Sandbaden die Hühner natürlich am liebsten. Der Stall und das Futterlager sollten außerdem vor Ratten und Mäusen gesichert sein. 

Welche Rasse ist die richtige für mich?  

Welche Eigenschaften wünschen Sie sich von ihren Hühnern? Diese geben Ausschlag für die Anschaffung der entsprechenden Hühnerrasse. Wie viele Eier sollen die Hühner legen, welche Farbe sollen sie haben, wie groß sollen sie sein und dementsprechend wie viel Platz brauchen die Hühner? Sollen sie flugfreudig oder eher träge sein? Sollen Sie auch im Winter Eier legen können? Welche Eierfarbe wollen Sie haben? Möchten Sie die Hühner vorwiegend zum Eierlegen haben oder sind Zweinutzungshühner mit mehr Fleischansatz besser für Sie geeignet? Nach einer Weile werden auch scheue Hühnerrassen zahm und lassen sich sogar streicheln. Geben Sie den Hühnern Zeit sich an Sie zu gewöhnen, füttern Sie sie ab und zu aus der Hand und reden Sie mit ihnen. 

Wie sollte und kann die Haltung im Garten aussehen? 

Je nachdem wie groß Ihr Garten ist, können Sie sich für eine geeignete Art und Anzahl von Hühnern entscheiden. Bei kleinen Gärten eigenen sich kleine Rassen wie Zwerghühner besser. In der ökologischen Hühnerhaltung haben die Hühner einen Anspruch auf vier Quadratmeter Auslauf. Es gilt jedoch je mehr desto besser. Wir empfehlen mindestens 10 bis 20 Quadratmeter Auslauffläche je Huhn einzuplanen. Außerdem sollten Sie für ein besseres Hygienemanagement und zur Schonung der Grasnarbe einen Wechsel des Auslaufes anstreben, also immer andere Wiesenstücke einzäunen. Dazu kommen verschiedene Unterschlupfmöglichkeiten wie Bäume, Sträucher oder kleine Hütten, denn die Hühner brauchen auch die Möglichkeit sich vor Greifvögeln zu verstecken. 

Brauche ich einen Garten oder geht zum Beispiel auch eine große Dachterrasse? 

Ein Garten ist die bevorzugte Art der Haltung von Hühnern. Hier können sie im Auslauf picken und scharren und nach Insekten Jagen.  

Wie kann ich Hühner in der Stadt halten? 

Informieren Sie sich auch hier zuerst bei den zuständigen Behörden. Vergessen Sie nicht, sicherheitshalber ihre Nachbarn und den Vermieter einzuweihen. Hühner gehören nicht in die Wohnung, daher sollte ein Garten vorhanden sein, in dem sich der Hühnerstall und ein Auslaufeinrichten lassen.  

Welche rechtlichen Rahmenbedingungen gibt es für Hühnerhaltung? 

Auch für Hühner gilt als oberste Instanz das Tierschutzgesetz. Sie müssen die Hühner also artgemäß unterbringen, pflegen und ernähren können. Darüber hinaus gibt es die Geflügelpestverordnung, Pflichtimpfungen, das Bau- und Nachbarschaftsrecht, eine Meldepflicht für die Hühnerhaltung und noch einiges mehr zu beachten. Wir können Ihnen keine juristische Beratung geben, informieren Sie sich, was in Ihrem Bundesland erlaubt ist und welche Anforderungen Sie erfüllen müssen. Hier haben wir einige Gesetzliche Vorgaben zusammengetragen. 

Woher bekomme ich die Hühner? 

Wenn Sie sich ein Bild der Hühner machen wollen, gehen Sie auf eine örtliche Rassegeflügelausstellung. Dort können Sie die Tiere anschauen. Bei Interesse wenden Sie sich an einen Geflügelzuchtverein in ihrer Nähe, um die Hühner zu kaufen. Besorgen Sie sich eine geeignete Transportbox für die Hühner. Besonders zu beachten ist hier, dass es im Transportbehältnis nicht zu warm werden darf. 

Wo und wie können Hühner geschlachtet werden?  

Hühner dürfen zur Eigenverwertung (also nicht gewerblich) selbst geschlachtet werden. Auch beim Schlachten ist das Tierschutzgesetz (Dritter Abschnitt) anzuwenden. So darf beispielsweise nicht ohne Betäubung geschlachtet werden und es müssen entsprechende Fertigkeiten und Kenntnisse (Sachkunde) bestehen. Am sichersten ist es, eine entsprechende Sachkunde zu erwerben, wie man ein Huhn richtig betäubt, tötet, rupft und ausnimmt. 

Welche Probleme können auf mich zukommen? 

Neben den unterschiedlichen Behördengängen, die je nach Bundesland anders sein können, gibt es einige Probleme, die in der Hühnerhaltung auftreten können. So wie jedes andere Tier können Hühner auch mal krank werden. Die Vogelgrippe kann eine Aufstallung des Federviehs mit sich ziehen, dann dürfen die Hühner nicht mehr raus. Außerdem können verschiedene Ektoparasiten wie Milben (Milben im Hühnerstall verlinken) bei den Hühnern auftreten. Diese können entsprechend bekämpft werden (Milben schonen bekämpfen verlinken). Hinzu kommt, dass auch Fuchs, Habicht und Co. es gerne auf die Hühner abgesehen haben, der Stall ist dementsprechend zu sichern.  
Auch Verhaltensstörungen wie Kannibalismus und Federpicken können bei Hühnern auftreten. Diese können verschiedene Ursachen haben (Fütterung, Licht, mangelnde Beschäftigung). 

Bevor Sie sich Hühner anschaffen, sollten Sie einen Kurs zur privaten Hühnerhaltung besuchen und sich einiges Fachwissen aus Büchern aneignen. 

PROVIEH hofft, Ihnen hiermit einige Fragen beantwortet zu haben. Vielleicht verspüren Sie jetzt die Lust sich im eigenen Garten Hühner zu halten.