Mangalitza – ein Schwein mit Locken

Foto: © Wolfgang Sievers-Kottek / Arche Warder

Das Mangalitza wird von Weitem gerne mal mit einem Schaf verwechselt. Das liegt an seinem dichten, lockigen Fell, das ihm den passenden Namen „Wollschwein“ einbrachte. Der Begriff „Mangalitza“ leitet sich aus dem serbokroatischen Wort „mangulica“ ab und bedeutet so viel wie „walzenförmig, leicht fett werdend".

Mangalitzas gibt es in drei unterschiedlichen Farbvarianten: Das zahlenmäßig überwiegende Blonde, das Schwalbenbäuchige und das Rote. Das Mangalitza stammt vom serbischen Sumadija-Schwein ab, das mit einheimischen Schweinerassen gekreuzt wurde. Das wildfarbene und ein rein schwarzer Farbschlag gelten heute als ausgestorben. 

Bereits im 13. Jahrhundert wurde in Ungarn von „wolligen, fetten Schweinen“ berichtet. Doch das Wollschwein, wie wir es heute kennen, dürfte erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts entstanden sein. Die Mangalitzas entwickelten sich schnell zu einer sehr beliebten Schweinerasse. Um 1900 gab es mehr als sechs Millionen Wollschweine, die das Landschaftsbild vor allem in Ungarn und Rumänien prägten. Oft wurden sie über hunderte von Kilometern bis zum Schlachthof nach Wien getrieben. Das Interesse von Züchtern aus anderen europäischen Ländern ließ nicht lange auf sich warten, und so wurde das Mangalitza das führende Zuchtschwein in Europa.

Ausgestattet mit einem großen Bewegungsdrang leisten die Wollschweine bis heute in der extensiven Haltung einen wichtigen Beitrag zur Landschaftspflege in Wäldern, auf sumpfigen Wiesen und Stoppelfeldern. Das Mangalitza wird auch zur Bekämpfung von Schädlingen wie den Borkenkäferlarven eingesetzt.

Bis in die 1950er Jahre war das Wollschwein Lieferant für Fleisch und Speck in großen Teilen Osteuropas und der ehemaligen Habsburger Monarchie. Mangalitzafleisch ist bis heute ein wesentlicher Bestandteil der berühmten ungarischen Salami.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ging der Trend hin zu magerem Fleisch, und das führte zu einem drastischen Einbruch der Zucht. Ende der 1970er Jahre existierten nicht einmal mehr 200 reinrassige Exemplare. In Österreich, Ungarn, der Schweiz und Deutschland bildeten sich seit Ende der 1980er Jahre Initiativen zur Rettung des Wollschweins. Schließlich bewirkte ein Exportabkommen zwischen Ungarn und Spanien, das die Herstellung von Serrano-Schinken sichern soll den entscheidenden wirtschaftlichen Wiederaufschwung in Zucht und Haltung von Mangalitzas. Heute sind Schinken, Speck und Salami dieses urtümlichen Schweins Spezialitäten, die außer in Europa auch in Japan und den USA gefragt sind.

Steckbrief

Das Wollschwein ist robust, anspruchslos und wenig stressanfällig. Durch das dichte und lockige Haarkleid ist es gegen Kälte und Sonnenbrand geschützt und somit sehr gut für die ganzjährige Freilandhaltung geeignet. Die Borsten und das übrige Fell waren früher sehr begehrt als Stopfmaterial im Sattlergewerbe.

Das Sommerfell ist dünner und kürzer, sodass die dunkle Haut durchscheint. Auch Rüsselscheibe, Augenlider und Klauen der Tiere sind schwarz. Charakteristisch sind außerdem die mittelgroßen nach vorn stehenden Hängeohren. Das eher kleinrahmige Schwein hat einen kurzen Rumpf mit kräftiger Muskultur und kurze starke Gliedmaßen. Es gilt als genügsam, anspruchslos, sozial und gutmütig. Wollschweine sind Spätentwickler. Mit 11 – 13 Monaten erreichen sie die Zuchtreife Außerdem haben sie relativ kleine Würfe. Die vier bis acht längsgestreiften Ferkel sehen Wildschweinfrischlingen sehr ähnlich – ein Zeichen für die Ursprünglichkeit dieser Rasse. 

Das Mangalitza kann ein Gewicht von bis zu 350 kg bei Ebern und 300 kg bei Sauen erreichen. Das Fleisch ist dunkel und kräftig, von hervorragender Qualität und erinnert geschmacklich an das Fleisch von Wildschweinen.

Foto: © Stephan A. Lütgert / PIXELIO

Verena Stampe