Den Seehofer-Käfig kennen Sie schon: Das ist der Käfig, der ab 2009 den bisherigen ablösen soll. 800 Quadratzentimeter Fläche statt bisher 550 und zudem noch 900 Quadratzentimeter je 10 Hennen für ein sogenanntes Nest. In Niedersachsen gibt es seit dem 8.10.2008 eine neue Variante: Den Ehlen-Käfig.
Ehlen, Landwirtschaftsminister im Stammland der Hühnerbarone, setzte mit tatkräftiger Unterstützung der Landtagsfraktionen von CDU und FDP seine eigenwillige Interpretation des Hennenkäfigs durch: Der Nestbereich könne auf die 800 Quadratzentimeter aufgerechnet werden. 90 Quadratzentimeter weniger Platz hat danach eine Henne in niedersächsischen Legebatterien im Vergleich zu ihren Mitgefangenen in anderen Bundesländern.
Die rund 250 niedersächsischen Hühnerbarone dürften frohlocken über diese Haftverschärfung - erlaubt es ihnen doch, rund 12 % mehr Hühner in einen Käfig zu quetschen als ihre Mitbewerber im übrigen Deutschland. 12 % mehr Eier aus denselben Anlagen ohne große Investitionen - da knallen die Champagnerkorken. Über 700.000 niedersächsischen Verbraucherinnen und Verbrauchern dagegen dürften diese Ehlen-Eier quer im Halse stecken bleiben. Immerhin sehen nach aktuellen Umfragen rund 92 % aller Deutschen die Hennenhaltung in Legebatterien als Tierquälerei an.
Doch Ehlen erscheint nimmer satt: Hatte Niedersachsen sich schon 2006 als Vorreiter bei der Wiedereinführung des Käfigs gezeigt, reicht es dem gelernten Landwirt und seinen Hühnerbaronen immer noch nicht. Er setzte einen Erlass in die Welt, der selbst in einem Gutachten des Gesetzgebungs- und Beratungsdienstes des Landtages als "klarer Rechtsverstoß" bezeichnet wurde. Aber was schert einen das Recht, wenn es darum geht, ein paar Euro mehr auf Kosten der Tiere zu verdienen. Tiere werden von Herrn Ehlen und seinen Gesinnungsgenossen ja nur als Produktionsmittel angesehen, und wer soll schon dagegen klagen? Denn auch in Niedersachsen kämpfen die Tierschutzverbände bisher vergeblich um ein Verbandsklagerecht, wie es 2007 von Bremen als ersten Bundesland eingeführt wurde.
Dennoch bleiben zwei Hoffnungsschimmer: Die laufende Klage gegen den Seehofer-Käfig vor dem Bundesverfassungsgericht und die Tatsache, dass nicht nur immer mehr Verbraucherinnen und Verbraucher, sondern auch immer mehr Handelsunternehmen auf Käfigeier - ob nun aus dem "klassischen", dem Seehofer- oder dem Ehlenkäfig - verzichten. Denn 97 % der dazu befragten Deutschen sind der Ansicht, dass Hühner artgerecht gehalten werden sollten. Darüber wird auch ein Herr Ehlen früher oder später stolpern.
Falls Sie Herrn Ehlen Ihren Protest mitteilen wollen:
Hans-Heinrich Ehlen
Niedersächsischer Minister für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung
Calenberger Straße 2
30169 Hannover
Hans-heinrich.ehlen@ml.niedersachsen.de
Kiel, 10.10.2008,
Stefan Johnigk