PROVIEH begrüßt die eingehende Untersuchung tierschutzwidriger Ferkeltötungen

19.12.2013: Nach den Medienberichten über die grausame Tötung von Saugferkeln ermitteln nun die zuständigen Behörden auf den in den Brennpunkt geratenen Betrieben. Darüber hinaus soll geprüft werden, ob das unsachgemäße und tierschutzwidrige Erschlagen von Ferkeln systematisch gemacht wird. Pikant dabei ist, dass offenbar auch führende Verbandsvertreter in den Skandal verwickelt sind.

Die schockierenden Aufnahmen führten in der Agrarlobby und ihr nahe stehenden Medien zunächst zu stereotypen Abwehrreaktionen. Der allgemeine Tenor der Kommentare aus der Landwirtschaft ist leider: „Das seien bedauerliche Einzelfälle, nicht die Regel, Tierschutzverbände wollten mit solchen Bildern bloß Spendengelder lockermachen.“ Selbstkritik hört sich anders an.

Es ist leider anzunehmen, dass die Tötung zahlreicher, schwächlicher, „überzähliger“ Ferkel eher tägliche Routine als die Ausnahme ist – und höchstwahrscheinlich nicht nur in Deutschland. Ob dies immer so grausam vonstattengeht, wie das Bildmaterial beweist, muss erst ermittelt werden. Allerdings hieß es bereits aus den einschlägigen Kreisen, man könne schließlich „keine Tötungsmittel an Mitarbeiter“ abgeben. Jedes Mal einen Tierarzt zum Einschläfern zu rufen, sei in der Praxis auch keine gangbare Lösung. Selbst der Vorsitzende des Landvolkes in Vechta ist offenbar nicht in der Lage, eine tierschutzwidrige und damit strafbare Ferkeltötung fachlich als solche zu erkennen. So soll er im Gespräch mit der „Oldenburgischen Volkszeitung“ gesagt haben, dass der Genickbruch bei zu kleinen Ferkeln ohne vorherige Betäubung durchaus rechtens sei. Das lässt Schlimmstes befürchten.

PROVIEH gehört nicht zu denjenigen, die pauschal Tierhalter verteufeln und die Nutztierhaltung in Deutschland am liebsten ganz abschaffen möchten. Aber wir begrüßen die Einschaltung der Staatsanwaltschaften und die Ankündigungen der betroffenen Landesregierungen, darunter Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen, sowie der Veterinärbehörden, die  Kontrollen zu verstärken und eingehende Untersuchung der betrieblichen Praxis in Bezug auf die Selektion, Tötung und Tötungsmethoden vorzunehmen. Denn Missstände müssen behoben werden, wo immer sie aufgedeckt werden.

Sabine Ohm

Foto: © Tine Lentfer/ PROVIEH


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