Nachweis erbracht: Auch Fische sind fühlende Wesen!

Sarah-Lelong_Marine-Photobank11.04.2011: Hobby-Angler, Hochseefischer und Aquakulturbesitzer sind irritiert ob der neuen Erkenntnisse über die Leidensfähigkeit der Wasserbewohner. Das Bild des Menschen als „Krone der Schöpfung“, als allein fähig zu bewussten Gefühlen, erhält weitere tiefe Risse.

Foto: © Sarah-Lelong / Marine-Photobank

Fische sind keine stumpfen Reflexmaschinen. Mit der Vielfalt ihrer Empfindungen und Gedächtnisinhalte sind die Fische den Warmblütern ähnlicher als gedacht. Das belegen laut Bericht des Nachrichtenmagazins Der Spiegel (s.u.) die Erkenntnisse von Fischbiologen, Neuroanatomen und Verhaltensforschern. Sie hatten entsprechende Experimente mit Fischarten wie Regenbogenforelle, atlantischem Lachs, Kabeljau (=Dorsch), Goldfisch und Zebrafisch durchgeführt. Bei der Regenbogenforelle wurden ausgerechnet um die Maulregion, die beim Angeln durch den Haken verletzt wird, mehr als 20 Schmerzrezeptoren festgestellt.

393710_R_K_B_by_Barbara-Eckholdt_pixelio.de_Offensichtlich gibt es bei Fischen ähnliche Hirnregionen und Meldewege im Nervensystem wie bei Menschen und anderen Säugetieren, die auf Gefahren und Schmerzreize analog mit Leid und Angst reagieren. Sogar die wirbellosen Garnelen haben offenbar eine ausgeprägte Schmerzwahrnehmung. Das belegen ihre Reaktionen auf zugefügte Schmerzen durch Verätzung ihrer empfindlichen Fühler mit Essigsäure: Minutenlang rieben sie ihre malträtierten Körperteile, ähnlich wie es Säugetiere in solchen Fällen tun. Bei Fischen konnte überdies das Liebeshormon Oxytocin nachgewiesen werden, was auf die Fähigkeit zu Empfindungen von Wohlbehagen hindeutet. Es gibt also keinen Grund zur Annahme, dass das Gefühlsspektrum von Fischen signifikant enger wäre als bei uns Menschen.

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Die Angler und Fischer wollen von alledem natürlich nichts wahrhaben, sie wehren sich gegen „naive Vermenschlichung“ – klar, denn die Anerkennung der Fakten würde viele (wenn nicht alle) ihrer Praktiken in Frage stellen. Diesen Reflex kennt man auch aus der Massentierhaltung in der Landwirtschaft. Die Agrarindustriellen sprechen Geflügel,  Schweinen, Kühen etc. ebenfalls die Fähigkeit zu bewusst erlebten Emotionen ab, obwohl Wissenschaftler das Gegenteil bewiesen haben. Es gilt also: An den Erkenntnissen über die Empfindungsfähigkeit der Tiere zu Wasser und zu Lande führt kein Weg vorbei.

Vor allem bei der industriellen Hochseefischerei, bei der tonnenschwere Netze automatisch an Bord gezogen werden, erleidet ein Großteil der Fische einen grausamen Tod – entweder unterwegs durch Erdrücken, oder an Deck durch Ersticken – und wie es aussieht nicht ohne vorherige Todesangst. Auch die industriellen Fischfarmen sind nun aus Tierschutzsicht als bedenklicher einzustufen als zuvor gedacht. Der Vorwurf der Grausamkeit ist nicht mehr von der Hand zu weisen. Gängige Praktiken müssen daher dringend überdacht und geändert werden (vgl. dazu auch den Bericht im PROVIEH Magazin 3/2010) – ganz wie in der konventionellen Massentierhaltung an Land.

Sabine Ohm, Europareferentin


 

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