Wildfang und Aquakultur

sehr viele Thunfische in einem Netzgehege__Marco Carè_Marine Photobank

Foto: © Marco Carè_Marine Photobank

Das fordert PROVIEH:

  • Artgerechte Strukturierung von Fischzuchtanlagen 
  • EU-weit verbindliche Vorschriften zur tiergerechten Haltung und Tötung von Fischen
  • Förderung der Forschung zum Verhalten der Fische aus Wildfang und Aquakultur: Was sind natürliche Verhaltensweisen? Was sind Schmerz- und Leidfaktoren? Welche Einflüsse steigern das Wohlbefinden der Tiere? (z.B. Licht, Temperatur, Standort, Genetik u.v.a.)
  • Freiheit der Forschenden und volle Transparenz der Forschungsarbeiten.

Das sind einige unser Gründe:

Bereits 76 Prozent der Süßwasserfische, die der Mensch in irgendeiner Weise verwertet, stammten im Jahr 2006 aus einer Aquakultur. Über die natürliche Lebensweise von Fischen und über ihre Bedürfnisse ist aber nur wenig bekannt.

Fische empfinden Angst, Stress und Schmerzen, aber trotzdem werden vielfältige Verletzungen, Verzicht auf Betäubung und qualvolle Todesarten akzeptiert und mit „ungenauen Forschungsergebnissen“ gerechtfertigt. Fische werden begrifflich eher den Pflanzen zugeordnet. So werden sie „geerntet“ anstatt „geschlachtet“. Alle gängigen Fischfanggeräte führen unterschiedlich schwere Verletzungen herbei und ein Großteil der Fische stirbt langsam und qualvoll. Im Gegensatz zu anderen Tieren müssen Fische vor dem Schlachten nicht betäubt werden, wenn sie in großer Menge gefangen werden. Sowohl beim Wildfang als auch in Aquakultur wäre es aber möglich, die Fische zu betäuben und schonend zu töten. Trotzdem gibt es keine rechtsverbindliche Tierschutzvorschrift für die Fischhaltung in Aquakultur. Die Empfehlungen des Europarats zur Aquakultur sind freiwillig.

Der Begriff Aquakultur bezeichnet unterschiedliche Haltungs- und Zuchtverfahren, von Netzgehegen im offenen Meer bis zu geschlossenen künstlichen Tanks an Land. In der Regel werden die Tiere in viel zu hoher Besatzdichte gehalten. Das führt zu einer oft schlechten Wasserqualität, Stress, schlechten Wachstumsraten und einem erhöhten Krankheitsbefall. So treten beispielsweise Deformationen am Herzen, an der Schwimmblase und an der Wirbelsäule auf. Auch der Parasitenbefall in Aquakulturen stellt ein großes Problem dar. Obwohl die industrielle Aquakultur nahezu eine Milliarde Dollar pro Jahr für tierärztliche Produkte ausgibt, liegen die krankheitsbedingten Verluste in Hocheinkommensländern etwa zwischen 20 und 50 Prozent. Hinzu kommen die enormen Transportverluste. Denn während die Tiere eingefangen, verladen, transportiert, ausgeladen und in neue Tanks gesetzt werden, sind sie großem Stress und Verletzungen ausgeliefert.

Aquakultur wird gern als Ausweg aus dem Wildfang dargestellt, aber sie ist nicht ökologisch und umweltfreundlich, sondern konventionell. So werden oftmals Jungtiere gefangen, die dann in Aquakultur gemästet werden. Fleischfressende Fische wie Lachs, Forelle, Alaska-Seelachs, Hering, Aal oder Thunfisch müssen zudem mit überwiegend wildgefangenem Fisch in Form von Fischmehl oder Fischöl gefüttert werden. Das trägt zur Abnahme der Fischbestände in den Weltmeeren bei.

Langfristig will PROVIEH erreichen, dass das Angst-, Stress- und Schmerzempfinden von Fischen weiter erforscht wird. Ziel der öffentlichen und politischen Förderung muss die Einhaltung von Tierschutzaspekten (tiergerechte Haltung und Tötung) beim Wildfang und in Aquakultur sein. Ebenso muss die Verfütterung von Wildfisch und die Belastung der Umwelt gesetzlich geregelt werden.

 Farmed Salmon Aquaculture_Salmon Farm Protest Group_Marine Photobank

Foto: © Salmon Farm Protest Group / Marine Photobank


fair-fish_fish-facts7_Fischzucht-cover


Weitere Artikel

  • Toxisches Planzenschutzmittel im Fisch? Nicht mit uns! Mehr...
  • Nachweis erbracht: Auch Fische sind fühlende Wesen! Mehr...
  • Das Meer wird leergefischt – Aquafarming als Alternative zum Wildfang? Mehr...
  • Herpesvirus gefährdet Karpfen Mehr...
  • Der Turbo-Lachs - Bedrohung für die Weltmeere? Mehr...