Deutschlands größte Schweinezuchtanlage abgebrannt – zehntausende Schweine sterben in den Flammen



Berlin, 31.03.2021: Ein Großbrand hat gestern alle 18 Ställe der Schweinezuchtanlage in Alt Tellin zerstört. Dabei wurden insgesamt fast 60.000 Schweine getötet. In der Anlage wurden knapp 10.000 Muttersauen gehalten sowie bis zu 50.000 Ferkel. Die Anlage gehörte damit zu den größten Anlagen ihrer Art in Europa. Der aktuelle Brand zeigt erneut dringenden Handlungsbedarf – beim Thema Brandschutz, aber auch ganz grundsätzlich. Solche Großanlagen müssen zukünftig vom Gesetzgeber verhindert werden. PROVIEH fordert ein Umdenken in der Politik, damit Tragödien wie diese endlich der Vergangenheit angehören.

Im Falle eines Brandes ist die Rettung aller Schweine bei Haltungsanlagen dieser Größenordnung nicht mehr möglich. Je größer die Anlage, desto schwieriger ist das Problem des Brandschutzes zu lösen. Hierzu Nicole Langebeck, PROVIEH-Fachreferentin für Schweine: „In diesem Fall war aufgrund der Fixierung der Muttersauen in Kastenständen und sogenannten “Ferkelschutzkörben” sowohl eine Rettung als auch eine Flucht der Sauen und Ferkel so gut wie unmöglich. Zudem laufen Schweine in Panik überall hin, nur nicht unbedingt gezielt ins Freie - selbst wenn Türen geöffnet werden und sie nicht fixiert wären.”

Schon 2019 war der Betrieb wegen eines technischen Defektes in den Schlagzeilen. Aufgrund einer defekten Lüftungsanlage verendeten damals mehr als 1.000 Schweine. Gestern stand nun die Anlage in Flammen und es bestätigten sich alle Befürchtungen: Ein wirksames, auf die Rettung der Tiere ausgerichtetes Brandschutzkonzept ist für Anlagen dieser Größe nicht realistisch umsetzbar. Viele tausend Tiere sind qualvoll verbrannt oder in den Rauchgasen erstickt. Und selbst für die Tiere, die es ins Freie geschafft haben, war diese Rettung bloß der Weg in die Nottötung.

Dieser Fall zeigt noch einmal die tiefgreifenden Probleme solcher Tierfabriken, bei denen Umwelt, Gesundheit und Tierwohl der Wirtschaftlichkeit zum Opfer fallen. Anlagen dieser Größenordnung dürfen nicht mehr genehmigt werden!

Hintergrund
Die Anlage wurde im Jahr 2010 von dem niederländischen Investor Adrijanus Straathof gebaut und in Betrieb genommen. Jedoch bekam Straathof 2016 ein endgültiges Tierhaltungsverbot in Deutschland auferlegt, da er in mehreren seiner Anlagen erheblich und mehrfach gegen tierschutzrechtliche Bestimmungen verstoßen hatte. Im Nachgang wurden alle Anlagen an die LFD Holding, später an die Terra Grundwerte AG verkauft, bei der unklar ist, in wessen Eigentum sich diese befindet. Auch die Anlage Alt Tellin stand vielfach in der Kritik und hat vielfältige Proteste hervorgerufen, an denen auch PROVIEH beteiligt war. Zudem ist bis heute eine Klage gegen die Betriebsgenehmigung nicht endgültig entschieden, die 2012 vom BUND und der Bürgerinitiative „Rettet das Landleben am Tollensetal“ eingereicht worden war. Die Klage richtet sich sowohl gegen die in Alt Tellin umfangreich im Einsatz befindlichen Kastenstände als auch gegen unzureichende Brandschutzkonzept. Auch wenn zumindest die Nutzung von Kastenständen in Zukunft durch die geänderten Haltungsvorgaben der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung massiv eingeschränkt wird, zeigte sich am aktuellen Fall, dass die Probleme in den Mega-Ställen noch viel größer sind und die massive Kritik mehr als berechtigt ist.


Ansprechpartner
Patrick Müller
Hauptstadtreferent
Telefon: 0151-20 43 09 47
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Nicole Langebeck
Fachreferentin für Schweine
Mail: langebeck@provieh.de

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