Gute Arbeit sichtbar machen!

23.07.2013: Anzeigenkampagnen von gemeinnützigen Organisationen werden oft kritisch beäugt: „Die wollen ja nur Spenden sammeln!“ Tatsächlich gibt PROVIEH weniger als ein Prozent seines Jahresetats für Werbung aus. Das Geld fließt nach dem Willen der Mitglieder lieber in erfolgreiche Facharbeit. Doch dafür zahlt der Verein einen hohen Preis: PROVIEH ist zwar bei Fachleuten seit langem eine bekannte Größe, in der breiten Öffentlichkeit aber auch nach 40 Jahren guter Arbeit noch viel zu unbekannt. Das muss sich ändern, wenn es dem Nutztierschutz nicht bald an Zuwendung durch neue Mitglieder und Spender mangeln soll. Die große Onlinedruckerei „flyeralarm“ hat nun dazu beigetragen, PROVIEH etwas bekannter zu machen – und hat auch gleich die nötigen Mittel dafür mitgebracht: Eine professionell gestaltete Anzeige und eine Spende in Höhe von 2.500,- €.

Das Team von flyeralarm lobt jedes Jahr einen Wettbewerb für Mediengestalter und Grafiker aus. Die Wettbewerbsteilnehmer gestalten Anzeigen zugunsten gemeinnütziger Organisationen aus fünf Kategorien. PROVIEH wurde für den „flyeralarm design award 2013“ in der Kategorie „Tiere“ ausgewählt. Über 80 kreative Entwürfe für ein Werbeposter gingen zugunsten der Nutztierschützer ein. Eine hochkarätige Jury aus Vertretern der Organisationen und Fachleuten aus den Bereichen Grafik und Design wählte daraus die drei besten Entwürfe aus.  „Die Anzeige muss den Betrachter berühren, zum Nachdenken anregen oder zum Schmunzeln bringen. Und sie muss vor allem verdeutlichen, was das Herz der Organisation ausmacht“, erläutert flyeralarm die Kriterien der Bewertung.

1. Platz

Das Motiv der Gewinnerin Sissi Schneider trifft voll ins Schwarze. „Je billiger die Milch, desto mehr fehlt der Kuh“, so der Text. Die Grafik dazu zeigt, wie eine bunte Kuh nach und nach Butterblümchen, Hörner und andere Attribute verliert, bis sie nur noch als ein Schatten ihrer selbst erscheint. Treffender kann man kaum illustrieren, wie untrennbar Tierwohl und Tierproduktpreis miteinander verwoben sind. Man könne das Motiv sinngemäß auch für viele andere Tierarten verwenden, erklärt die Preisträgerin zu ihrer Idee, denn letztlich würden doch alle Nutztiere unter den Auswirkungen des Preisdrucks in der Lebensmittelbranche leiden. Auch Bernhard Klasen, Geschäftsführer der MKW Graphische Maschinen GmbH und Hauptsponsor der Kategorie „Tiere“ findet das Motiv sehr passend. Sein mittelständisches Unternehmen baut unter anderem Maschinen für den Beschnitt von Druckerzeugnissen. „Ich bin selbst auf einem kleinen Bauernhof groß geworden“, erklärt er uns und begründet seine Sympathie für PROVIEH mit einem Vergleich aus seinem Arbeitsalltag: „Papier darf man nach Belieben zurechtstutzen, bis es optimal in die maschinelle Umgebung passt. Dasselbe mit Nutztieren zu tun, ist grauenhaft, aber leider normal. PROVIEH tritt dem erfolgreich entgegen.“

 

2. Platz

Der zweite Preis ging an den Entwurf „Gesichtswurst“ von Lena Zimmermann. „Am Ende ist es Wurst. Bis dahin nicht.“ So formuliert sie ihre Werbebotschaft für PROVIEH. Tiere zu essen sei noch lange kein Grund, sie schon während ihres Lebens wie Fleisch zu behandeln, findet die junge Frau. Die Arbeit von PROVIEH sei Unterstützung wert, weil sie helfe, den Nutztieren das zu geben, was sie verdienen – ein angemessenes, würdiges Leben. Eigentlich müsste man diese Anzeige ganz groß in der Fachzeitschrift „Fleischmagazin“ platzieren, wird später am Abend der Preisverleihung an der Bar gescherzt. Doch eine nüchterne Internetrecherche dämpft die Vorfreude: 2.888,- € netto würde ein solcher Spaß kosten, das wäre wohl selbst dem großzügigsten Spender zu viel Geld für die Lust an der Provokation. Schade eigentlich.

 

 

3. Platz

Ums Geld dreht sich auch das Motiv der dritten Preisträgerin. Simone Thyssen lässt die Hühner indirekt zu Wort kommen. 56 braune Eier formen die Buchstaben „SOS“ (das internationale Notsignal „save our souls“) inmitten einer Fülle weißer Käfigeier. Die Botschaft auf dem Eierkarton darunter ist so kurz wie prägnant. „Nicht lang rumeiern. Spenden“ lautet der Appell, Nutztieren mit PROVIEH zu einem artgemäß besseren Leben zu verhelfen. Das bleibt im Gedächtnis hängen. Mit Blick auf das preisgekrönte Anzeigenmotiv  wäre schon viel gewonnen, wenn allein die deutschen Großbäckereien fortan auf Flüssigei aus quälerischer Käfighaltung verzichten würden.

PROVIEH würde gern alle drei preisgekrönten Anzeigen öffentlich wirksam einsetzen, doch dafür reicht das Geld nicht. Deshalb wird PROVIEH nur die Siegeranzeige mit Hilfe der Spende von flyeralarm im Magazin „Werte stiften“ veröffentlichen. Die Leserschaft dieses Heftes steht dem Nutztierschutz sicherlich offener gegenüber als die Abonnenten des „Fleischmagazins“. Und wenn Sie meinen, auch ein anderes der oben vorgestellten Motive solle als Werbeträger für PROVIEH möglichst viele Menschen erreichen, dann helfen Sie uns. Jede Spende unter dem Stichwort „sichtbar gut“ kommt nach Ihrem Willen garantiert nur dem einen Zweck zugute: Unsere gute Arbeit sichtbar zu machen und damit Mittel zu gewinnen, auch in den nächsten 40 Jahren nach Kräften dafür zu kämpfen, dass Tiere nicht als reine Produktionsmittel missbraucht werden.

 

Stefan Johnigk